Alte Apfelsorten mit edlem Geschmack

Das Apfeljahr 2017 fiel im Bergischen Land nicht gerade gut aus. Im Remscheider Sortengarten an der Lobirke gab es aufgrund der Spätfröste einen nahezu kompletten Ernteausfall. Nur einige sehr spät blühende Sorten hatten überhaupt etwas im Baum hängen. Um so größer war die Freude bei der Verkostung der seltenen Exemplare.

Drei Apfelsorten haben es mir dabei besonders angetan. Laut den auf unserer Internetseite zu findenden Beschreibungen von H. J. Bannier eignen sie sich nicht so sehr für die Streuobstwiese, sondern – wenn er sie überhaupt für anbauwürdig hält – eher für den Garten. Ich habe sie trotzdem in den Remscheider Sortengarten an der Lobirke gepflanzt, um zu zeigen, dass sie bei etwas intensiverer Pflege auch im Remscheider Klima gedeihen können.

Stark wachsende Sämlings-Unterlagen für Hochstämme mögen sie nicht so sehr, sie kommen besser zurecht mit mittelstark wachsenden MM106-Unterlagen, die dann  zum Schutz vor der Feuchtigkeit der Wiese etwas aufgeastet werden können.

London Pepping

Soll laut MÜHL schon 1580 unter dem Namen “Five Crowned Pippin” bekannt gewesen sein. Ananasartige, würzige Säure mit hohem Zuckeranteil. Sehr saftig. Ein Genuss. Ich habe 10 Bäume der Sorte gepflanzt, einer davon ist schon etwas älter (ca. 5 Jahre). Dieser Baum neigt zur Alternanz, trägt also nur alle 2 Jahre;  beschenkt mich dann aber mit wunderbaren Früchten.


Historische Apfelsorte London Pepping

Roter Winterkalvill

Der bekannte frühere Pomologe OBERDIECK hat bei dieser Sorte auf MERLET verwiesen, der die den Roten Winterkalvill schon 1675 aufgeführt haben soll. Geschmack nach Himbeere. Spezielle Fruchtigkeit mit viel Zucker. Festes, knackiges Fruchtfleisch: etwas ganz Besonderes.


Historische Apfelsorte Roter Winterkalvill

Adersleber Kalvill

Dabei soll es sich laut MÜHL im Jahre 1830 um die erste gezielte Apfelkreuzung auf deutschem Boden gehandelt haben. Gekreuzt wurden

  • der Weiße Winterkavill:  sehr guter Geschmack, aber krankheitsanfällig und wärmebedürftig,
  • mit dem Gravensteiner: sehr guter Geschmack, aber sehr windanfällig, fällt häufig schon vor der Reife vom Baum.

Das Kreuzungsergebnis kann sich in jeder Hinsicht sehen lassen. Der Adersleber Kalvill hat einen sehr guten, würzigen Geschmack, ist meiner Meinung nach auch relativ wenig  krankheitsanfällig, er verträgt zumindest das feucht-kühle Remscheider Klima recht gut. Dabei ist er kaum windanfällig und hat bei uns in einem halbwegs guten Apfelsommer auch die Zeit, genügend auszureifen.

Geschmack: In allen Anteilen (Süße/Säure/Würze) nicht so dominant wie die zwei vorhergehenden Sorten, aber alle dezenteren Komponenten ergeben ein stimmiges, mild-würziges Geschmacksbild.


Alte Apfelsorte Adersleber Kalvill

Auf dem Bild gut zu sehen sind die grau-grünlichen Flecken auf der Apfeloberfläche, die keinen Einfluss auf den Geschmack haben und sich mit einem Tuch entfernen lassen. Sie entstehen in besonders feuchten Apfeljahren, oder wenn der Baum nah am Wald steht.