Archiv der Kategorie: Obstbaum- und Obstwiesenpflege

Obstbaumerziehung: Herunterbinden der Leitäste

Besonders die triploiden Apfelbäume (Gravensteiner,Boskoop, Kaiser Wilhelm u.a.),die auf Sämlingsunterlagen gezogen werden, können eine stattliche Größe erreichen. Geeignete Maßnahmen, um dem überschießenden Wachstum Einhalt zu gebieten, sind

  • nur zurückhaltende, möglichst im Sommer durchzuführende Schnittmaßnahmen und
  • die Abspreizung von Leitästen in einen flacheren Winkel. Der BUND empfiehlt bei allen Obstbaum-Hochstämmen einen Winkel der Leitäste von 45 Grad (http://www.bund-lemgo.de/obstbaumpflanzung.html).

Leichter gesagt als getan, da die Leitäste von Gravensteiner-, Kaiser-Wilhelm- und anderen triploiden Apfelbäumen schon nach wenigen Jahren ziemlich dick und lang werden. Welche Möglichkeit gibt es also, zu steile Leitäste für einige Zeit in einem 45-Grad-Winkel zu bringen und zu fixieren, so dass diese nach Beseitigung der Fixierung (nach einigen Monaten) im optimalen Winkel verbleiben?

Anhängen von Gewichten:

Eher ungeeignet, weil sich diese kaum richtig an den Ästen fixieren lassen.

Abspreizen der Leitäste durch Stöcke:

Das klappt nur bei jungen Bäumen, die relativ kurze und weiche Leitäste, aber schon einen stärkeren Mitteltrieb haben, der dem Druck der Spreizhölzer aushält, ohne sich zu verbiegen. Werden die Leitäste länger und dicker, muss beim Spreizen ziemlich weit oben an den Leitästen angesetzt werden. Dadurch müssen die Spreizhölzer so lang sein, dass sie sich kaum noch richtig fixieren lassen.

Herunterbinden und Befestigen an den Dreiecksböcken:

Funktioniert häufig nicht. Zum Herunterbinden muss das Band relativ weit außen an den Ästen befestigt werden und dann nach unten und innen in Richtung Pfähle gespannt werden. Es entsteht ein ungünstiger Zugwinkel, der zum seitlichen Verbiegen der Äste führt.

WP_20150326_006Herunterbinden mittels zusätzlicher äußerer Pfähle:

Erleichtert das Herunterbinden ungemein, die Pfähle stören jedoch beim Mähen. Also müssten sie jedes Mal vorher entfernt und später wieder fixiert werden. Bei zwei oder drei Bäumen mag das noch gehen, bei einer größeren Anzahl wird der Aufwand zu groß.

 Herunterbinden an eine kreuzförmig angebrachte Lattenkonstruktion:

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Eine gute Möglichkeit: Die Holzlatten kann man günstig im Baumarkt kaufen und mittels Bändern am Dreiecksbock befestigen.

Hinterher ist man schlauer: ein Nachtrag
Im Nachhinein musste ich feststellen, dass es nutzlos ist, viel Energie in das Herunterdrücken der Leitäste aufzubringen. Sobald der Baum Früchte trägt, drücken sich die Leitäste eh herunter. Dann ist das Problem eher umgekehrt: wie schaffe ich es, dass sich die (für den Fruchtbehang noch zu schwachen) Äste nicht herunterbiegen und ich sie fixieren kann?

Wozu Obstbäume schneiden?

 

 

Ein Beitrag von Hartmut Brückner, dem Vorsitzenden des Bergischen Streuobstwiesenverein e.V.

Obstbäume sind auf Wurzel- oder Stammunterlagen veredelt (gepfropft oder okuliert). Daher entwickeln sie gern einen eigenwilligen Kronentrieb. Selten treiben sie von sich aus allseitig gleichmäßig und flachkegelig nach oben. Es erfordert in der Jungbaumphase immer eine erzieherische Nachhilfe durch Schnitt, Spreizen oder Hochbinden von Mitteltrieb und Ästen.

Unterlassung von Obstbaumerziehung führt zu folgenden Fehlentwicklungen:

  • Durchwachsen des Mitteltriebs. Der Baum wird turmhoch und spindelig.
    Mitteltrieb treibt durch und kippt nach einer Seite ab, überbaut die tieferliegenden Leitäste, die wegen Lichtmangel verkümmern.
  • Der Mitteltrieb gabelt sich ein- oder mehrmals. Das führt zu einer gewaltigen Überbauung. die die Bildung niedrigerer leichter beerntbarer Leitäste aufgrund von Lichtmangel verhindert.
  • Zu viele Leitäste:  drei bis vier reichen aus. Der Baum wird zu dicht, Leitäste werden nicht kräftig genug, und beim Ernten paßt später keine Leiter in den Baum.
  • Ziel der Obstbaumerziehung bei Hoch- und Halbstämmen ist es, eine gleichmäßige, statisch ausgewogene, unter 120 bis 140° flachwinklige Krone im Rahmen der etwa 10-jährigen Erziehungszeit heranzubilden. Hierbei gilt die Regel, so früh wie möglich eingreifen und korrigieren, umso einfacher kann das Ergebnis erreicht werden.

Die Jungbaumerziehung kann nur erfolgreich sein, wenn der Jungbaum von der Baumschule her folgende Voraussetzungen mitbringt:

  • Gerader Mitteltrieb, der bis 1,5-fach stärker als die Leitäste ist.
  • 3 bis 4 Leitäste , – die radial um den Mitteltrieb gleichmäßig angewachsen sind,
    – die gleiche Durchmesser, gleiche Abgangswinkel und Länge haben,
    – die flache Abgangswinkel (ca.45°) haben und
    – die keinen Schlitzast haben (Qualitätsmangel!).

Einen solchen Obstbaum bei der Baumschule auszusuchen, ist für einen Normalkunden schwierig. Die dafür objektive Beratung seitens der Baumschulen ist nicht immer optimal, meist hat der Kunde bei der Baumschule nur eine begrenzte Auswahl von Bäumen im Verkaufseinschlag vor sich und wird nicht in die Baumschulquartiere gelassen, um sich besser gewachsene Bäume auszusuchen.

Beschaffung von Jungbäumen
Bei der Beschaffung von geeigneten Jungbäumen bin ich gerne behilflich, einige Sorten können auch direkt von mir bezogen werden:

Hartmut Brückner, Email: brueckner.h@gmx.de, Telefon: 0175 / 2210 232

Bergschafe für die Beweidung von Streuobstwiesen

Bergschafe eignen sich besonders gut für das Klima im Bergischen Land

Bergschafe stammen ursprünglich aus dem Alpenraum. Sie sind aufgrund ihres dichten Fells besonders unempfindlich gegen Wettereinflüsse wie Nässe und Kälte. Dadurch eignen sie sich besonders für die Beweidung von Bergischen Streuobstwiesen.

Beweidung des Bergischen Streuobst-Sortengarten in Remscheid durch Braune Bergschafe

Braunes-BerschafRolf Meyer, Mitglied des Bergischen Streuobstwiesenvereins und zuständig für den Sortengarten, hat mit dem Remscheider Züchter von Braunen Bergschafen, Klaus Louis Hanne, eine Kooperation vereinbart:

10 Mutterschafe und 20 Lämmer werden auf der ca. 2 Hektar großen Fläche weiden.

Die Schafe werden satt, die Wühlmäuse in Schach gehalten, und es braucht kaum noch gemäht zu werden. Eine klassische “win-win-Situation”.

Hier geht es zu einem youtube-Infofilm über Braune Bergschafe:

Stammschutz durch Abstandhalter für Motorsensen

Die Firma Tiger-Pabst (www.tiger-pabst.de) hat einen neuen Abstandhalter  für Motorsensen entwickelt. Dieser wurde zunächst im Weinbau eingesetzt, um den Stammschutz für die empfindlichen Rebstöcke bei Mäharbeiten zu gewährleisten.

Bild Tiger PflanzenschutzAber er funktioniert natürlich auch beim Mähen rund um Obstbäume! Das besondere an ihm ist der 360 Grad-Rundumschutz.

Keine Schäden durch Motorsensen mehr: besserer Stammschutz

Die normalen roten Schutzbleche verdecken nur einen vorderen Teil der Sense. Wenn der Mensch nun vor dem Baum steht, die Motorsense hinter dem Baum platziert ist und er dann das Gerät zu sich heranzieht, läuft er in Gefahr, den Stamm zu verletzen. Das kann ihm bei dem neuen Rundumschutz nicht passieren. Die Mäharbeiten können viel schneller erledigt werden, weil man nicht mehr aupassen muss.

Der Aufsatz kann im Internet bestellt und nachträglich an eine Motorsense angebracht werden. Wenn er nicht genutzt wird, kann er nach hinten geklappt werden. Sehr empfehlenswert!

Hier ein Auszug aus dem Katalog der Firma Tiger-Pabst. Die Originalbezeichnung ist “TIGER-Pflanzenschutz”. Links in der ersten Spalte steht die Artikelnummer:

Tiger-Pflanzenschutz

Unwirksamer Verbissschutz nach Schneefall

Verbissschutz im Winter: der Hase und die Apfelbaumrinde

Obstbaumschädigung_durch_wildverbiss

 

Hier verliert der Verbissschutz seine Wirkung: Stellen Sie sich vor, Sie haben Tage lang nichts zu essen bekommen und dann steht vor Ihnen die leckerste Mahlzeit, und Sie brauchen sich nur noch zu bedienen….

So geht es dem Hasen, wenn er mitten im verschneiten Winter auf die ungeschützte Rinde von jungen Obstbäumen trifft. Da kann er nicht widerstehen.

Ein eigentlich wirkungsvoller Verbissschutz aus Drahtgeflecht kann nach ausgiebigen Schneefällen schnell wirkungslos werden.

 

Schutz vor Stammverletzungen durch Fadenmäher

Verletzungen der Baumrinde durch maschinelles Mähen

Im unmittelbaren Bereich des Baumes kann hohes Gras meist nur manuell oder mit Hilfe eines Fadenmähers beseitigt werden. Beim Einsatz des Fadenmähers kann es auch zum Kontakt mit dem Stamm des Obstbaumes kommen: mit der Folge von schwerwiegenden Verletzungen der Rinde.

Effektiver Stammschutz

Die Firma GREENMAX bietet jetzt einen sehr effektiven Stammschutz an. Er wurde auf der vom BSOWV gepflegten Streuobstwiese in Remscheid-Reinshagen eingesetzt und hat sich sehr bewährt. Die Gitter ist aus einem geschmeidigem und zähem Material, lassen sich für größere Stammdurchmesser miteinander verbinden und halten den mechanischen Einwirkungen eines Mähfadens stand.

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Junger Kardinal-Bea Baum mit Greenmax-Stammschutz

 

 

Bezugsquelle:
http://www.greenmax.eu/de/stammschutz/

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De Prinz kütt: Prinz Albrecht von Preußen

WP_20150928_003Darf ich mich vorstellen:

ich bin der Prinz Albrecht von Preußen und produziere jahrein jahraus eine Menge Allergikeräpfel. In diesem Jahr habe ich aber über die tollen Tage so viele Blüten und Früchte angesetzt, dass ich jetzt furchtbar müde bin.

Die nächsten 2 Jahre muss ich zur Kur und mich schonen. Meine Leitäste werden wieder hochgebunden. Hin und wieder etwas Kraftsport durch Einkürzen der Leitastspitzen, auf dass meine Arme kräftiger werden. Ansonsten  ist in den nächsten beiden Jahren Schonung und Entfernung der Blüten angesagt.