Bewertungskriterien für H. J. Bannier’s Apfelsorten – Beschreibungen

Apfelsorten für den Garten oder für die Streuobstwiese

Im Haus- oder Kleingarten werden meist nur wenige Apfelbäume gepflanzt und die Besitzer wünschen sich in der Regel gut schmeckende Tafeläpfel zum Frischverzehr. Häufig ist der Platz begrenzt, so dass hier eher schwächer wachsende Sorten bevorzugt werden (stark wachsende Sorten können alternativ auf schwächeren Unterlagen gepflanzt werden). Auch ist meist ein früher Ertragsbeginn der Sorte erwünscht.

Auf der Streuobstwiese erfolgt in der Regel keine intensive Pflege und die Bäume müssen sich gegen die Wasser- und Nährstoffkonkurrenz des Grünlandes durchsetzen. Hier sind deshalb in erster Linie stark wachsende Sorten gefragt. Ein großer Teil der Ernte landet in der Regel zur Saftherstellung in der Mosterei, weshalb hier auch reich tragende Wirtschaftssorten von hoher Baumgesundheit zum Zuge kommen können. Meist geht es bei Obstwiesenpflanzungen weniger um schnellen Ertragsbeginn als vielmehr um die Langlebigkeit der Bäume.

Anpflanzung von robusten Apfelsorten

Sowohl für den Garten als auch für die Streuobstwiese können nur solche Sorten als geeignet hervorgehoben werden, die ein Mindestmaß an Robustheit gegenüber den häufigsten Pilzkrankheiten Schorf, Mehltau und Obstbaumkrebs haben.

Es gibt auch kompliziertere Sorten mit hohen Ansprüchen an Boden und Standort bzw. intensivem Pflegeaufwand. Das braucht Obstbesitzer jedoch nicht davon abhalten, solche ‚Liebhabersorten’ – bei passenden Standortbedingungen und ggf. intensiverer Pflege – dennoch anzupflanzen.

Lagerdauer von Äpfeln in Abhängigkeit von der Qualität des Obstlagers

“Lagert man viele verschiedene Sorten, die an ein und demselben Standort geerntet wurden, unter jeweils den gleichen Lagerbedingungen ein, so ergibt sich auch hier eine sortenspezifische Lagerdauer bzw. Genussreife der einzelnen Sorten. Im Vergleich der untereinander ergibt sich eine Art Reihenfolge der Lagerdauer der verschiedenen Sorten.

Die mögliche Lagerdauer einer Apfelsorte ist jedoch stark abhängig von der Qualität des Obstlagers (Temperatur, Luftfeuchte) und – genauso wie die Pflückreife – auch stark abhängig vom Verlauf der Jahreswitterung, von der Region, dem Mikrostandort, der Wurzelunterlage, dem konkreten Erntezeitpunkt sowie der Fruchtgröße der geernteten Früchte.

Die in den Sorten-Beschreibungen genannten konkreten Zeiträume beziehen sich auf die Lagerung gesunder Früchte mittlerer Größe in einem qualitativ guten Naturlager (z.B. kühler Keller, Erdlager, kühle Garage o.ä.).

In vielen Fällen sind die in den Sortenbeschreibungen genannten Zeiten auch kürzer angesetzt als in manchen Literaturangaben. Das trägt zum einen dem Umstand Rechnung, dass angesichts der derzeitigen Klimawandels die gesamte Fruchtentwicklung (vom Blütezeitpunkt bis zum Erntezeitpunkt und der Lagerung der Früchte) terminlich etwas nach vorn verschoben ist und die Lagerzeiten sich entsprechend auch verkürzen.

Genussreife

Versteht man unter „Genussreife“ der Sorten nicht nur den Zeitraum, in dem man die Früchte „noch essen kann“, sondern den Zeitraum, in dem man die Früchte „mit Genuss“ verzehren möchte, können sich die genannten Zeiträume – je nach den Ansprüchen des Baumbesitzers – bei manchen Sorten noch weiter verkürzen.

Auch aus diesem Grund wurden die Lagerzeiten der einzelnen Sorten teilweise etwas kürzer angegeben als in der Literatur. Dies bezieht sich allerdings vor allem auf die Tafelapfelsorten, die zum Frischverzehr gedacht sind, weniger auf die reinen Wirtschaftssorten, die ohnehin nur der häuslichen Verwertung zu Kuchen, Mus o.ä. dienen sollen.

Wirtschaftsäpfel und Tafeläpfel

Da die häusliche Verwertung von Äpfeln zu Kuchen, Mus, Kompott, zum Dörren oder auch die Nutzung der Früchte für Apfelsaft oder Obstbrand früher eine viel größere Rolle gespielt haben als heute, handelt es sich gerade bei vielen der alten Sorten um reine Verarbeitungs- bzw. Wirtschaftsäpfel, die mit ihrer Säure (oder auch ihren Bitterstoffen) einen hohen Wert für bestimmte Verarbeitungszwecke haben, den heutigen Erwartungen an einen Tafelapfel dagegen nicht genügen.

Die die in den Sorten-Beschreibungen gemachten Angaben sollen einen Eindruck geben von der geschmacklichen Qualität bzw. der Aromastärke der verschiedenen Sorten, wobei die Bewertung natürlich subjektiv bleibt. Liebhaber saurer Sorten werden sicherlich zu anderen Ergebnissen kommen als die (vermutliche) Mehrheit der Apfelkonsumenten, die eher zu süßsäuerlich-aromatischen oder süß-aromatischen Früchten tendiert.

Sorten, die in den Sorten-Beschreibungen  mit den Noten 1-3 abschneiden, werden – je nach persönlichen Vorlieben – in der Regel noch als Tafelapfel zum Frischverzehr akzeptiert.

Autor: Hans-Joachim Bannier
Copyright: Hans Joachim Bannier / Rolf Meyer

Über die Ergebnisse können Sie sich exklusiv hier auf den Internetseiten des Bergischen Streuobstwiesenverein e.V. informieren: 

—   200 Apfelsorten: kurze Liste, geordnet nach Woche der Pflückreife

—  200 Apfelsorten: Beschreibungen geordnet nach Woche der Pflückreife

—   200 Apfelsorten: Beschreibungen alphabetisch geordnet