Die Verbreitung alter Obstsorten in Mitteleuropa

Alte Obstsorten und die Rolle Kaiser Karls des Großen bei ihrer Verbreitung

Dass alte Obstarten, die bei uns jetzt wieder hoch im Kurs stehen, sich so gut in Mitteleuropa verbreiten konnten, haben wir wohl hauptsächlich Karl dem Großen zu verdanken:

Im 9. Jahrhundert erließ er eine Verordnung, in der u.a. festgeschrieben wurde, welche Pflanzen in Klostergärten anzupflanzen seien, darunter auch Obstbäume. Dadurch fanden die verschiedenen Obstarten wie Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen usw. sehr früh eine rasche Verbreitung. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden dann an den vielen Standorten durch Mutationen die sogenannten “Zufallsämlinge”. Alle historischen Sorten sind aus diesen Mutationen entstanden. Erst im Jahre 1839 gelang es, eine neue Sorte gezielt zu züchten: den Adersleber Kalvill, eine Kreuzung aus den Apfelsorten Gravensteiner und Weißer Winterkalvill.

Das vom Kaiser Karl dem Großen im 9. Jahrhundert erlassene Capitulare de Villis et curtis imperialibus (Auszug)

Auszug aus dem Capitulare de Villis et curtis imperialibus Karls des Großen

“…..An Fruchtbäumen soll man nach unserem Willen verschiedene Sorten Apfel-, Birn- und Pflaumenbäume halten, ferner Eberesche, Mispeln, Edelkastanien und Pfirsichbäume verschiedener Arten Quitten, Haselnüsse, Mandel- und Maulbeerbäume, Lorbeer, Kiefern, Feigen-, und Nussbäume und verschiedene Kirschsorten.

Quelle: Übersetzung aus: Wies, Ernst W.: Capitulare de Villis et curtis imperialibus. S. 21