Obstbaumpflanzung in Rollkies

Ein Beitrag von unserem Mitglied Hartmut Brückner

Die bisher gängigen Methoden

Die gängigen Methoden, Wühlmäuse von den Wurzeln der frischgepflanzten Jungobstbäume fernzuhalten, sehen die Verwendung von entweder unverzinktem oder verzinktem Sechseckdrahtgeflecht, Maschenweite 13 mm, vor.

Den unverzinkten Maschendraht gibt es meist nur mit einer Drahtfadenstärke von 0,6 bis 0,8mm Durchmesser im Handel. Der rostet schnell durch; das heißt, er wird bereits nach einem Jahr brüchig und ist danach sehr bald durchlässig für Wühlmäuse.

Der verzinkte Maschendraht ist haltbarer. Es besteht aber die Gefahre der Strangulation der durch die Maschen treibenden Wurzeln.

Neue Methoden der Obstbaumpflanzung

A. Pflanzbeispiel eines wurzelnackten Jungbaums in Rollkies,
Körnung 8 bis 16mm

Vorgehensweise:

  1. Ausheben eines Pflanzlochs von 35 bis 45 cm Durchmesser und ca. 30 cm Tiefe,
  2. napfförmiges Auskleiden des unteren Bereiches des Pflanzlochs mit Mutterboden,
  3. Einsetzen des wurzelnackten Jungbaums, wobei die nach unten führenden Wurzeln in den Mutterboden gedrückt werden. Dabei muss der Baum festgehalten werden.
  4. Den Boden des Mutterbodennapfes mit Rollkies, Körnung 8 bis 16 mm auffüllen,Wurzelnackt-in-Kies
  5. schrittweises weiteres Auskleiden der Pflanzlochwand nach oben mit 10 bis 15 cm dicker Mutterbodenwand, so dass die Wurzelenden in der Mutterbodenwand sitzen.
  6. Schrittweises Auffüllen des Hohlraums in der Mitte bis unter die Verzweigung der Wurzeln mit Rollkies. Sicherstellen, dass der Hohlraum unmittelbar unter der Wurzelverzweigung aufgefüllt ist, notfalls Rollkies hineinstopfen.
  7. Auskleiden der Pflanzlochwand mit Mutterboden bis zur Oberfläche,
  8. Auffüllen der hohlen Mitte ringsum den Stamm mit Rollkies. Es soll in der Pflanzlochmitte ein Rollkies gefüllter Zylinder von ca. 15cm Durchmesser und 20cm Tiefe entstehen, in den die Wühlmäuse nicht eindringen.
  9. Sollte ein Pfahl notwendig sein, muss dieser vorher nach dem Ausheben des Pflanzlochs eingeschlagen werden und in das Pflanzschema einbezogen werden.

B. Pflanzbeispiel eines Jungbaums mit Wurzelballen in Rollkies,
Körnung 8 bis 32mm

Vorgehensweise:

  1. Ausheben eines Pflanzlochs von ca. 65cm Durchmesser und ca. 45cm Tiefe, wenn der mit Wurzelballen-in-KiesWurzelballen einen Durchmesser von 35cm und eine Höhe von 25 bis 30cm hat. Das Pflanzloch muss an die Größe des Wurzelballens angepasst werden. Dabei muss darauf geachtet werden, dass um den Wurzelballen herum eine Schale mit Rollkies von mindestens 15cm passt.
  2. Muldenförmiges Auffüllen des Pflanzloches mit Rollkies, Körnung 8 bis 32mm,
  3. Einsetzen des Jungbaums mit dem Wurzelballen in die Rollkiesmulde. Dabei muss der Baum möglicherweise festgehalten werden.
  4. Auffüllen der Zwischenräume neben dem Wurzelballen mit Rollkies. Der Rollkies soll kegelförmig zum Stamm hin aufgefüllt werden.
  5. Auffüllen des Pflanzloches mit Mutterboden bis zur Oberfläche,
  6. Sollte ein Pfahl notwendig sein, muss dieser nach dem Einsetzen des Baums neben dem Wurzelballen eingeschlagen werden und in das Pflanzschema einbezogen werden.

C. Pflanzung mit oder ohne Wurzelballen
in einen verzinkten großen Maschendrahtkäfig

Vorgehensweise:

  1. Bereitstellen von verzinktem, möglichst dünnem Sechseckgeflecht, Maschenweite 13 mm, Wichtig: der Käfig muss besonders groß sein, damit die Wurzeln Platz zum Wachsen haben: Breite 1,0 m, einmal mit einer Länge von ca. 3,2 m für die Seitenwände und zum anderen mit einer Länge von 1,0 m für den Bodenbereich.
  2. Ausheben eines Pflanzlochs von etwas mehr als 1,0 m Durchmesser und einer Tiefe von ca. 50 cm,
  3. Auslegen des Drahtbodens von 1 x 1 m in das Pflanzloch. Dabei müssen die Ecken nach in Drahtoben aufgebogen werden, also der Pflanzlochwand angepasst werden.
  4. Hineinstellen der kreisrunden Seitenwand, Umfang 3,2 m, so dass sie 1,0 m aufrecht und parallel zur Pflanzlochwand steht. Dabei die Unterseite mind. 5cm rechtwinklig abbiegen, so dass die Seitenwand rundum auf dem Drahtboden überlappt und ein nach unten geschlossener Drahtkäfig entsteht.
  5. Befüllen des Drahtkäfigs mit Mutterboden bis ca. 10 cm unterhalb der Oberfläche,
    dabei in der Mitte ein Pflanzloch für einen wurzelnackten Jungbaum oder einen mit Wurzelballen versehenen aussparen.
  6. Jungbaum in die ausgesparte Pflanzmulde setzen. Dabei muss er festgehalten werden,
  7. Auffüllen der Jungbaumwurzel oder des Wurzelballens mit Mutterboden,
  8. Umlegen des überstehenden Drahtgeflechts und Überlappen bis hin zum Stamm, dabei am Stamm nach oben stehen lassen, nicht zusammenbinden.
  9. Auffüllen der 10cm-Schicht oberhalb der überlappenden Drahtlage bis zur Oberfläche,
  10. Sollte ein Pfahl notwendig sein, muss dieser vor dem Auffüllen des Drahtkäfigs eingeschlagen werden. Zuvor muss der Drahtboden an dieser Stelle ein wenig aufgeschlitzt werden, damit der Pfahl durch den Draht getrieben werden kann. Die obere Drahtschicht muss um den herausragenden Pfahl aufgefaltet werden.

Nachbetrachtung:

Bei Pflanzbeispiel A haben wir bei drei im letzten Jahr gepflanzten Jungbäumen den erwarteten Neuaustrieb erhalten.

Bei Pflanzbeispiel B fehlt uns noch Erfahrung, Stand Januar 2016. Um den Drang der Wurzelspitzen durch die Rollkieswand von ca. 15 cm zu verstärken, haben wir außen ringsum den Rollkies Kuhmist und Kompost in den Mutterboden eingelagert.

Zu Pflanzbeispiel C muss gesagt werden, dass das Ausheben von mehr als 0,5 Kubikmeter Erdreich zu aufwendig ist und dass darauf vertraut wird, dass die Wurzeln den nach ca. 10 Jahren hoffentlich mürben verzinkten Maschendraht sprengen werden und durch die Maschen weiterwachsen. Wenn dieses Pflanzbeispiel gewählt wird, muss auf jeden Fall aller dünnstes verzinktes Sechseckgeflecht verwendet werden, damit die Festigkeit des Drahtgeflechts nach ca. 5 bis 7 Jahren durch Korrosion geschwächt wird.