Winterapfelsorten für eine späte Ernte

Mitte bis Ende November: die ersten Nachtfröste machen sich bemerkbar, und es ist Zeit, die späten Winterapfel-Sorten zu ernten.

Eine möglichst späte Ernte verspricht den höchsten Zuckeranteil und die beste Fruchtqualität.

Voraussetzungen für eine möglichst späte Ernte der Winteräpfel

Es gibt allerdings einige Voraussetzungen zu beachten, um Winteräpfel wirklich spät ernten zu können:

  • eine Wind- und Sturmfestigkeit der jeweiligen Sorte, kein Fruchtfall schon zu Beginn  der Reife,
  • eine möglichst feste Textur des Fruchtfleisches,
  • ein Abpassen des besten Erntezeitpunktes.

Späte Winterapfel-Sorten müssen lange am Baum hängen bleiben können

Apfelsorten, die sehr spät geerntet werden, müssen natürlich entsprechend lange am Baum „kleben bleiben“ können. Man muss wissen, welche Sorten dazu in der Lage sind. Der Schöne von Boskoop verfügt leider nicht über diese Eigenschaften. Anfang November liegen die Äpfel auf der Wiese, wenn man sie noch nicht vorher geerntet hat.

Späte Winterapfel-Sorten sollte eine möglichst feste Textur des Fruchtfleisches haben

Sorten mit lockerem Fruchtfleisch neigen dazu, den optimalen Reifegrad schneller zu überschreiten. Sie können dann mehlig werden, auch wenn sie noch am Baum hängen. Sorten wie z.B. der Ontarioapfel oder der Rheinische Winterrambour haben eine festere Textur und sind aus diesem Grund schon besser geeignet, längere Zeit am Baum hängen zu bleiben.

Beobachtung der Wettervorhersagen

Frost über einen längeren Zeit, der vom Boden aufsteigt, wird von keiner Sorte vertragen. Nach den ersten stärkeren Bodenfrösten sollte es Zeit für die letzte Ernte des Jahres sein.
Auch die kälterobustesten Apfelsorten machen bei starkem Frost schlapp. Dann lassen sich die Äpfel nur noch zu Eiswein verarbeiten. Das genau geschieht jedes Jahr in Kanada. Dort kommt von einem Tag zum anderen so starker Frost auf, dass die am Baum hängenden Äpfel der Sorte Ontario vereisen. Hieraus wir mit großen Erfolg ein berühmter Apfel-Eiswein hergestellt.

2016 wurden im Sortengarten des Bergischen Streuobstwiesenvereins in Remscheid nach der Ernte Äpfel im Baum belassen, um bei den vorhandenen Sorten die Eignung für eine Spätlese zu prüfen.

Vorstellung einiger später Winterapfel-Sorten

Folgende Apfelsorten haben sich als besonders geeignet für eine späte Ernte erwiesen:

Späte Winterapfel – Sorte Nr. 1: der Rheinische Bohnapfel

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Der Rheinische Bohnapfel ist für eine Ernte sehr geeignet. DIE Sorte für einen reinsortigen Spätlese-Apfelsaft:

  • eine dezente Süße
  • gepaart mit einer milden, etwas bitter-und gerbstoffhaltigen  Säure,
  • ein hoher Anteil an Trübstoffen, die dem Saft fast eine smoothy-artige Textur verleihen (allerdings muss der Saft dann auch innerhalb eines Jahres verbraucht werden, weil danach die Trübstoffe im Saft verklumpfen).

Späte Winterapfel-Sorte Nr. 2: die Zuccalmagliorenette

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Die Kreuzung zwischen Berlepsch und Ananasrenette ist eine bemerkenswerte Sorte: feine, zitronige Säure mit guter, sortenspezifischer Würze und – bei möglichst später Ernte – hohem Zuckergehalt.

Allerdings dürfen die Früchte bei der späten Ernte nicht zu groß sein. Auf dem Bild unten sehen Sie ein besonders großes und von außen schönes Exemplar. Nach dem Aufschneiden zeigte sich – im Gegensatz zu den kleineren Früchten – dass der optimale Reifezeitpunkt schon längst überschritten war:

 

Späte Winterapfelsorte Nr. 3: die Zabergäurenette

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Die Zabergäurenette ähnelt im Geschmack der Sorte „Schöner von Boskoop“, hat aber eine etwas stärkere Würze und weniger Säure. Sie ist zum Verzehr als Tafelapfel geeignet.

Spät im Jahr, wenn die ersten Fröste kommen, kommt die Zabergäurenette in die Spätreife: die Schale wird dann rötlich und der Apfel lagert noch einmal zusätzlich Zucker ein. Als Tafelapfel dann ein Genuss und auch wunderbar mit Fenchelsamen für Apfelkompott (mit Fenchelsamen) zu gebrauchen.

Späte Winterapfelsorte Nr. 4: Kaiser Wilhelm

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Jawohl: Kaiser Wilhelm! Sollte man nicht meinen, da er in dem Ruf steht, schnell mehlig zu werden. Aber nicht am Baum, sondern wenn er gelagert wird: dann sollte er schnell verbraucht werden.

Die Kaiser-Wilhelm-Äpfel können durchaus bis November am Baum verbleiben, der vorherige Fruchtfall hält sich in Grenzen. Große Mengen Zucker werden dann noch in der späten Reifephase eingelagert. Aber das wissen auch die Vögel. Im Spätherbst picken sie bevorzugt Kaiser Wilhelm-Äpfel auf.

Die späten Kaiser-Wilhelm-Äpfel eignen sich ganz hervorragend für die Produktion von reinsortigem Spätlese-Apfelsaft.

Späte Winterapfel – Sorte Nr. 5: Rheinischer Winterrambour

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Geschmacklich gibt der unverwüstliche Massenträger „Rheinischer Winterrambour“ nicht viel her, aber als Beigabe für einen Mischsaft oder Obstbrand kann er durchaus interessant sein.

Späte Winterapfel – Sorte Nr. 6: Ontario

Diese Sorte ist bekannt dafür, dass sie bis zu den ersten Bodenfrösten am Baum hängen bleiben kann. Der ganz spät geerntete Ontario hat einen interessanten Geschmack, ähnlich wie eine Nashi-Birne: ein hoher Zuckeranteil mit einer herben Säure, aber eine vergleichsweise dezente Würze. Er dürfte einen interessanten reinsortigen Apfelsaft abgeben. 

Ein Gedanke zu „Winterapfelsorten für eine späte Ernte

  1. Wunderapfel

    Apfeleiswein ist wirklich eine ganz besondere Apfelspezialität, der leider noch viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. Und nicht nur in Kanada stellt z.B. Michel Jodoin mit dem Cidre glacé rosé einen ganz besonderen Apfeleiswein her, sondern auch der Iseple von Egge Gard aus Norwegen oder der Malus Danica von der Cold Hand Winery aus Dänemark sind hervorragende Apfeleisweine. Aber auch der EisApfel von Jörg Geiger aus Schlat bei Göppingen ist ein Blick wert. Im Gegensatz zu den anderen Eisweinen hat er ein einzigartiges Süße-Säure-Verhältnis.

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