Wie schon bei der Diskussion um die “alte” Gentechnik in den 1990er Jahren werden die interessierten Konzerne sowie die mit den neuen Techniken befassten Wissenschaftler nicht müde, das Blaue vom Himmel zu versprechen: Da soll es trockenheitsresistente und klimaresiliente Pflanzen geben, Pflanzen, die keine Spritzmittel mehr benötigen etc.pp.
In den letzten 10 Jahren ist in den Vereinigten Staaten keine einzige krankheitsresistente Apfelsorte gezüchtet worden
Was tatsächlich dabei herauskommt, wenn die neuen gentechnischen Züchtungsverfahren (wie in den USA bereits vor 10 Jahren geschehen) freigegeben werden, lässt sich am Beispiel des Apfels eindrücklich aufzeigen: In den USA ist in den 10 Jahren der Freigabe keine einzige krankheitsresistente Apfelsorte gezüchtet worden !!!
Man züchtet lieber länger haltbare Sorten
Statt dessen hat man die üblichen Handelsapfelsorten mit gentechnischen Methoden so verändert, dass sie nach dem Aufschneiden nicht mehr braun werden (und dem Verbraucher eine Frische vortäuschen, die womöglich gar nicht mehr gegeben ist) – die sogenannten “Arctic apples” !! Da werden also weiterhin die hoch anfälligen modernen Apfelsorten mit mächtigem Aufwand an chemischen Pflanzenschutzmitteln produziert, in riesigen Plantagen, die rein gar nichts mit Ökologie und Klimaresilienz zu tun haben.
Das ist die Wirklichkeit der neuen Gentechniken – und nicht die Versprechen, die den Bürgern gemacht werden, um die Stimmung in der Bevölkerung zu kippen.
Wer sich die Segnungen der “Arctic apples” einmal selbst sozusagen “aus erster Hand” anschauen möchte, gehe auf die Homepagte https://arcticapples.com/media/ und scrolle dort ganz herunter und schaue sich die Werbefilme der Firma “Okanagan Specialty Fruits LLC” an. Wollen wir ernsthaft, dass das die Zukunft der Züchtung und die Zukunft des Apfelanbaus wird?
Die Gentechnik birgt unvorhersehbare Gefahren
Es wird von interessierter Seite immer wieder behauptet, dass die neuen Techniken nichts anderes machen als was auch in der Natur (z.B. bei Mutationen) vorkommen würde oder vorkommen könnte. Nach dem Gesetzesentwurf der EU sollen bis zu 21 Eingriffen ins Genom sozusagen als “normales Züchtungsverfahren” gelten und aus dem strengeren Gentechnikrecht ausgenommen werden, so als könnten solche genetischen Veränderungen auch in der Natur (oder mit traditionellen Züchtungsverfahren) bewirkt werden. Wissenschaftlich ist diese Definition und Grenzziehung allerdings absolut haltlos und die Grenze von 21 genetischen Manipulationen ist eine rein politisch-ideologisch gewollte Definition.
Zudem sind mit den neuen Züchtungstechniken Eingriffe ins Genom von Pflanzen auch an Stellen möglich, die bei in der Natur vorkommenden oder chemisch provozierten Mutationen niemals erreicht werden. Kritische Wissenschaftler sprechen von der viel größeren “Eingriffstiefe” ins Genom und warnen davor, dass die Nebenwirkungen hier nicht vorhersehbar seien.
Es wird immer wieder behauptet, die neuen gentechnischen Verfahren könnten exaktere und gezieltere Veränderungen im Genom vornehmen als die “alte” Gentechnik dies konnten. Das ist zwar richtig, aber: “Gezielter” heißt keineswegs, dass die Nebenwirkungen solcher Eingriffe ins Genom von Pflanzen oder Tieren vorher absehbar und beherrschbar sind. Insbesondere, wenn die Eingriffe an Stellen des Genoms erfolgen, die bei natürlich vorkommenden (oder aufgrund chemischer Einflüsses provozierten) Mutationen niemals angegriffen werden. Der Ausgang solcher Eingriffe ist letztlich unvorhersehbar – deshalb hat das bisherige Gentechnikrecht richtigerweise das Vorsorgeprinzp walten lassen und umfangreichere Prüfverfahren zugrunde gelegt.
Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ist gegen gentechnische Versuche an Lebensmitteln
Seit Jahrzehnten ergeben Umfragen in der Bevölkerung der gesamten EU, dass eine stabile Mehrheit von 70-90 % der Bürger Gentechnik in Lebensmitteln ablehnt. In Bayern hat sogar der Landtag vor Jahren beschlossen, dass Bayern gentechnikfrei bleiben soll. Lobbyiert seitens großer Konzerne sowie einer Wissenschaftselite von Molekulargenetikern, die an den Patenten verdienen, scheren sich die Politiker in Brüssel darum anscheinend überhaupt nicht mehr. Und die bayerischen Vertreter in Brüssel versuchen sich aus der Affaire zu lügen, indem sie einfach behauipten, die neuen Verfahren “seien gar keine Gentechnik”, daher bliebe Bayern ja weiterhin gentechnikfrei.
Gentechnik ist nicht die Löung
Die Geschichte der Apfelzüchtung der letzten 50 Jahre liefert ein eindrückliches Beispiel dafür, dass der “Tunnelblick aufs Genom” bzw. das Starren auf einzelne Gene keine nachhaltig resistenten Apfelsorten hervorgebracht und die Misere des hohen Einsatzes an Pflanzenschutzmitteln im konventionellen Apfelanbau nicht gelöst hat. Dies habe ich in zwei Vorträgen im Detail hier dargelegt: https://www.youtube.com/watch?v=VUzMvRCpSp4&t=2966s oder  https://www.youtube.com/watch?v=VoMoedroOoU