Beschattung von Obstbaumästen durch Fruchtholz

Bei der Erziehung von Jungbäumen nach dem Oeschbergsystem werden nach dem Anschneiden der Leitäste alle nach oben/innen und stark seitlich weisenden Knospen ausgebrochen. Dadurch wird erreicht, dass die gesamte Wuchskraft in die nach außen gerichteten Knospen geleitet wird, und die Baumkrone entsprechend an Breitenwachstum zunimmt. Außerdem haben die V-förmig nach außen weisenden Seitenäste die besten statischen Eigenschaften. 
Trotzdem wir alle „unerwünschten“ Triebe entfernt haben, wächst an diesen Stellen im Laufe der Zeit schwaches Fruchtholz mit geringen Neigungen zum Wachstum. Diese „ruhigen“ Triebe entfernen wir nicht: sie werden zur Beschattung der Starkäste und anderer Früchte benötigt!

Fruchtholz auf der Oberseite eines Starkastes

Gegenseitige Beschattung durch speziell ausgerichtete Pflanzreihen

Man kann die Pflanzung von Bäumen so planen, dass sie sich für einige Stunden des Tages gegenseitig Schatten spenden. Dann sollte man die Pflanzreihen eher in einer Ost-West-Richtung verlaufen lassen.

Beschattung durch unterschiedliche Baumgrößen

Darüber hinaus kann man durch verschiedene Baumgrößen zusätzliche Beschattungseffekte für die kleineren Bäume erzielen. Soll beispielsweise eine Wiese mit Apfelbäumen auf einer mittelstark bis starken A2-Unterlage gepflanzt werden, so lassen sich mit der Zwischenpflanzung von einigen Sorten, die zu großen Kronen neigen und auf Sämlingen veredelt sind, in vielen Bereichen zu starke Sonneneinstrahlungen vermeiden. Triploide Sorten wie beispielsweise Gravensteiner, Kaiser Wilhelm und Jakob Fischer sind hierfür gut geeignet.

Beschattung durch die Nähe von Gehölzflächen und Wald

Eine Regel besagt: mindestens 20 Meter vom Wald entfernt pflanzen. Das sollte auch beherzigt werden, damit das Kronengerüst nicht schief wächst.
Allerdings ergeben sich – bedingt durch die neuen Klimaverhältnisse – einige Vorteile, Obstbäume in die Nähe von Wald oder anderen Gehölzflächen zu pflanzen:

  • Die Dauer der intensiven Sonneneinstrahlung im Sommer wird wahrscheinlich durch die Beschattung etwas vermindert (es kommt dabei auf die Position der Schattengehölze/des Waldes an).
  • Durch die Schattenbäume in der unmittelbaren Nähe heizt sich die Luft auf der Streuobstwiese nicht so stark auf.
  • Die Versorgung mit Feuchtigkeit ist in Waldnähe besser (Morgentau, Nebel etc.). Bei anhaltend feuchter Witterung kann das allerdings auch nachteilig sein, da Pilzerkrankungen wie Schorf und Mehltau dann stärker auftreten können. Also sollte man in Waldnähe nur Bäume von Sorten pflanzen, die für ihre Robustheit gegenüber Mykosen bekannt sind.

Teilansicht des Streuobstsortengartens in Remscheid

Zum Foto obigen Foto: Die Bäume wurden – vor dem Klimawandel in Nord-Südreihen gepflanzt und beschatten sich als Jungbäume gegenseitig kaum. Die in der Wiesenmitte stehenden Bäume hatten in den sehr heißen und trockenen Sommern 2019 und 2020 am meisten unter Stress zu leiden, erhielten mehr zusätzliche Bewässerung, hatten aber trotzdem ein geringeres  Holzwachstum aufzuweisen als die Bäume nahe am Waldrand. Die in einer Entfernung von ca. 20 Metern zum westlichen Waldrand stehenden Bäume wuchsen am besten. Man sieht auf dem Foto dort auch sehr gut den Schattenwurf.  Sie dürfen nur nicht zu nah am Wald stehen, weil sie sonst schief zum Licht hin wachsen.

Neu angelegte, 1 Hektar große Streuobstwiese in Wermelskirchen

Zum obigen Foto: Die Sämlingshochstämme wurden vor zwei Jahren eingepflanzt und nicht häufiger bewässert. Die Jungbäume der oberen Baumreihen hatten wegen der heißen und trockenen Sommer einen vergleichsweise geringen jährlichen Zuwachs. Der Zuwachs der Bäume in den beiden unteren Reihen war in den beiden Jahren doppelt so groß!

Nachträgliches Pflanzen von Schattenbäumen

Eine weitere Möglichkeit bei schon bestehenden Streuobstwiesen ist die Pflanzung von speziellen schattenspenden Bäumen zwischen die Obstbäume. Diese zusätzlichen Schattenspender sollten folgende Bedingungen erfüllen:

  • schnelles, aber begrenztes Wachstum
  • sowie eine schlanke, schmale und eher lichte Krone.

Hierfür kämen dann beispielsweise Gewächse wie die Eberesche in Frage.  Denkbar wäre auch die Zwischenpflanzungen einer so genannten “Kurzumtriebsplantage”, also einer Reihe eng stehender, sehr schnell wachsender Bäume, die nach einigen Jahren gefällt und zu Hackschnitzeln verarbeitet werden können. Hierzu werden hauptsächlich Pappeln und Weiden verwendet.