Ein zu frühes Blütestadium ist eines der Hauptprobleme bei der Jungbaumerziehung, denn es gilt: je mehr die Bäume blühen, desto weniger wachsen sie. Durch die Blüte erfolgt eine hormonelle, wachstumshemmende Umstellung.
Einige Sorten gelten per se als „Jungbaumblüher“. Bei ihnen ist es ziemlich aufwändig, die Blüte in jedem ihrer ersten Lebensjahre zu unterdrücken. Andere hin-gen, wie z.B. der Gravensteiner, haben damit weniger Probleme.
Es gilt also, zu frühes Blühen junger Bäume durch Entfernung der Blüten zu unterbinden. Statt dessen soll die Bildung von Blattmasse gefördert und damit das Holzwachstum angeregt werden.

Technik der Blütenentfernung 

Die Blüten oder kleinen Früchte werden am besten mit einer Schere abgeschnitten. Knipst man sie mit den Fingernägeln ab, so läuft man in Gefahr, dass man die gesamte Knospe vom Zweig reißt. Neben jedem Blütenkranz wächst ein kleiner Blatttrieb, den wir – wenn möglich – stehen lassen.

Abschneiden der Blüten/jungen Früchte mit einer kleinen Schere

Den Blatttrieb (rechts) versuchen wir möglichst, stehen zu lassen.

Entfernung der Blüten zur Anregung des Wachstums

Das Problem des zu frühen Blütestadiums tritt aber nicht nur sortenbedingt auf, sondern auch als Folge von Stress und mangelndem Wachstum. Bäume, die schlecht versorgt werden und nicht wachsen, wollen sich durch eine Notblüte reproduzieren.

Dreijähriger MM-106 Halbstamm wurde wegen mangelnden Wachstums stark ins alte Holz zurückgeschnitten. Alle Blüten müssen sorgfältig entfernt werden, die Blatttriebe verbleiben. Bei guter Versorgung wird es zu einem Wachstumsschub der wenigen verbliebenen Triebe kommen.

Mehrjähriger Alkmenehochstamm: wächst nicht, blüht nur.

Nach der Entfernung aller Blüten.

Entfernung der Blüten/Früchte aus statischen Gründen

Wie schon erwähnt, haben viele jüngeren Leit- und Seitenäste in ihren oberen Bereichen keine Stabilität, um dort schon Früchte zu tragen, ohne sich umzubiegen. In diesem Fall entfernen wir die Blüten/kleinen Früchte im oberen Bereich. Wenn wir uns weiter nach unten arbeiten, prüfen wir mit dem Finger, wo die Äste schon stabil genug für das Fruchtgewicht sind. Dort können wir dann die Blüten stehen lassen.

Solche Seitenäste sollten an ihrer Spitze noch keine Früchte tragen.

Statikprüfung mit dem Finger

Bei den oberen beiden Seitenästen sind alle Blüten entfernt worden. Der untere Seitenast ist schon stark genug, um die meisten Früchte tragen zu können.

Ausdünnen von Blüten/Früchten

Zur Verbesserung der der Fruchtqualitäten und zur Verhinderung von Alternanzen ist das Ausdünnen von Blüten bzw. Früchten ein probates, aber arbeitsintensives Mittel. Dazu mehr in einem späteren Beitrag.