August Friedrich Adrian Diel (1756-1839) war Arzt und Züchter von Obstsorten und gilt als Begründer der Pomologie. Er versuchte als Erster, die Früchte nach bestimmten Merkmalen, wie Form, Farbe und Geschmack in einer eigenen Systematik zu ordnen.

Das klassische Einteilungssystem der Apfelsorten nach Diehl:

  • Kantäpfel,
  • Rosenäpfel,
  • Rambouräpfel,
  • Renetten,
  • Streiflinge,
  • Spitzäpfel,
  • Platte Äpfel.

Karl Friedrich Eduard Lucas (1816-1882) war einer der einflussreichsten Pomologen des 19. Jahrhunderts. 1860 war er Mitbegründer des Deutschen Pomologenverein und eröffnete ein eigenes pomologisches Institut in Reutlingen.

Johann Georg Conrad Oberdieck (1794-1880) war evangelischer Pfarrer und ebenfalls ein bekannter Pomologe, der seine Apfelsorten von Diehl bezog.

Oberdieck und Lucas differenzierten das Dielsche Einteilungssystem weiter und veröffentlichten im Auftrag des Deutschen Pomologenvereins das mehrbändige „Illustrierte Handbuch der Obstkunde“: es ist bis heute eines der wichtigsten pomologischen Standardwerke.

Der elfte Band ihres Handbuches der Obstkunde ist ein Sortenregister, indem in der Einführung die Systematik eingehend beschrieben und begründet wird. Die in dem Register vorgestellten Sortenkategorien:

  • Kalville,
  • Schlotteräpfel,
  • Gulderlinge,
  • Rosenäpfel,
  • Taubenäpfel,
  • Ramboure,
  • Rambour-Renetten,
  • Einfarbige Renetten,
  • Borsdorfer Renetten,
  • Rote Renetten,
  • Graue Renetten,
  • Goldrenetten,
  •  Streiflinge,
  • Spitzäpfel,
  • Plattäpfel.

Kalville

  • Fruchtfleisch: locker, balsamisch, erdbeer- oder himbeerartig gewürzt,
  • Kernhaus: Kernhausachse offen oder halboffen,
  • Schale: gewöhnlich fettig werdend,
  • Form: etwas unregelmäßig,
  • Beispiele: Gelber Richard, Gravensteiner, Roter Herbstkalvill, Weißer Winterkalvill.

Schlotteräpfel

  • Form: unregelmäßig; oft kalvillähnlich, doch entweder mehr walzenförmig oder plattrund mit vorgezogener Spitze,
  • Kernhaus: Kernhausachse stets offen,
  • Fruchtfleisch: grobfaserig; ohne Gewürz oder nur schwach balsamisch,
  • Beispiele: Prinzenapfel, Rote Walze, Glockenapfel, Rheinischer Krummstiel, Schafsnase, Woltmanns Schlotterapfel.

Gulderlinge

  • Form: verschieden, meist rundlich oder auch kalvillartig,
  • Kernhaus: Kernhausachse weit offen und meist in die Breite gehend,
  • Fruchtfleisch: feinkörnig,
  • Beispiele: Roter Augustiner, Weißes Seidenhemdchen, Goldgulderling, Boikenapfel, Gelber Bellefleur.

Rosenäpfel

  • Form: verschieden, doch meist auf der oberen Hälfte sanft gerippt,
  • Schale: duftend; fein, zart und glänzend nach Abreiben,
  • Fruchtfleisch: sehr locker, schwammig, dem Druck des Fingers leicht nachgebend. Gewürz fein, oft süßlich, aber nicht beerenartig wie bei den Kalvillen,
  • Beispiele: Berner Rosenapfel, Charlamowski, Danziger Kantapfel, Pfirsichroter Sommerapfel, Purpurroter Cusinot, Virginischer Rosenapfel, Weißer Astrachan.

Taubenäpfel

  • Form: länglich oder länglich-kugelförmig,
  • Schale: sehr fein, zart und glänzend,
  • Fruchtfleisch: dichter als bei Rosenäpfeln, aber noch sehr fein und mehr markig,
  • Beispiele: Alantapfel, Credes Taubenapfel, Schieblers Taubenapfel, Weißer Rosmarin.

Ramboure

  • Form: sehr groß; plattrund oder auch hochgebaut kugelförmig,
  • Fruchtfleisch: grobkörnig; süßsäuerlich, ohne das Gewürz von Kalvillen oder Rosenäpfeln,
  • Beispiele: Jakob Lebel, Kaiser Alexander, Rheinischer Winterrambour

Bei den folgenden Gruppen der Renetten muss als Hauptmerkmal die Beschaffenheit des Fruchtfleisches festgehalten werden:

  • am Anfang dicht und schwer, später dann doch markig,
  • mit gutem weinähnlichem Gewürz: süß-säuerlich oder säuerlich-süß, aber nie mit dem beerenartigen Gewürz der Kalville.

Rambour-Renetten

  • Form: groß; unregelmäßig, oft kalvillähnlich,
  • Beispiele: London Pepping, Luxemburger Renette

Einfarbige Renetten (Wachsrenetten)

  • Form: klein oder mittelgroß, regelmäßig ohne merkliche Erhabenheit oder Rippen,
  • Schale: einfarbig,
  • Beispiele: Früher Nonpareil, Hildesheimer Saftrenette, Degeers Renette, Englischer Goldpepping, Landsberger Renette.

Borsdorfer Renetten

  • Form: klein; regelmäßig, plattrund oder abgestumpft kegelförmig,
  • Schale: erst einfarbig, dann deckfarbig gestreift; meist glatt; häufig mit Warzen, selten mit Rost bekleidet,
  • Beispiele: Edelborsdorfer, Zwiebelborsdorfer, Pomeranzenapfel

Rote Renetten

  • Schale: Grundfarbe grüngelb oder blassgelb; teils deckfarbig, teils gestreift; meist ohne Rostflecken und Lentizellen. Die nur mattgelbe Grundfarbe und die reinere, gewöhnlich rostfreie Röte unterscheiden die roten Renetten von den Goldrenetten,
  • Beispiele: Langtons Sondergleichen, Baumanns Renette, Holländischer Bellefleur, Culons Renette, Karmeliterrenette, Muskatrenette, Birnförmiger Apfel

Graue Renetten

  • Schale: größtenteils oder ganz überzogen mit graubraunem Rost,
  • Beispiele: Graue Herbstrenette, Graue Französische Renette, Englische Spitalrenette, Parkers Pepping, Zabergäurenette

Goldrenetten

  • Schale: goldgelbe Grundfarbe; auf der Sonnenseite rote Deckfarbe, die teils verwaschen, teils gestreift ist mit Rost durchsetzt ist,
  • Beispiele: Adams Parmäne, Boskoop, Orleans-Renette, Königlicher Kurzstiel, Wintergoldparmäne, Goldrenette von Blenheim, Französische Goldrenette, Ribston Pepping

Hilfskategorien für Apfelsorten, die nicht in die oberen Kategorien eingeordnet werden können:

Streiflinge

  • Schale: alle gestreiften Äpfel, die nicht den bisherigen Kategorien zugeordnet werden können,
  • Beispiele: Goldgelber Herbsttreifling, Luikenapfel, Brauner Matapfel, Echter Winterstreifling, Bohnapfel, Roter Eiserapfel

Spitzäpfel

  • Form: alle nach oben zugespitzten Äpfel, die nicht den bisherigen Kategorien zugeordnet werden können,
  • Beispiele: Manks Küchenapfel, Königin Luisenapfel,

Plattäpfel

  • Form: alle plattrunden oder kugelförmigen Äpfel, die nicht den bisherigen Kategorien zugeordnet werden können,
  • Beispiele: Kleiner Herrenapfel, Gelber Herbststettiner, Grüner Winterstettiner, Sternapi, Weißer Taffetapfel, Batullenapfel.

Trotz der sehr verdienstvollen Arbeiten von Diehl, Lucas und Oberdieck ist eine klare Differenzierung der Früchte in einzelne Kategorien nach wie vor schwierig, da Form und Aussehen der Äpfel sehr stark variieren können und auch die vorgenommenen Einteilungen selbst Schwächen aufweisen: so gibt es beispielsweise spitz und platt geformte Äpfel nicht nur unter den so benannten Kategorien, sondern sie tauchen auch in den anderen Kategorien auf.

Aber für einen Einstieg in das Thema „Sortenbestimmung“ ist die klassische Kategorisierung ein wertvolles Hilfsmittel. Nicht zuletzt werden viele alte Sorten nach diesem Klassifizierungssystem benannt (Weißer Winterkalvill, Berner Rosenapfel, Rheinischer Winterrambour, Zuccalmagliorenette usw., siehe oben).