Gewürzluiken, eine robuste Saftapfelsorte, © Rolf Meyer

Die Anfrage erreichte mich vor einigen Tagen:

Der Besitzer eines ca. 1200 qm großen Wiesengrundstückes bat um Empfehlungen für die Anpflanzung von 10-15 Apfelbäumen:

  • Lehmig-sandiger Boden
  • Freie, nicht windabgeschottete Lage
  • Nutzung: 1/3 Tafeläpfel, 1/3 Saftäpfel, 1/3 Lageräpfel

Fragen:

  • Welche Sorten können empfohlen werden?
  • Welche Unterlagen: stark wachsende (Sämling) oder mittelstark wachsende (MM106, M111, M7)?
  • Sind bei mittelstark wachsenden Unterlagen Stützpfähle notwendig?
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Durch den Sandanteil im Boden der Wiese und der damit einhergehenden guten Durchlüftung ist mit einem Auftreten von Obstbaumkrebs wohl nicht zu rechnen.
Folgende Apfelsorten eignen sich aufgrund ihrer Robustheit (wenig bis gering anfällig für Apfelschorf und Mehltau) gut für den extensiven Anbau ohne Spritzmittel:
 

Tafeläpfel

Tafeläpfel sind Früchte, die in einer Skala von 1 (sehr gut) bis 5 mindestens die Geschmacksnote 3 erreichen.  Sie können direkt nach der Ernte verzehrt werden. Häufig halten sie sich nicht über einen längeren Zeitraum. Besonders vorteilhaft ist es, wenn eine Tafelapfelsorte eine folgernde Reife aufweist, also wenn nicht alle gleichzeitig am Baum reif werden. Folgende Sorten schmecken gut und sind besonders widerstandsfähig gegen Apfelschorf und Mehltau:
  • Alkmene,
  • Discovery,
  • Edelborsdorfer,
  • Finkenwerder Prinz,
  • Luxemburger Triumph,
  • (geeignet sind auch Erwin Baur, Dülmener Rosenapfel, Holsteiner Cox, Jakob Fischer, Martens Sämling, Wöbers Rambur).
Mehr zur geschmacklichen Qualität der Apfelsorten finden Sie unter: Apfelsorten A-Z

 

Lageräpfel

Lageräpfel sind Früchte, die auch nach einer Lagerungsdauer von mehreren Monaten noch einen zufriedenstellenden Geschmack aufweisen. In die engere Wahl kommen hier die robusten Sorten:
  • Boskoop,
  • Ontario,
  • Strauwalds Parmäne,
  • Zabergäurenette,
  • Zuccalmagliorenette,
  • (geeignet sind auch Auralia, Damasonrenette/Graue Französische Renette, Kanadarenette).
Weitere Infos zur Lagerfähigkeit finden Sie unter: Apfelsorten A-Z
 
 

Saftäpfel

Saftapfelsorten sollten möglichst windfest sein, so dass – wenn sie vom Baum geschüttelt werden, keine vorab schon heruntergefallenen und verfaulten Früchte herumliegen. Außerdem ist es vorteilhaft, wenn eine Sorte von Saftäpfeln zu einem Zeitpunkt reif wird und abgeerntet werden kann. Möchte man reinsortigen Apfelsaft keltern, so sollten Saftäpfel über genügend Säure oder aber über eine spezielle Würzung verfügen. Folgende robuste Sorten kommen in die engere Wahl:
  • Brettacher,
  • Gewürzluiken,
  • Kanadarenette,
  • Kardinal Bea,
  • Rheinischer Bohnapfel,
  • (geeignet sind auch Doppelter Prinzenapfel, Roter Bellefleur, und die Ananasrenette).
Weitere Infos zur Lagerfähigkeit finden Sie unter: Apfelsorten A-Z
 

Stark wachsende oder mittelstark wachsende Unterlagen?

Alle Unterlagen haben natürlich jeweils ihre eigenen Vor- und Nachteile. Ein Nachteil bei den Sämlingsunterlagen – besonders bei kleineren Wiesen – kann in ihrem starken Wachstum liegen. Dies führt später zu hohem Pflege- und Ernteaufwand. Außerdem wäre es günstiger, etwas mehr Platz und Luft zwischen den Bäumen zu lassen. Insofern würde ich bei diesem Grundstück mittelstark wachsenden Unterlagen mit dauernden Stützpfählen den Vorzug geben.
Weitere Infos zu den Veredelungsunterlagen bei Apfelbäumen finden Sie hier in einem Beitrag von Hans Joachim Bannier.
 

Warum Stützpfähle?

Mittelstark wachsende Unterlagen ohne Stützpfahl gehen nur bei Spindelbüschen. Wenn die Bäume aber nach Oeschberg erzogen werden (1 Mitteltrieb, 4 Leitäste), setzt die Krone weiter oben am Stamm an und wird zu breit. Dadurch kommt es später bei Vollbehang und Wind zu einer zu großen Hebelwirkung, die durch die relativ kleinen Wurzeln nicht aufgefangen werden kann.
 

Robuste alte Apfelsorten: gesunde Früchte, gesundes Laub

Unter den alten Apfelsorten gibt es viele, die robuster und schmackhafter sind als die neuen Züchtungen

Folgende Apfelsorten aus dem Remscheider Streuobst-Sortengarten können aufgrund eigener Erfahrungen besonders empfohlen werden. Sie sind robust gegenüber Apfelschorf und Mehltau und erhalten auch geschmacklich eine gute Note. Außer der Sorte “Alkmene” handelt es sich alle um alte Apfelsorten:

  • Adersleber Calvill (relativ robust, guter Geschmack, benötigt warmen Standort)
  • Alkmene (relativ robust, hervorragender Geschmack, folgernde Reife)
  • Dülmener Rosenapfel (relativ robust, guter Geschmack)
  • Finkenwerder Herbstprinz (sehr robust, guter Geschmack)
  • Jakob Fischer (sehr robust, hervorragender Geschmack, folgernde Reife)
  • Laxtons Superb (relativ robust, guter Geschmack)
  • Luxemburger Renette (sehr robust, guter Geschmack)
  • Kaiser Wilhelm (relativ robust, benötigt tiefgründigem, nicht tonigem Boden, ansonsten anfällig für Baumkrebs, guter Geschmack)
  • Kardinal Bea (sehr robust, guter Geschmack)
  • Prinz Albrecht von Preußen (sehr robust, aber Neigung zu Fruchtfäule, wenn er nicht vereinzelt wird, guter Geschmack)
  • Ribston Pepping (relativ robust, hervorragender Geschmack)
  • Rote Sternrenette (sehr robust, guter Geschmack, starker Vorerntefruchtfall)
  • Zabergäurenette (relativ robust, guter Geschmack)
  • Zuccalmagliorenette (relativ robust, guter Geschmack)

Was bedeuten die Begriffe “sehr robust” und “relativ robust”?

Sehr robuste Sorten sind auch unter ungünstigen Bedingungen frei von Schorf und Mehltau, den beiden am häufigsten vorkommenden Pilzerkrankungen bei Apfelbäumen. Relativ robuste Sorten können bei ungünstigen Bedingungen (warm, feucht, windstill, undurchlässige Kronen) durchaus daran erkranken, meist halten sich die Symptome aber in Grenzen. So sind z.B. in diesem besonders feuchten Jahr Bäume der Sorte “Zabergäurenette” mit Mehltau befallen, tragen aber trotzdem gesunde Früchte. Sollte es im nächsten Frühjahr trockener sein, ist damit zu rechnen, dass der Pilzbefall dann bei dieser Sorte nicht mehr auftreten wird.

 

 

 

Die Pilzerkrankungen “Schorf” und “Mehltau” an Apfelbäumen

Krankheiten an Apfelbäumen, aber auch an Gewächsen anderer Obstsorten, sind häufig anzutreffen. Meist handelt es sich um Pilzerkrankungen (Mykosen). Bei Apfelbäumen sind es hauptsächlich Apfelschorf, Mehltau, Baumkrebs und Monilia (Spitzendürre, Fruchtfäule), wobei die ersten beiden die häufigsten und schwerwiegendsten sind. 

Apfelschorf

Durch den Befall mit Apfelschorf kommt es zu bräunlich-fleckigen Verfärbungen der Blätter bis hin zu ihrem Absterben. Der Baum sieht dann mit dem wenigen noch verbliebenen Laub sehr “spierig” aus. Sollten sich noch Früchte ausgebildet haben, weisen sie korkige Stellen und Risse auf und bleiben meist im Wuchs sehr klein, wenn sie nicht schon im Jugendstadium abfallen. Apfelbäume mit fortgeschrittenem Schorfbefall bilden überhaupt keine Früchte mehr aus. 

Apfelschorf, Bildquelle: Hans-Joachim Bannier

Wenn sich ein zukünftiger Obstbaumbesitzer über verschiedene Sorten im Internet informiert, kann er in den Onlineshops der Baumschulen die schönsten Beschreibungen lesen. Die Gefahr besteht, dass dann Sorten hauptsächlich nach Gefallen und Geschmack ausgesucht werden – und nicht nach Robustheit. In diesem Fall wird er wahrscheinlich erst Jahre später merken, dass sie sich nicht richtig entwickeln und sehr krankheitsanfällig sind. 

Es gibt zwei Faktoren, die hauptsächlich bestimmen, ob neu gepflanzte Obstbäume zukünftig gesund wachsen oder vor sich hinkränkeln werden. Dies sind

  • die Auswahl von geeigneten Pflanz-Standorten
  • und die bewusste Beschränkung auf robuste Sorten.

Der wichtigste Krankheitsvorbeugung ist die Wahl eines geeigneten Standortes für den Obstbaum

Die Wahl des richtigen Standortes ist von entscheidender Bedeutung für das spätere Wohlergehen des gepflanzten Baumes.

Beispiele:

  • so wachsen in Senken auf dauerfeuchtem Grund höchstens noch Pflaumen, aber keine Äpfel und Birnen.
  • Birnen benötigen warme Standorte. Es lohnt sich nicht, in höheren Mittelgebirgslagen mit rauem Klima Birnen anzubauen.
  • Die Apfelsorte „Gravensteiner“ gedeiht nicht in trockenen Lagen, während die Goldparmäne auf feuchte Umgebung mit Schorf reagiert.
  • Die Bäume vieler Apfelsorten reagieren auf Bodenverdichtung (toniger Lehm) mit Obstbaumkrebs, so z.B. die Sorten „Kaiser Wilhelm“ und „Ananasrenette“.
  • Es gibt spezielle Apfelsorten, die noch im raueren Mittelgebirgsklima gut gedeihen, andere hingegen benötigen eher Weinbauklima.

All diese speziellen Erfordernisse sind den jeweiligen Sortenbeschreibungen (Obstsorten-Monografien) zu entnehmen, die in der einschlägigen Fachliteratur oder auch – bei Apfelsorten – auf dieser Internetseite dokumentiert sind. Diese Hinweise sollten bei der Entscheidung, welche Sorte wohin gepflanzt werden soll, unbedingt Berücksichtigung finden!

Die Auswahl robuster Sorten verhindern Pilzerkrankungen bei Obstbäumen

Schorf und Mehltau sind die gefürchtetsten und am  häufigsten auftretenden Mykosen bei Apfelbäumen. Sie können den Großteil einer Ernte vernichten und die Vitalität der Bäume stark beeinträchtigen. 

Um diese Pilzerkrankungen zu verhindern, werden im gewerblichen Intensivobstbau große Mengen Fungizide gespritzt.

Auch der so genannte „ökologische” Anbau verwendet große Mengen Spritzmittel. Auch wenn wir uns für eine Behandlung mit den im ökologischen Obstbau verwendeten Kupfer- und Schwefelpräparaten entscheiden würden, wäre eine Umsetzung bei den viele Meter hohen Obstbäumen auf den Streuobstwiesen praktisch kaum durchführbar. Und eine Behandlung mit einem weniger aggressiven Alternativpräparat wie Neemöl wäre aus dem gleichen Grund nicht praktikabel – abgesehen von der seiner wenig gesicherten Wirksamkeit gegen Mykosen.

Neue Apfelsorten sind krankheitsanfälliger gegenüber Mykosen

Die meisten neu gezüchteten Apfelsorten sind Kreuzungen aus einigen sehr empfindlichen Muttersorten wie Golden Delicius, Cox Orange, Jonathan und McIntosh, die sich nur unter hohem Fungizideinsatz im Intensivobstbau befriedigend entwickeln können. Diese Empfindlichkeit gegenüber Pilzinfektionen geben die Muttersorten an die Kreuzungen weiter. Siehe hierzu auch den richtungsweisenden Aufsatz von Hans-Joachim Bannier: Plädoyer für den Erhalt der Obstsortenvielfalt

 

Neue Apfelsorte Pinova mit Schorfbefall der Blätter

Neue Apfelsorte Rubinette mit Schorfbefall der Blätter

Robustheit gegenüber Schorf und Mehltau finden wir bei vielen alten Apfelsorten

Die meisten alten Sorten sind durch natürliche genetische Mutation aus Zufallssämlingen entstanden. Waren sie anfällig gegenüber Krankheiten, so wurden sie vom Menschen nicht mehr weiter vermehrt. Durch diese natürliche Auslese konnten sich über die Jahrhunderte viele Sorten erhalten, die gegenüber Schorf und Mehltau über eine große Robustheit verfügen.

Es gibt aber auch empfindliche alte Apfelsorten

Die folgenden Beispiele stammen aus dem Jahr 2021, das mit seinem feuchtkalten Frühjahr mit darauffolgender schwülen Hitze bei anfälligen alten Apfelsorten beste Bedingungen für Pilzinfektionen bot. Die folgenden Bilden sind am gleichen Tag aufgenommen worden:

Die alte Sorte Gravensteiner ist empfindlich gegenüber Schorf und Mehltau. Hier ein kranker MM 106 Apfelbaum mit totalem Ernteausfall

 

 

 

 

Auch die alte Sorte Boskoop, die eigentlich als  sehr robust gilt, reagiert bei ungünstigen Bedingungen mit Mehltau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Apfelsorte Prinz Albrecht von Preußen: gesundes, volles Laub auch bei schwierigen klimatischen Bedingungen

Baumanns Renette: robust und vital

Im Beitrag Robuste und besonders schmackhafte Apfelsorten zählen wir einige empfehlenswerte Sorten auf.

Genetische Verarmung und Inzucht im modernen Erwerbs-Obstbau: vor allem alte Apfelsorten bleiben aktuell – (nicht nur) für Züchter, Selbstversorger, Obstverarbeiter und Allergiker. 

Krankheitsanfälligkeit und Erkrankungen neuer Apfelsorten

Von Hans-Joachim Bannier

Bei der Kartierung alter Streuobstbestände fällt immer wieder auf, dass dort einzelne alte Obstsorten stehen, die durch eine große Baumgesundheit und Vitalität hervorstechen und die gesunde und fleckenfreie Früchte hervorbringen, obwohl dort schon seit Jahrzehnten niemand Pflanzenschutzmaßnahmen durchführt, wie sie in modernen Erwerbsobst-Plantagen üblich sind.

Warum die modernen Marktsorten eine vergleichbare Vitalität nicht aufweisen und warum wir die Vielfalt alter Sorten unbedingt erhalten sollten, soll hier am Beispiel des Apfels erläutert werden.

Unterschiedliche Vitalität alter und neuer Apfelsorten in Streuobstbeständen – Martens Sämling (oben) und Jonagold (unten).

Vor gut einhundert Jahren hat es allein in Deutschland über eintausend in der Literatur dokumentierte alte Apfelsorten gegeben. Die reale, in dieser Zeit im Anbau befindliche Sortenzahl dürfte sogar noch größer gewesen sein, da viele der „Landsorten“ – wie auch viele der in dieser Broschüre dokumentierten rheinischen Regionalsorten – seinerzeit nicht schriftlich dokumentiert worden sind.

Viele dieser Sorten waren seinerzeit überregional verbreitet, andere nur lokal oder regional. Manche der in Deutschland entstandenen Sorten haben später internationale Verbreitung gefunden, umgekehrt haben Sorten aus aller Welt den Weg zu uns gefunden. Auf diese Weise entstand ein „Sortenpool“ von sehr vielfältiger Herkunft und großer genetischer Vielfalt, was Frucht- und Baumeigenschaften sowie Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Schädlinge betrifft.

Heute sind im modernen Erwerbsobstbau dagegen nur noch wenige Sorten im Anbau, und diese sind obendrein genetisch eng verwandt bzw. fast durchgängig aus denselben Elternsorten gezüchtet worden. Wie aus der nebenstehenden Aufstellung hervorgeht, stammen fast sämtliche der heutigen Marktsorten von einer folgenden sechs Ahnensorten ab:

  • Golden Delicious,
  • Jonathan oder
  • Cox Orange,
  • Red Delicious,
  • McIntosh
  • und James Grieve.

Einzig Boskoop und Granny Smith sind nicht mit diesen „Stammvätern“ des modernen Obstbaus verwandt.

Auf der Suche nach der perfekten Weltmarktsorte produziert die heutige Obstzüchtung zwar weltweit eine Vielzahl neuer Sorten. Doch da die Züchter wiederum fast ausnahmslos die heutigen Marktsorten (sowie Zuchtklone, bei denen die oben genannten „Stammväter“ ebenfalls eingekreuzt waren) verwenden, nimmt die genetische Vielfalt weiter ab und die Inzucht in der Obstzüchtung dramatisch zu. Allein die Sorte Golden Delicious ist an rd. 60 % aller Apfelzüchtungen der vergangenen acht Jahrzehnte beteiligt und wurde in viele Sorten gleich mehrfach eingekreuzt. 

Wie weit die Inzucht inzwischen geht, ist am Beispiel der tschechischen Neuzüchtung Merkur in einer Grafik dargestellt, die Sie sich hier  anschauen können.

Auswahl wichtiger Marktsorten und Neuzüchtungen beim Apfel
und ihre Abstammung

  • Akane (Syn. Primerouge) = Jonathan x Worcester Parmäne
  • Alkmene (D 1961) = Oldenburg x Cox Orange
  • Braeburn (NZ 1952) = Lady Hamilton (NZ)(vermutet) x Cox orange (vermutet)
  • Delbarestivale (Syn. Delcorf) = Stark Jon Grimes x Golden Delicious
  • Delbard Jubilee (Syn. Delgollune) = Golden Delicious x Lundbytorp
  • Elstar = Golden Delicious x Ingrid Marie (Cox orange x unbek.)
  • Fiesta = Cox Orange x Idared (Jonathan x Wagenerapfel)
  • Florina = Zuchtklon u.a. aus Morgenduft, Golden Delicious, Jonathan, Starking u.a.)
  • Fuji = Ralls Janet x Golden Delicious
  • Gala = Kidds Orange (Red Delicious x Cox Orange) x Golden Delicious
  • Gerlinde = Elstar [Golden Delicious x Ingrid Marie (Cox orange x unbek.)] x TSR15T3 (Zuchtklon).
  • Gloster (D 1969) = Glockenapfel x Red Delicious
  • Holsteiner Cox = Cox Orange x unbekannt
  • Idared = Jonathan x Wagenerapfel
  • Ingol = Ingrid Marie (Cox orange x unbek.) x Golden Delicious
  • Jonagold = Jonathan x Golden Delicious
  • Karmijn de Sonnaville = Cox orange x Jonathan
  • Melrose = Jonathan x Red Delicious
  • Mutsu = Golden Delicious x Indo
  • Pilot = Clivia (Oldenburg x Cox orange) x Undine (Jonathan x unbek.)
  • Pink Lady (Syn. Cripps Pink) = Lady Williams x Golden Delicious
  • Pinova = Clivia (Oldenburg x Cox orange) x Golden Delicious
  • Relinda = Undine (Jonathan x unbek.) x BX 44.14 (Zuchtklon)
  • Rewena = BV 67.47 (Zuchtklon u.a. aus Cox orange) x BX 44.14 (Zuchtklon)
  • Rubinette (Syn. Rafzubin) = Golden Delicious x unbekannt, vermutl. Cox orange
  • Santana = Elstar [Golden Delicious x Ingrid Marie (Cox orange x unbek.)] x Priscilla (Zuchtklon u.a. aus Golden Delicious, McIntosh, Red Delicious und Malus floribunda)
  • Summerred = Summerland (McIntosh x Golden Delicious) x unbekannt
  • Teser = Zuchtklon TSR 29, u.a. aus Antonowka, Golden Delicious, Gravensteiner
  • Topaz (CZ 1994) = Rubin [Golden Delicious x Lord Lambourne (James Grieve x Worcester Parmäne)] x Vanda [Jolana (Zuchtklon u.a. aus Golden Delicious u. Malus floribunda) x Lord Lambourne (James Grieve x Worcester Parmäne)]

Eine genetische Verarmung mit Folgen: Denn ausgerechnet die sechs Stammväter des modernen Obstbaus sind – ungeachtet ihrer geschmacklichen und Ertragseigenschaften, die sie für den Obstbau seinerzeit attraktiv gemacht haben – hoch krankheitsanfällig.

Golden Delicious z.B. ist hoch anfällig für Blatt- und Fruchtschorf sowie für Virosen, Jonathan ist extrem anfällig für Mehltau (außerdem für Feuerbrand und Schorf).

Cox Orange wiederum ist hoch anfällig für Triebschorf, Obstbaumkrebs und Läuse sowie mittel anfällig für Mehltau.

James Grieve ist hoch anfällig für Obstbaumkrebs und Läuse und McIntosh deutlich anfällig für Mehltau und Obstbaumkrebs.

Dramatische Unterschiede in der Vitalität der Belaubung bei  der alten Apfelsorte Edelborsdorfer (oben) und der neuen Apfelsorte Jonathan (unten). Beide Sorten stehen in der Anlage des Verfassers – ohne Fungizid-Behandlung – unmittelbar nebeneinander.

Mit dem Siegeszug von Golden Delicious & Co. sind die gravierenden Vitalitätsprobleme und Krankheitsanfälligkeiten dieser Sorten in den gesamten Obstbau und in die Obstzüchtung in einem Ausmaß eingeschleppt worden, das heute von den Obstbau-Experten landauf, landab nicht mehr als spezifisch historische Entwicklung erkannt, sondern als „normal“ für den Obstbau angesehen wird. Ein Obstbau ohne intensiven Fungizideinsatz erscheint heutigen Obst-Experten völlig undenkbar.

Kaum noch bekannt ist, dass die Dominanz dieser „Stammvatersorten“ im Obstbau bzw. in der Obstzüchtung seinerzeit überhaupt erst möglich geworden ist, als die chemische Industrie die chemischen Pflanzenschutzmittel auf den Markt brachte, mit deren Hilfe man trotz der hohen Krankheitsanfälligkeit dieser Sorten makelloses Obst produzieren konnte. Nicht umsonst konnte der Golden Delicious, obwohl bereits 1890 in den USA entstanden, seinen Siegeszug um die Welt erst ab den 1930er Jahren antreten und gelangte in Deutschland erst nach 1950 in den Anbau.

Gleichzeitig mit dieser Entwicklung sind zahlreiche robuste und gut tragende Apfelsorten (und auch andere alte Obstsorten) in Vergessenheit geraten und im Lauf der folgenden Jahrzehnte teilweise sogar verschollen.

Erst wenn man die heutigen Markt- und Züchtungssorten in pflanzenschutzmäßig unbehandelten Streuobstbeständen beobachtet und mit alten Apfelsorten im Streuobst vergleicht, werden die starken Vitalitätsprobleme eines Großteils dieser Sorten in dramatischer Weise augenfällig. Viele machen hier schon im Laub einen kränklichen Eindruck und liefern häufig nur kleine und/oder schorffleckige Früchte.

Unterschiedliche Vitalität alter und moderner Apfelsorten in Streuobstbeständen – alte Apfelsorte Rote Sternrenette (oben) und neue Apfelsorte  Gloster (unten)

Der Biologische Erwerbsobstbau ist von Problemen der Sortenentwicklung im heutigen Marktanbau besonders stark betroffen, da die Pflanzenschutz-Strategien sich hier wesentlich komplizierter gestalten als im konventionellen, mit chemisch-synthetischen Fungiziden arbeitenden Erwerbsobstbau. Ohne den Einsatz von pilzhemmend wirkenden Kupfer- und Schwefel-Belagsspritzungen können die Bio-Obstbauern kaum marktfähiges Obst produzieren. Die Bio-Anbauverbände stemmen sich daher mit Vehemenz gegen ein mögliches Kupferverbot, das in der EU aufgrund ökologischer Bedenken schon länger diskutiert wird.

Ein vermeintlicher Ausweg schienen da die sog. schorf-resistenten Sorten zu sein, die in den letzten Jahrzehnten gezüchtet wurden und sich teilweise schon in der Praxis des Öko-Anbaus befinden (z.B. die Sorten Topaz, Santana, Gerlinde u.a.). Auch diese Sorten sind jedoch zu nahezu einhundert Prozent ‚Nachfahren’ von Golden Delicious, Cox Orange, Jonathan & Co. Die Schorfresistenz dieser Sorten hat man durch das Einkreuzen von Wildäpfeln zu erreichen versucht, wobei die Züchter weltweit fast durchgängig dieselbe Wildapfelart verwendet haben. „Nahezu 95% der heutigen schorfresistenten Apfelsorten stützt sich auf die Vf-Resistenz von Malus floribunda 821“ (RUESS, 2000), einer nur monogen verankerten Resistenz.

 

Dass heute nicht die polygen verankerten Resistenzen alter Apfelsorten gegenüber Schorf für die Züchtung verwendet werden, sondern ausschließlich die monogene Vf-Resistenz von Malus floribunda 821, hat züchterische Vorteile, weil das Vf-Träger-Gen mittels molekularem Marker kenntlich gemacht und so die erfolgreiche Einkreuzung der Vf-Resistenz unmittelbar kontrolliert werden kann. Diese „zeitsparende“ Strategie leistet jedoch nicht nur einer weiteren genetischen Verarmung Vorschub, sondern ihr Erfolg ist auch längst nicht so dauerhaft wie erhofft: So wurde die Vf-Resistenz im Feldanbau inzwischen in vielen Regionen Deutschlands bereits von sich anpassenden Pilzrassen durchbrochen. „Der Durchbruch war möglich, da diese Resistenz monogener Natur ist … und der Pilz durch natürliche Mutation bzw. Rassenauslese diese Resistenz überwunden hat“ (FISCHER, 2003). Der Versuch heutiger Züchter, das Problem durch die Einkreuzung von zwei Resistenzträger-Genen (statt bisher einem) zu lösen, stellt zwar eine Verbesserung dar, dürfte das grundsätzliche Problem aber nicht dauerhaft lösen.

Die monogene Schorfresistenz der Sorte Topaz (oben) ist bereits nach 15 Jahren Feldanbau durchbrochen; die polygene Resistenz des Luxemburger Triumph (unten) dagegen ist schon seit über 150 Jahren stabil.

Auch hat die Fokussierung der heutigen Obstzüchtung auf das Problem Schorfresistenz teilweise den Blick dafür verstellt, dass es im Obstanbau nicht nur um Schorf, sondern auch um Mehltau, Feuerbrand und andere Krankheiten geht und dass im ökologischen Anbau sowie im Streuobst- und Selbstversorgeranbau eine umfassende Vitalität der Pflanze gegenüber Krankheiten, Schädlingen und Witterungseinflüssen anzustreben ist.

Alte Apfelsorten – Gen-Pool für künftige Züchtungen

Viele alte Apfelsorten verfügen über eine sog. polygene Schorfresistenz, d.h. hier sorgen mehrere Gene im Zusammenspiel für die Widerstandsfähigkeit gegen Schorf. Diese Resistenzen haben sich bei manchen Sorten bereits über viele Jahrzehnte oder auch Jahrhunderte gehalten und sind offenbar weit stabiler als die monogenen Schorfresistenzen der heutigen Züchtungssorten.

Dies ist auch der Grund, warum man eine Sorte wie den Sorten Luxemburger Triumph auch in obstbaulich ungünstigen Lagen – etwa Höhenlagen, Regionen mit hohen Niederschlägen oder Tal- und Muldenlagen – pflanzen kann, wo die meisten anderen Apfelsorten versagen. Auch Sorten wie Martens Sämling, Seestermüher Zitronenapfel, Prinz Albrecht von Preußen, Edelborsdorfer, Rote Sternrenette, Brettacher, Finkenwerder Prinzenapfel, Jakob Fischer, Zabergäu-Renette sowie auch viele andere alte Apfelsorten verfügen über eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten, mit der die Sorten des modernen Erwerbsobstbaus nicht ansatzweise mithalten können. Das ist auch einer der Gründe, weshalb sie sich einst im Markt- oder auch Selbstversorgeranbau selbst dann gehalten haben, wenn sie geschmacklich hinter Sorten wie Elstar oder Jonagold zurückblieben.

Qualifizierte Aussagen über die genetisch begründeten Vitalitätsunterschiede alter und neuer Sorten im Vergleich können nur in Obstbeständen getroffen werden, in denen das unterschiedliche Anfälligkeitsniveau nicht durch einen regelmäßig gefahrenen Pflanzenschutz nivelliert wird. Dem Verfasser ist bislang kein wissenschaftlicher Versuch bekannt, in dem die genetischen Vitalitätsvoraussetzungen von Apfelsorten unter den Bedingungen eines „Null-Fungizideinsatzes“ über einen längeren Versuchszeitraum beobachtet und ausgewertet wurden. Eine solche Untersuchung wäre ebenso überfällig wie die Nutzung der Potenziale alter Sorten für die Züchtung. Stattdessen fließen staatliche Forschungsgelder in diesem Bereich zu nicht unerheblichen Teilen in die Gentechnik, von der man sich erhofft, den mühevollen Weg einer Kreuzungszüchtung durch genetische Manipulation der heutigen Marktsorten abzukürzen. Die alten Sorten mit ihren Qualitäten haben die heutigen Forscher dagegen kaum noch im Blick.

Alte Apfelsorten – Basis für den Selbstverbraucher

Die alten Sorten sind nicht nur für die Züchtung interessant. Sie haben vor allem Bedeutung für den Streuobst- und Selbstversorgeranbau. Haus- und Kleingartenbesitzer wollen heute in aller Regel keinen chemischen Pflanzenschutz betreiben, sondern ungespritztes Obst ernten. Auch hat nicht jede Obstwiese und jeder Hausgarten den optimalen Boden und den klimatisch optimalen Standort. Robuste alte Sorten mit zuverlässigen Erträgen und schorffreien Früchten bringen hier mehr als eine zwar exzellent schmeckende, aber empfindliche Sorte, die am ungünstigen Standort nicht gedeiht.

Anders als den Erwerbsobstbauern und den Obstgroßhandel braucht es den Selbstversorger auch nicht stören, wenn eine Sorte etwas druckempfindlich ist oder wenn sie folgernd reift und er den Baum mehrfach durchpflücken muss. Im Gegenteil, die folgernde Reife kann für den Selbstversorger sogar von Vorteil sein. Umgekehrt haben lang lagerbare Sorten wie der Ontario oder dem in Teilen des Rheinlandes verbreitete Grünapfel für den Selbstversorger trotz ihres nicht so überragenden Geschmacks einen höheren Stellenwert als für die Obstbauern, die mit ihrer modernsten Kühltechnik auch einen Elstar (der normalerweise nur bis Januar hält) bis in den Sommer hinein lagern können.

Alte Apfelsorten – vielfältige Nutzungsmöglichkeiten

Manche der alten Obstsorten haben einst gar nicht dem Frischverzehr, sondern speziellen Verarbeitungszwecken gedient, wie z.B. der Herstellung von Fruchtsaft, Trockenobst oder des gerade im Rheinland sehr beliebten Apfel- oder Birnenkrautes. Mit der Aufgabe solcher Verarbeitungstraditionen gehen nicht nur die dafür benötigten Sorten verloren, sondern mit ihnen meist auch das Wissen, warum diese Sorten für bestimmte Zwecke besonders geeignet waren:

  • Die rheinischen Süßäpfel z.B., die aus heutiger Sicht als Tafelapfel nur fad schmecken, hatten beim Kochen von Apfelkraut den Vorteil, dass sie – auf dem Boden des Kessels verteilt – dafür sorgten, dass das Apfelkraut nicht anbrannte.
  • Andere Sorten – wie z.B. die Gelbe Schafsnase oder die Martinsbirne (Syn. Trockener Martin) – sind von ihrer Ernte im Oktober / November bis ins Frühjahr hinein haltbar und wurden einst als Dörr- und Kochfrucht geschätzt.
  • Wir kennen heute keine Tafelbirne, die über eine solch lange und unkomplizierte Haltbarkeit wie die Martinsbirne verfügt. Mit den veränderten Verbrauchergewohnheiten hat diese Sorte bei uns heute weitgehend ihre Bedeutung verloren und droht auszusterben. Dass es jedoch auch anders ginge, zeigt das Beispiel einiger italienischer und französischer Regionen, wo die ‚Martin sec’ (wie die Martinsbirne dort genannt wird) in kleinen Mengen zu recht teuren Preisen als Spezialität gehandelt und in der Feinschmecker-Gastronomie verarbeitet wird: Auch die Züchtung müsste sich eigentlich für die Lagerqualität dieser ungewöhnlichen Birne interessieren.

Alte Apfelsorten: vielfältige Geschmacksrichtungen

Es ist keine Sinnestäuschung, wenn manche Apfelkonsumenten meinen, die heute im Laden erhältlichen Sorten schmeckten „alle ähnlich“ – denn die heutigen Marktsorten sind nicht nur genetisch eng verwandt, sondern infolgedessen auch geschmacklich ähnlich. Genetische Vielfalt alter Apfelsorten – das bedeutet auch mehr Vielfalt des Geschmacks.

Alte Apfelsorten: Vorteil für Allergiker

Für eine Personengruppe schließlich kann die Vielfalt alter Apfelsorten auch heute schon von unmittelbarem Nutzen sein: Schon manche Apfel-Allergiker haben überrascht festgestellt, dass sie bestimmte alte Apfelsorten ohne Problem verzehren können und dass sich die vermeintliche Apfel-Allergie als Allergie gegenüber den heutigen (untereinander eng verwandten) Marktsorten entpuppt.

Apfelsorten für Allergiker – Prinz Albrecht von Preußen (oben) und Notarisapfel (unten)

Gängigen Klischees (z.B. dass „die“ alten Apfelsorten generell als Pflanze robuster oder als Frucht gesünder seien als „die“ neuen Sorten) soll damit keineswegs Vorschub geleistet werden. Denn mitnichten sind alle alten Sorten robust gegenüber Pilzkrankheiten. Leider gehören gerade die namentlich noch relativ bekannten alten Apfelsorten (wie z.B. Goldparmäne, Landsberger Renette, Ingrid Marie, Berlepsch oder Cox Orange) eher zu den empfindlichen und anspruchsvollen Sorten, während auf der anderen Seite viele sehr robuste Sorten heute kaum noch bekannt und populär sind.

Umgekehrt gibt es auch bei den Neuzüchtungen einzelne, die auch unter Feldbedingungen im Streuobst über längere Zeiträume eine hohe Vitalität aufzuweisen scheinen (z.B. Reglindis, Florina, Discovery). Und selbst bei Sorten, deren Eltern hoch empfindlich gegen bestimmte Krankheiten sind, ist eine Vererbung dieser Disposition keineswegs zwangsläufig – ein prägnantes Beispiel dafür ist die Sorte Alkmene (Cox Orange x Oldenburg), die sich im Hausgarten ohne jeden Pflanzenschutz als relativ robust gegen Schorf und Krebs erweist, während beide Elternsorten stark krebsanfällig sind (sowie Cox Orange obendrein hoch anfällig gegen Triebschorf).

Ungeachtet dessen zeigen die vielen hier aufgeführten Beispiele, dass es viele Gründe gibt, die genetische Vielfalt alter Obstsorten zu erhalten. „Niemand kann heute vorhersagen, welche Eigenschaften plötzlich von Interesse sein können, wenn Schädlingskalamitäten auftreten, Klimaveränderungen zu verändertem Auftreten von Schadorganismen führen, die Ernährungsgewohnheiten sich ändern oder ähnliches“ (FISCHER, 2003). „Eigenschaften, welche uns heute wertlos erscheinen mögen, können in Zukunft bei geänderten Sortenanforderungen plötzlich wieder an Bedeutung gewinnen“ (RUESS, 2000/2).

Wir können uns glücklich schätzen, dass zahlreiche alte Obstsorten aufgrund der Langlebigkeit der Hochstamm-Obstbäume – allen Rodeprämien vergangener Zeiten zum Trotz – die Zeiten ihrer „Außerwertsetzung“ überdauert haben. Dieses Kulturgut gilt es zu erhalten, auch dann, wenn nicht jede der Sorten uns heute kurzfristigen Nutzen zu versprechen scheint.

Autor: Hans-Joachim Bannier, Humboldtstr.15, 33615 Bielefeld. Mail: alte-apfelsorten@web.de.
Der Autor betreibt in Bielefeld einen Obstsortengarten mit über 200 alten und neuen Apfelsorten.

Literatur:

FISCHER, M., 2003: Genbank Obst als Arbeitsgruppe des IPK Gatersleben in Pillnitz geschlos-
sen – Bilanz 10-jähriger Arbeit; in: Jahresheft 2003, Hrsg. Pomologen-Verein e.V. (Bezugsadresse: Pomologen-Verein e.V., c/o Joachim Brauss, Deutschherrenstr. 94, Bonn).

PETZOLD, H., 1988: Apfelsorten. Neumann-Vlg. Leipzig – Radebeul.

RUEß, F., 2000: Abwehrmechanismus und Resistenz bei Kernobst, in: Resistente und robuste
Kernobstsorten. Hrsg. Staatl. Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg.

RUEß, F., 2000 (2): Nutzen und Wert alter Obstsorten, in: Hartmann, W.: Farbatlas Alte Obst-
sorten, Ulmer-Vlg. 2000.

SILBEREISEN, R. et al., 1996: Obstsortenatlas. Ulmer Vlg., 2. Aufl. 1996.

BANNIER, H.-J. (2004): Genetische Verarmung beim Obst und Initiativen zur Erhaltung der genetischen
Vielfalt, in: Vorträge für Pflanzenzüchtung 62 / 2004 (S. 114-123), Schriftenreihe der
Gesellschaft für Pflanzenzüchtung.

 

Im Sortengarten in Remscheid Reinshagen stehen – neben 100 verschiedenen Apfelsorten – auch 90 Bäume der Sorte “Gravensteiner”, sozusagen als Hauptsorte. 

  • 5 Sämlingshochstämme, die 18 Jahre alt sind und sich schon in der Ertragsphase befinden
  • und 85 zwei- bis vierjährige Halbstämme auf MM 106 – Unterlage veredelt, von denen der eine oder andere Baum schon einige Früchte tragen könnte.

Der Grund, so viele Bäume von einer Sorte anzupflanzen? Bei Obstbäumen einer Sorte können einmal mindestens 2 Tonnen Äpfel geerntet werden. Genug, um eine mobile Mosterei zur Wiese kommen zu lassen – und nicht umgekehrt. Das würde eine Menge an Aufwand einsparen und man hätte “auf einen Schlag” 1600 Liter reinsortigem Apfelsaft.

Leider blühte kein einziger der zahlreichen Bäume,  und entsprechend  gab es auch keine Früchte! Wie konnte es zu diesem flächendeckenden, auf eine Sorte bezogenen Ernteausfall kommen? Die Ernte bei den anderen Apfelsorten ist in diesem Jahr durchaus zufriedenstellend (sieht man einmal von einigen Sorten ab, die alternanzbedingt in diesem Jahr keine Früchte tragen).

Die Apfelsorte Gravensteiner leidet besonders unter dem Klimawandel

Schon 2019, ein Jahr zuvor, hatten die Gravensteiner Sämlingshochstämme nur wenig Ertrag, so dass Alternanz als Grund für den totalen Ernteausfall wegfällt. Am ehesten könnte ich mir vorstellen, dass es an der Sorte liegt: der Gravensteiner mag feuchtes Klima. Deshalb hatte ich ihn ja auch gerade in Remscheid angebaut.

Der Klimawandel scheint mir nun einen Strich durch meine Rechnung zu machen. Im Sommer, am Ende der jährlichen Wachstumsphase, bilden sich die Blütenknospen für das nächste Jahr. Der Sommer 2019 war extrem trocken und heiß. Bei einer solch empfindlichen und feuchtigkeitsliebenden Apfelsorte wird das Klima wohl der Hauptgrund dafür gewesen sein, dass sich keine Gravensteiner-Blütenknospen bilden konnten.

In den letzten Wochen werden wir häufiger von Gartenbesitzern nach einer Sortenempfehlung für Apfelbäume für den Haus- oder Kleingarten gefragt. Dort ist meist nicht allzuviel Platz, so dass man sich auf wenige gute Sorten beschränken muss. Sofern kein großer Baum als späterer Schattenspender gewünscht ist, sollen die zu pflanzenden Bäume in den meisten Fällen nicht allzu riesig werden und es soll auch nicht 7-10 Jahre dauern, bis die Bäume richtig in den Ertrag kommen.

Meist ist allenfalls für 3-4 Bäume Platz, manchmal auch nur für 1-2 Bäume. Für diesen ‘Standard-Fall’ haben wir hier einmal eine kleine Zusammenstellung schmackhafter und robuster Apfelsorten aufgelistet, die nach unseren Erfahrungen gut geeignet sind.

Wurzelunterlage und Sorte bestimmen die Größe eines Obstbaumes

Bevor wir die Sorten auflisten, hier aber noch ein wichtiger Hinweis, was bezüglich der gewünschten Größe eines Apfelbaumes oder -busches noch zu beachten ist:
Die Größe eines Apfelbaumes hängt nicht nur von der gepflanzten Sorte ab, sondern auch von der Wurzelunterlage, auf der er veredelt wurde.

Für Apfelbäume in kleineren Gärten mittelstarke Unterlagen, keine schwachen M9-Unterlagen!

Für den Haus- und Kleingarten empfehlen sich dafür sog. ‘mittelstarke’ Unterlagen, die heute in den Baumschulen mit Kürzeln bezeichnet werden (z.B. M7, MM106, M25). Wenn man heute in Baumschulen sagt, man wolle unbedingt einen kleinen Baum haben, werden heute gern auch Apfelbüsche auf der sehr schwachen Wurzelunterlage M9 verkauft. Auf dieser Wurzel veredelt bleiben die Gehölze zwar tatsächlich noch mal kleiner, allerdings ist diese Wurzel auch nicht standfest, d.h. nach ein paar Jahren, wenn der Busch mal voller Äpfel hängt, kann der Busch unter der Last der eigenen Früchte umfallen (sofern er keinen Stützpfahl mehr hat). Auch wenn Wühlmäuse an den Wurzeln dieser schwachen Unterlage fressen, hat die M9-Unterlage oft nicht die Kraft, sich wieder zu erneuern. Und schließlich wurzelt die M9 auch nur flach und reagiert daher wesentlich schneller auf Trockenheit, muss also in Jahren wie 2018/19 regelmäßig gewässert werden.

Auch wenn die Sorten auf der M9-Unterlage noch schneller tragen als auf den mittelstarken Wurzelunterlagen, empfehlen wir die letzteren, da sie deutlich robuster (und in der Regel auch standfest) sind. Je nach aufveredelter Sorte beginnen die auf mittelstarken Unterlagen veredelten Büsche/Halbstämme in der Regel nach etwa 3-6 Jahren.

Für schattenspendende Apfelbäume Sämlingsunterlagen wählen

Wer dagegen später gern einen größeren Baum haben möchte (Halbstamm oder Hochstamm), der später auch als Schattenspender dient, muss darauf achten, dass die gewünschte Sorte auf einer sogenannten ‘Sämlingsunterlage’ veredelt wurde. In guten Obstbaumschulen ist auf dem Etikett neben der Sorte immer auch die verwendete Wurzelunterlage vermerkt. Baum Baumverkauf in Baumärkten oder Gartencentern fehlt diese Angabe häufig und man kann bezüglich der Baumgröße Überraschungen erleben (in der einen oder in der anderen Richtung).

Die Sortenwahl

Was die Sortenwahl betrifft, wünschen sich die meisten für den Hausgarten – anders als auf Streuobstwiesen – in der Regel ebenfalls eher Sorten, die nicht zu stark wachsen und deren Fruchtertrag nicht allzu spät einsetzt. Für ein Standard-Sortiment empfehlen wir daher in der Regel mittelstark (oder etwas schwächer) wachsende Sorten (bzw. solche, die mit dem Ertragsbeginn nicht die spätesten sind).
Unser ‘Standard-Hausgartensortiment’ setzt sich zusammen aus den folgenden robusten und schmackhaften Sorten:

Discovery
Pflückreife Mitte August, Genussreife bis Mitte September. Aromatische, leuchtend rote Frucht. Baumwuchs: eher schwach (kann auch auf stärkeren Wurzelunterlagen veredelt werden!). Ertrag früh beginnend, regelmäßig. Robust gegen Schorf und Mehltau. Auf staunassen, sehr schweren Böden kann Obstbaumkrebs auftreten (daher ggf. Boden mit Sand und/oder Kompost lockern. Die Sorte ist ihrerseits ein guter Befruchter auch für die im folgenden hier genannten Sorten.

Alkmene
Pflückreife Mitte September, Genussreife bis Mitte November. Aromatische, an Cox Orange erinnernde Frucht. Baumwuchs mittelstark bis eher schwach. Ertrag sehr früh beginnend, regelmäßig. Robust gegen Schorf, Mehltau und Obstbaumkrebs, bezüglich Standort und Boden breit anbaufähig. Alle paar Jahre kann jedoch Monilia-Triebsterben auftreten (befallene Triebe jeweils umgehend wegschneiden), dennoch empfehlenswert. Die Sorte ist ihrerseits ein guter Befruchter auch für die anderen hier genannten Sorten.

Finkenwerder Prinz
Pflückreife Anfang Oktober, Genussreife bis Januar. Säuerlich-aromatische Frucht. Baumwuchs mittelstark, später in die Breite gehend und hängend. Ertrag früh beginnend, regelmäßig. Robust gegen Schorf, Mehltau und Obstbaumkrebs, bezüglich Standort und Boden breit anbaufähig. Die großen Früchte junger Bäume neigen auf dem Lager z.T. zu Gleosporium-Fruchtfäule – das verliert sich im Lauf der Jahre, wenn die Bäume älter und die Früchte kleiner (und dann lagerstabiler) werden. Die Sorte ist ihrerseits ein guter Befruchter auch für die anderen hier genannten Sorten.

Holsteiner Cox
Pflückreife Anfang Oktober, Genussreife bis Januar. Aromatische, an Cox Orange erinnernde Frucht. Baumwuchs stark, sehr in die Breite gehend. Ertrag mittelfrüh beginnend, etwas alternierend (d.h. gute und schwächere Ertragsjahre im Wechsel). Robust gegen Schorf, etwas anfällig für Mehltau, daher für kühle Lagen besser geeignet als für sehr warme Lagen; etwas anfällig auch für Obstbaumkrebs, daher staunasse oder extrem schwere Böden meiden (oder bei letzteren Sand und/oder Kompost zur Bodenlockerung einarbeiten). Bei Beachtung dieser Standort-Begrenzungen sehr empfehlenswert. Die Sorte kann von allen anderen hier genannten Sorten befruchtet werden, ist selbst jedoch ein schlechter Befruchter für andere Sorten!

Winterglockenapfel
Pflückreife Mitte bis Ende Oktober, Genussreife Dezember bis Mai! Säuerlich fruchtig schmeckende Frucht, die ihre gleichzeitige Süße erst ab Dezember/Januar zu entfalten beginnt und am besten erst dann schmeckt, wenn die Schale äußerlich schon etwas zu welken beginnt. Baumwuchs mittelstark bis stark, eher steil (später hängend). Ertrag mittelfrüh beginnend, relativ regelmäßig, z.t. alternierend zwischen besseren und schlechteren Ernten. Robust gegen Mehltau und Obstbaumkrebs. Etwas anfällig für Schorf – deshalb sollte auf eine gute Durchlüftung des Standorts geachtet werden, d.h der Baum bzw. Busch sollte frei stehen, nicht zu dicht neben Hecken oder Nachbarbäumen. Die Sorte ist ihrerseits ein guter Befruchter auch für die anderen hier genannten Sorten.

Weitere Informationen über die oben genannten Apfelsorten erhalten Sie hier.

Natürlich gibt es noch weitere, sehr empfehlenswerte Sorten (teilweise mit individuelleren Geschmackseigenschaften). Wir haben hier in erster Linie ein kleines Sortiment an “Klassikern” zusammengestellt, mit denen die meisten Gartenbesitzer am Ende zufrieden sein werden (was Geschmack, Ertrag und Robustheit der Pflanze betrifft).

Bei der Auswahl der Sorten haben wir auch berücksichtigt, dass diese Sorten in Baumschulen grundsätzlich noch erhältlich sind – keineswegs in jeder Baumschule, aber zumindest in guten Obstbaumschulen, die noch selber Bäume anziehen (und diese nicht nur zukaufen).

Befruchtung der Apfelbäume

Noch ein Wort zum Thema ‘Befruchtung’: Jeder Apfelbaum braucht, damit seine Blüten später auch befruchtet werden, eine zweite Apfelsorte. Sollten also in Ihrer direkten Nachbarschaft keine weiteren Apfelbäume (ggf. reichen auch Zieräpfel!) zu finden sein, empfiehlt es sich, mindestens 2 Sorten zu pflanzen. Die hier empfohlenen Sorten eignen sich – bis auf den Holsteiner Cox – alle als Befruchter für die jeweils anderen Sorten.

Autor: Hans Joachim Bannier

Ca. 250 Bäume stehen im jungen Sortengarten an der Lobirke in Remscheid. Davon sind etwa 20 Bäume schon im ersten Ertragsstadium. Im September wurden folgende Sorten innerhalb von 10 Tagen für die Apfelsaftherstellung geerntet:

  • Alkmene
  • Ananasrenette
  • Berner Rosenapfel
  • Dülmener Rosenapfel
  • Geflammter Kardinal
  • Gala
  • Krügers Dickstiel
  • Prinz Albrecht
  • Roter Augustiner
  • Rubinola
  • Spartan

Den frühe Apfelsorten fehlt die Säure

Die oben aufgeführten Sorten schmecken alle eher mild und süß mit mehr oder weniger Würze: als Tafeläpfel sehr geeignet, aber für Apfelsaft? Mit den geernteten Äpfeln fuhren wir also zur mobilen Mosterei der Familie Rapp. Aus den 300 kg konnten dann 200 Liter Saft gepresst werden: insgesamt 66 Dreiliter-Bags. Das Geschmack des Apfelsaftes war dann auch erwartungsgemäß eher süß und mild. Für kleine Kinder, die gerne Apfelsaft trinken, danach aber schnell einen wunden Po bekommen, ist er gut geeignet. Erwachsene bevorzugen aber doch eher einen etwas herberen Geschmack mit mehr Säureanteilen.

Welche frühe Apfelsorte lässt sich gut mit süßen und säurearmen Sorten mischen?

Es ist gar nicht so einfach, frühe und überwiegend säuerlich schmeckende Apfelsorten zu finden, die sich zudem auch gut für die Saftherstellung eignen. Ich habe recherchiert und bin auf die Apfelsorte “Maunzenapfel” gestoßen: Robustheit, Windfestigkeit und ein saurer Geschmack zeichnen ihn aus als Beimischungs-Sorte zum Frühherbstcuvee.

Weitere Informationen über den Maunzenapfel erhalten Sie hier.

 

Anders als bei sortenreinen Säften stehen bei Mischsäften (Cuvees) eher das harmonische Zusammenspiel der einzelnen sortenspezifischen Geschmacksrichtungen im Vordergrund. Ein guter Apfelsaftcuvee sollte Süße, Säure, Gerbstoffe, eventuell auch eine etwas Bitterstoffe und zusätzliche Aromen (wie z.B. einen weinigen Renettengeschmack) enthalten. 

Es gibt Apfelsorten, die sich in besonderem Maße zur geschmacklichen Aufwertung von Mischsäften eignen, die in der Lage sind, einem Cuvee eine zusätzliche besondere Geschmacksnote hinzuzufügen. 

Aus eigener Erfahrung heraus kann ich drei Sorten besonders empfehlen: 

  • die Goldparmäne
  • den Rheinischen Bohnapfel
  • und den Boskoop.

Aufwertung von mehrsortigen Apfelsäften durch die Sorte “Goldparmäne”

Goldparmäne, © UK National Fruit Collection

Die Goldparmäne ist ein Tafelapfel und für die Saftherstellung eigentlich viel zu schade. Außerdem ist sie relativ empfindlich im Anbau und neigt zu Vorerntefruchtfall und Schorf. 

Auch weist diese Sorte nicht unbedingt eine große geschmackliche Tiefe aus: Säure und Süße halten sich in Grenzen, es gibt auch keine, für Apfelsäfte so beliebte “weinige” Renettenwürze. Ihre geschmacklichen Vorteile liegen im unvergleichlich nussigen Geschmack der spät geernteten Äpfel. Und diese Note als Beimischung ist in der Lage, den Geschmack von mehrsortigen Apfelsäften zu verfeinern.

Durch den sehr trockenen und heißen Sommer 2019 hatte ich das Glück, dass mein nah am Wald stehender Goldparmänebaum relativ schorffrei blieb und ich eine gute Menge voll ausgereifter Früchte ernten konnte. Diese Äpfel habe ich dann zu der Sortenmischung für meinen Herbst-Cuvee 2019 zugefügt. Das Ergebnis: durch den nussigen Geschmack hat dieser Mischsaft eine bis dahin nicht erreichte geschmackliche Harmonie. 

Aufwertung von  gemischten Apfelsäften durch die Sorte “Rheinischer Bohnapfel”

Apfelsorte Rheinischer Bohnapfel, © Rolf Meyer

Im Gegensatz zur Goldparmäne wird der Rheinische Bohnapfel hauptsächlich auch als Saftapfel genutzt. Man kann ihn sowohl zu sortenreinem Saft vermosten oder auch zu Mischungen hinzufügen. Das Besondere an ihm ist seine mild-herb-bittere Note, die jeden Saft geschmacklich verbessern kann. 

Aufwertung von Apfelsaft-Cuvees durch die Sorte “Boskoop”

Boskoop, © UK National Fruit Collection

Einem Cuvee ohne besondere Würze und Säure (z.B. aus Sorten wie Eiserapfel, Krügers Dickstiel, Pinova, Alkmene  oder auch aus nicht sonnengereiften Früchten) kann die Apfelsorte “Boskoop” geschmackliche Tiefe verleihen. Diese Sorte zeichnet sich durch einen besonders hohen Gehalt an Süße, Säure, Adstringentien (Gerbstoffe) und weiniger Würze aus.

 

Es gibt kaum Informationen über dass Thema “sortenreiner Apfelsaft”

Ich habe verschiedene robuste und auch weniger robuste Apfelsorten aus dem Streuobst-Sortengarten Remscheid jeweils zu sortenreinen Apfelsäften pressen und diese dann verkosten lassen. Die unten stehende Auswahl ist nicht sehr groß. Sicherlich gibt es auch andere geeignete Sorten, aber darüber findet man kaum Informationen. Das einzigen Informationen in dieser Hinsicht bietet eine wissenschaftliche Untersuchung aus der Schweiz, die Polyphenol-, Säure- und Zuckergehalte bei verschiedenen Streuobstsorten untersucht und bewertet hat. Diese Ergebnisse helfen aber kaum weiter, weil wir eher subjektive Eindrücke benötigen.

Eigene Anbau- und Verkostungsergebnisse

Folgende Apfelsorten ergeben – laut unseren Verkostungsergebnissen – sehr gut schmeckende sortenreine Apfelsäfte. Das heißt aber nicht, dass auch alle robust und wenig krankheitsanfällig im Anbau sind. So sind z.B. Ananasrenette und Gravensteiner ziemlich empfindlich, aber als reinsortiger Apfelsaft ist ihr Geschmack halt überragend. Hier eine Sortenauswahl für Premiumsäfte:

Zabergäurenette

  • Ausgeprägte sortenspezifische Würze, ähnlich wie Boskoop, nur noch mehr Würze und Süße.
  • Saft hat nach einem Jahr Lagerung die Geschmacksnote von Rhabarber. 
  • Kein Vorerntefruchtfall, Früchte sind windfest am Baum.
  • Robust, nur gering krankheitsanfällig (Mehltau).
  • Wechsel zwischen Jahren mit mehr und Jahren mit weniger Ertrag.

Rheinischer Bohnapfel

  • Saft hat einen leicht bitteren und gerbstoffhaltigen Geschmack, sehr spezifisch. Der “trockene” unter den Apfelsäften.
  • Kein Vorerntefruchtfall, Früchte sind windfest am Baum.
  • Robust, wenig krankheitsanfällig.
  • Ertrag etwas alternierend.

Gewürzluiken

  • Ausgeglichene Würze mit einer etwas birnenähnlichen (gerbstoffhaltigen) Note.
  • Saft schmeckt leicht und sehr spritzig. Hat bei einer Saftverkostung den zweiten Platz belegt.
  • Kein Vorerntefruchtfall, Früchte sind windfest am Baum.
  • Robust, kaum krankheitsanfällig.
  • Jährlich regelmäßiger Ertrag.

Prinz Albrecht von Preußen

  • Rosenartige, frische Würze.
  • Saft hat anfangs eine Note von Rhabarber, die sich mit zunehmender Lagerung verliert. 
  • Geringer Vorerntefruchtfall.
  • Robust, relativ wenig krankheitsanfällig (außer Fruchtfäule)
  • Regelmäßiger, jährlicher Ertrag.
  • Nachteilig ist der hohe Pflegeaufwand:
  • Früchte sollten vereinzelt werden, um Fruchtfäule durch zu engem Behang vorzubeugen,
  • es sind regelmäßige Schnittmaßnahmen notwendig, um der durch die enorme Fruchtbarkeit bedingte Neigung zur Erschöpfung und Vergreisung entgegenzuwirken.

Kardinal Bea

  • Würze bei ausgereiften Früchten leicht lakritzartig.
  • Säurereduzierter, würziger Saft, bei Kindern sehr beliebt.
  • Kein Vorerntefruchtfall, windfest.
  • Schwacher Wuchs, leicht abzuernten.
  • Jährlich regelmäßiger, aber geringer Ertrag.
  • Sehr robuste Sorte, wenig krankheitsanfällig.

Ananasrenette

  • Ansammlung von Südfrüchte-Aromen, die an Ananas, Banane und Mango erinnern.
  • Saft hat eine große geschmackliche Tiefe. Sollte nicht zu reif geerntet werden, damit der Säuregehalt noch hoch genug ist.
  • Geringer Vorerntefruchtfall.
  • Nachteile:
  • stark krebsanfällig in verdichteten und feuchten Böden. Anfällig für Stippe.
  • Relativ hoher Pflegeaufwand: die Früchte sollten vereinzelt werden, sonst bleiben sie klein und sind qualitativ nicht ausreichend.

Zuccalmagliorenette

  • Ausgeprägte sortenspezifische Würze.
  • Saft schmeckt quittenähnlich mit etwas zitroniger Säure und passender Süße. 
  • Kein Vorerntefruchtfall, Früchte sind windfest am Baum.
  • Robust, wenig krankheitsanfällig.
  • Nachteile:
  • Neigung zur Schwachwüchsigkeit, geringer Ertrag,
  • Relativ hoher Pflegeaufwand: die Früchte sollten vereinzelt werden, sonst bleiben sie klein und sind qualitativ nicht ausreichend.
  • Benötigt relativ warmen Standort und aufwendige Pflege.
  • “Schwierige” Sorte.

Gravensteiner

  • Ausgeprägte sortenspezifische Würze.
  • Saft hat Aroma nach frisch gemähter Wiese. Wunderbarer sortenspezifischer Geschmack. 
  • Nachteile:
  • Starker Vorerntefruchtfall.
  • Ziemlich anfällig für Schorf und Mehltau.
  • Jährlich unregelmäßiger, alternierender Ertrag.
  • Benötigt spezielles, feuchteres Klima und einen hohen Pflegeaufwand.

Dem sortenreinen Apfelsaft gehört die Zukunft

Wie beim Wein: steigendes Qualitätsbewusstsein auch bei Obstsäften

In heutigen Zeiten bemerkt man ein steigendes Qualitätsbewusstsein bei der Herstellung der Streuobstsäfte. Produzenten wie VAN NAHMEN und andere bieten mittlerweile sortenreine Säfte in einer guten Qualität an. Andere, kleinere Produzenten werden folgen. Der Markt an hochqualitativen Säften aus extensiven Streuobstkulturen entwickelt sich ähnlich wie beim Wein!  Wer glaubt, verschiedene Apfelsorten bieten nicht genügend Bandbreite an Aromen, der irrt. 

Auswahlkriterien für geeignete Apfelsorten

Wenn Landwirte und andere am extensiven Obstanbau Interessierte die Anlage einer Streuobstwiese für die Herstellung sortenreiner Säfte planen, sollten Sie sich darüber im Klaren sein, welche Sorten Sie anpflanzen wollen. Aber nach welchen Kriterien wählt man aus?

Auswahlkriterium “Ernteverhalten”

Meiner Ansicht nach ist es vorteilhaft, Sorten zu bevorzugen, 

  • die keinen oder nur wenig Vorerntefruchtfall haben und deren Früchte windfest am Baum hängen
  • und die zu einem bestimmten Zeitpunkt reif werden, also keinen folgernden Reifezeitpunkt haben (wie z.B. Alkmene, deren Reifezeitpunkt sich am Baum über Wochen erstreckt). Die Sorten sollen jeweils zu einem Zeitpunkt vollständig abgeerntet werden können.

Auswahlkriterium “Geschmackliche Tiefe”

Die wichtigsten Kriterien für einen guten Geschmack sind

  • Säure,
  • Gehalt an Gerb- und Bitterstoffen,
  • Süße
  • und spezielle, sortenspezifische Würzung.

Bevor man sich also für den Anbau vieler Bäume einer speziellen Apfelsorte entscheidet, sollte man sie vorher selbst probiert und zu Apfelsaft verarbeitet  haben. 

Auswahlkriterium “Angepasster Standort”

Die beste Pflege ist nutzlos, und die Bäume können nicht gedeihen, wenn die Sorten nicht an den Standort angepasst sind. Wichtige Standortfaktoren für die Sortenauswahl sind:

  • allgemeine klimatische Bedingungen (Höhenlage (Meter), jährliche Regenmenge, jährliche Durchschnittstemperatur, Wind),
  • Standort bedingte klimatische Bedingungen (Ausrichtung der Wiese, Waldnähe, Besonnung, Berg- oder Tallage),
  • Bodenbedingungen: (tonig, lehmig, sandig, humos, verdichtet, mergelig)

Auswahlkriterium “Robustheit”

Viele geschmacklich interessante Sorten gelten als krankheitsanfällig und/oder als pflegeaufwändig (z.B. Gravensteiner, Goldparmäne, Zuccalmaglio). Ein Anbau lohnt sich nur für denjenigen, der für die Herstellung geschmacklich herausragender Säfte bereit ist, ein erhebliches Mehr an Arbeit zu investieren. 

von Hans Joachim Bannier

Immer wieder einmal begegnet uns die Frage, was denn der Unterschied sei zwischen Pflaumen, Zwetschgen und Reneclauden. Andere sind sich sicher, dass Reneclauden immer grün seien, Pflaumen immer rot und Zwetschgen immer blau.

Prunus domestica!

Die Wahrheit ist: Botanisch sind Pflaumen, Zwetschgen und Reneclauden und Mirabellen dieselbe Baumart, nämlich Prunus domestica und sind untereinander jederzeit kreuzbar. Auch können sie alle auf ein- und denselben Baum aufveredelt werden. Letztlich sind alle diese Bezeichnungen nur Bezeichnungen für die verschiedenen Sorten einer einzigen Baumart.

Zwetschge (Zwetsche), Pflaume?

Zwar stimmt es, dass im deutschen Sprachraum das Wort Zwetschge (oder Zwetsche, je nach Region) tendenziell eher für die länglichen blauen Früchte verwendet wird und das Wort Pflaume tendenziell eher für die dickeren rundlicheren Früchte. Aber letztlich ist die Benennung der einzelnen Sorten immer im Belieben derjenigen gewesen, die die Sorten entweder als Zufallssämlinge gefunden (und dann vermehrt) haben oder sie gezielt gezüchtet haben.

Reneclauden (Renekloden)?

Und was hat es mit den Reneclauden auf sich?

Rene-Claude, zu deutsch ‘Königin Claudia’: diesen Namen gab man einer Pflaumensorte zu Ehren der ersten Gemahlin Franz’ I. von Frankreich (1499–1524). Edle Früchte waren damals noch etwas ganz Besonderes, und den Herrschenden gereichte es zur Ehre, wenn eine Obstsorten nach ihnen benannt wurde (man denke nur an die deutsche Apfelsorte ‘Kaiser Wilhelm’).

Inzwischen ist aus der Sorte Reine Claude ein Begriff geworden, und gibt es nicht nur “die eine” Rene-Claude, sondern zahlreiche Reneclaudensorten: die bekanntesten bei uns sind  Große Grüne Reneclaude, Althans Reneclaude und Oullins Reneclaude. Die letztere – gelbfarbig – kann man wiederum von der gelben Ontariopflaume ebenso schwer unterscheiden wie die (blaurötliche) Althans Reneclaude von ähnlich aussehenden Pflaumensorten.

Und ob ein Züchter seine (als Zufallssämling gefundene oder durch aktive Kreuzungszüchtung gewonnene) neue Sorte nun ‘Pflaume’, ‘Zwetschge’ oder ‘Reneclaude’ genannt hat, hatte wohl mehr zu tun mit Traditionsbewusstsein oder Eitelkeit des Finders bzw. Züchters als mit botanisch eindeutigen Zuordnungen.

So haben wir heute blaue, rote und gelbe Zwetschgen (z.B. Feys Gelbe Hauszwetschge), blaue, rote und gelbe Pflaumen, blaurote, gelbe und grüne Reneclauden etc.

Mirabellen?

Und wer denkt, dass die kleinen rundlichen Früchte immer ‘Mirabellen’ heißen müssen, hat sich auch getäuscht: So sind z.B. die Früchte der (blauen) ‘Rivers Frühen Zwetschge’ oder die Früchte der frühreifenden blauen ‘Erntepflaume’ in Wirklichkeit nicht größer als unsere gängigen Mirabellen!

Spillinge?

Um die Verwirrung noch komplett zu machen: Zu alledem gab es – heute nur noch in bestimmten Regionen Deutschlands bekannt – auch noch Spillinge (meist gelb, länglich) und dann noch die verschiedenen, auch heute noch vorkommenden Wildpflaumen, die sich untereinander noch einmal in verschiedene Typen aufteilen:

  • von den blauen Kriechelpflaumen (westfälisch: Kraiken),
  • über die Zibarten,
  • bis zu den – noch sehr häufigen – Kirschpflaumen (Myrobalanen), welche meist gelb oder rot fruchten und von Laien gern mit Mirabellen verwechselt werden (sie unterscheiden sich aber durch ihre saure Fruchtschale, außerdem blüht der Baum deutlich früher als andere Wild- oder Kulturpflaumen).
  • Und schließlich noch die Schlehe: auch die ist mit der Pflaume botanisch ganz eng verwandt und könnte theretisch mit dieser gekreuzt werden (nur dass die Schlehe meist eher blüht als unsere Pflaumen).

Damaszenerpflaume?

In der alten Literatur (und in den Balkanländern auch noch heute) begegnet man den Damaszenerpflaumen, und auch das ist keine botanisch verschiedene Art, sondern deutet lediglich darauf hin, dass man früher davon ausging, dass die Pflaume einst aus Kleinasien stammte, aus Damaskus!

Die neuen Sorten: groß und relativ geschmacklos

Von der Pflaumensorten-Vielfalt früherer Zeiten können wir heute nur noch träumen, denn der Großhandel bietet sie schon seit Jahrzehnten nicht mehr an. Warum? Weil Pflaumen von Natur aus nicht wochenlang halten, sondern – manche Sorten schneller, manche langsamer – mit zunehmender Reife weicher werden und oft dann, wenn sie am aromatischsten schmecken, für Transport und Lagerung im warmen Laden schon zu weich und empfindlich sind.

Also pflücken die Obstbauern ihre Pflaumen meistens halbreif, damit sie die Transport- und Lagerwege optisch schadlos überstehen – leider nur unter Verlust ihrer Geschmacksqualität. Und die Züchter sind inzwischen seit mehreren Jahrzehnten “großhandelstaugliche” Pflaumen bzw. Zwetschgensorten zu züchten, was in freier Übersetzung heißt: Die Früchte müssen groß und schön sein, fest sein, nicht druckempfindlich und wochenlang haltbar – schließlich will der Handel nicht nur im Herbst, sondern am besten ganzjährig Pflaumen anbieten und so kauft er die Früchte eben im Frühjahr aus Argentinien, Südafrika oder Australien ein.

Das haben die Züchter nun auch schon wirklich fast perfekt hinbekommen. Nur: Schmecken tun diese manchmal riesigen Früchte, die da ganzjährig im Regal liegen, meist nicht mehr. Allenfalls wenn die gute alte Hauszwetschge Ende August bis Mitte September mal noch den Weg ins Supermarkt-Regal findet, kann man hoffen, dass diese von den Obstbauern nicht zu früh gerupft wurden und einen guten Kuchen abgeben.

von Hans Joachim Bannier

Der optimale Ort für die Lagerung von Äpfeln ist eine Erdmiete (Erdlager, Erdkeller)

Ein Erdlager kann sich jeder Gartenbesitzer selbst bauen: Man gräbt ein mindestens 80cm tiefes Loch, kleidet die Seitenwände mit Blechen aus (gegen Mäuse) und versieht die Erdmiete mit einem (auf der Unterseite mit Isoliermaterial versehenen) Deckel.

Auch die oberen 30cm der Seitenwände werden von innen mit einem Isoliermaterial (z.B. Styropor) versehen, damit die Erdmiete gegen Fröste geschützt ist (Der Boden gefriert bei uns in der Regel nicht tiefer als 30cm).

Den Boden des Obstlagers kann man einfach erd-offen lassen, was für die richtige (hohe) Luftfeuchtigkeit sorgt (und die Mäuse graben sich i.d.R. nicht tiefer als 80cm).

In der Gegend, in der ich aufgewachsen bin (Göttingen/Südniedersachsen), liegen manche Dörfer in steilen Hanglagen. Dort haben die Leute teils große begehbare Erdkeller auch in den Hang gegraben oder Höhlen in den Sandsteinfels gehauen. So hatte man optimale Lagerräume für Obst und Gemüse – ohne Stromverbrauch!

Lang haltbare Tafelapfel-Sorten

Genauso wichtig wie ein gutes (Natur-) Obstlager sind auch Apfelsorten, deren Früchte man bis zum nächsten Frühjahr lagern kann. Hier ein paar empfehlenswerte Tafeläpfel:

  • Ontario,
  • Winterglockenapfel,
  • Melrose,
  • Undine,
  • Pilot,
  • Brettacher.

Lang haltbare Wirtschaftsapfel-Sorten

Neben den hier vorgestellten Tafelapfelsorten hat es früher im Anbau auch zahlreiche Wirtschaftsäpfel gegeben, deren Früchte ebenfalls bis in den Juni/Juli halten, die aber immer schon als reine Wirtschaftsäpfel für die Küche galten und nicht als Tafelapfel für den Frischverzehr. Zu nennen wären hier z.B.

  • Roter Eiserapfel,
  • Grüner Stettiner,
  • Roter Stettiner,
  • Boikenapfel,
  • Hauxapfel,
  • Hilde und andere mehr.

WP_20150928_003Darf ich mich vorstellen:

ich bin der Prinz Albrecht von Preußen und produziere jahrein jahraus eine Menge Allergikeräpfel. In diesem Jahr habe ich aber über die tollen Tage so viele Blüten und Früchte angesetzt, dass ich jetzt furchtbar müde bin.

Die nächsten 2 Jahre muss ich zur Kur und mich schonen. Meine Leitäste werden wieder hochgebunden. Hin und wieder etwas Kraftsport durch Einkürzen der Leitastspitzen, auf dass meine Arme kräftiger werden. Ansonsten  ist in den nächsten beiden Jahren Schonung und Entfernung der Blüten angesagt.

 

Stressfrei gärtnern

Erdbeeren, rote Johannisbeeren und Kirschen sind wirklich gut schmeckende Früchte. Mit deren Anbau lassen sich allerdings nur schwerlich gute Erfahrungen machen. Die Vögel ernten meist schneller, und ich habe absolut keine Lust, meinen ganzen Garten mit Netzen zu schützen (nutzt eh nix, die Vögel finden immer einen Eingang). Das hier vorgestellte Obst wird von den tierischen Räubern kaum beachtet, da diese hauptsächlich auf die Farbe “rot” anspringen. Rote Äpfel werden von den Plagegeistern weitgehend verschont, da zu ihrem Reifezeitpunkt so viele andere Wildbeeren wachsen.

Den ganzen Sommer und Herbst Obst aus dem eignen Garten? So schwer ist das gar nicht zu erreichen. Sie sollten sich Pflanzen jeweils als Büsche besorgen, also keine Beerenhochstämme bzw. Stein- und Kernobsthalb- oder -hochstämme. Bei den Apfelbäumen werden mittelstark wachsende MM106-Unterlagen empfohlen. Diese Bäume werden nicht höher als 3,50 und sind leicht zu pflegen und zu beernten.

Die Reifezeit der einzelnen Sorten ist aufeinander abgestimmt. Durch Standort- bzw. Wettereinflüsse kann es hierbei allerdings zu Abweichungen kommen. Rechnen Sie mit einem Platzbedarf von rund 180 qm.

01-III

Schwarz=Erntezeitpunkt, grau=Lagerfähigkeit

Sortenauswahl

Alle verschiedenen Obstpflanzen wurden im Versuchsgarten in Remscheid-Reinshagen getestet. Sie sind geschmacklich hervorragend, robust gegenüber Klimaeinflüssen, Krankheiten und Schädlingen und weisen (mit Ausnahme der Goldparmäne) kaum Vorerntefruchtfall auf, bleiben also bis zur Ernte am Baum/Strauch und sind nicht windempfindlich.

Befruchtung der Obstpflanzen

Die Sortenauswahl wurde auf eine optimale gegenseitige Befruchtungsfähigkeit abgestimmt. Johannisbeeren sind selbstbefruchtend. Aber die Ernte kann durch die zusätzliche Befruchtung mit anderen Sorten noch erhöht werden. Mirabellen, Reneklauden und Pflaumen befruchten sich gegenseitig. Äpfel benötigen andere Befruchtersorten. Die Goldparmäne ist ein guter Befruchter für die anderen Sorten und sollte deshalb nicht fehlen.

Obstsortenliste

1995 gründete sich der so genannte „Koordinierungsausschuss Obstwiesenschutz in NRW“. Mitglieder sind Naturschutz- und Fachverbände, Baumschulverbände, Obstwiesenvereine sowie Fachbehörden einschließlich dem Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen.

Aufgaben und Ziele des Koordinierungsausschusses

Die Hauptaufgaben des Korrdinierungsausschusses liegen

  • in der Abstimmung ihrer Aktivitäten für Obstwiesen
  • und im gemeinsamen Einsatz für die Erhaltung von Obstwiesen in Nordrhein-Westfalen.
  • Ein wichtiges Ziel ist die gezielte Förderung von alten und die Begründung neuer Obstwiesen nach den früher üblichen Anbaumethoden.

Der Koordinierungsausschuss Obstwiesenschutz empfiehlt folgende Obstsorten für hochstämmige Streuobstwiesen. Die Empfehlungen basieren auf Praxiserfahrungen im Streuobst, und Hartmut Brückner, Vorsitzender des Bergischen Streuobstwiesenvereins, hat an ihrer Erstellung mitgewirkt. Im Einzelfall können auch durchaus andere, robuste Sorten auf Hochstamm gepflanzt werden. Die Erfahrungswerte sind auch auf Halbstämme für Streuobst übertragbar.

Download der Sortenliste

nrw-sortenliste