Die Pilzerkrankungen “Schorf” und “Mehltau” an Apfelbäumen

Krankheiten an Apfelbäumen, aber auch an Gewächsen anderer Obstsorten, sind häufig anzutreffen. Meist handelt es sich um Pilzerkrankungen (Mykosen). Bei Apfelbäumen sind es hauptsächlich Apfelschorf, Mehltau, Baumkrebs und Monilia (Spitzendürre, Fruchtfäule), wobei die ersten beiden die häufigsten und schwerwiegendsten sind. 

Apfelschorf

Durch den Befall mit Apfelschorf kommt es zu bräunlich-fleckigen Verfärbungen der Blätter bis hin zu ihrem Absterben. Der Baum sieht dann mit dem wenigen noch verbliebenen Laub sehr “spierig” aus. Sollten sich noch Früchte ausgebildet haben, weisen sie korkige Stellen und Risse auf und bleiben meist im Wuchs sehr klein, wenn sie nicht schon im Jugendstadium abfallen. Apfelbäume mit fortgeschrittenem Schorfbefall bilden überhaupt keine Früchte mehr aus. 

Apfelschorf, Bildquelle: Hans-Joachim Bannier

Wenn sich ein zukünftiger Obstbaumbesitzer über verschiedene Sorten im Internet informiert, kann er in den Onlineshops der Baumschulen die schönsten Beschreibungen lesen. Die Gefahr besteht, dass dann Sorten hauptsächlich nach Gefallen und Geschmack ausgesucht werden – und nicht nach Robustheit. In diesem Fall wird er wahrscheinlich erst Jahre später merken, dass sie sich nicht richtig entwickeln und sehr krankheitsanfällig sind. 

Es gibt zwei Faktoren, die hauptsächlich bestimmen, ob neu gepflanzte Obstbäume zukünftig gesund wachsen oder vor sich hinkränkeln werden. Dies sind

  • die Auswahl von geeigneten Pflanz-Standorten
  • und die bewusste Beschränkung auf robuste Sorten.

Der wichtigste Krankheitsvorbeugung ist die Wahl eines geeigneten Standortes für den Obstbaum

Die Wahl des richtigen Standortes ist von entscheidender Bedeutung für das spätere Wohlergehen des gepflanzten Baumes.

Beispiele:

  • so wachsen in Senken auf dauerfeuchtem Grund höchstens noch Pflaumen, aber keine Äpfel und Birnen.
  • Birnen benötigen warme Standorte. Es lohnt sich nicht, in höheren Mittelgebirgslagen mit rauem Klima Birnen anzubauen.
  • Die Apfelsorte „Gravensteiner“ gedeiht nicht in trockenen Lagen, während die Goldparmäne auf feuchte Umgebung mit Schorf reagiert.
  • Die Bäume vieler Apfelsorten reagieren auf Bodenverdichtung (toniger Lehm) mit Obstbaumkrebs, so z.B. die Sorten „Kaiser Wilhelm“ und „Ananasrenette“.
  • Es gibt spezielle Apfelsorten, die noch im raueren Mittelgebirgsklima gut gedeihen, andere hingegen benötigen eher Weinbauklima.

All diese speziellen Erfordernisse sind den jeweiligen Sortenbeschreibungen (Obstsorten-Monografien) zu entnehmen, die in der einschlägigen Fachliteratur oder auch – bei Apfelsorten – auf dieser Internetseite dokumentiert sind. Diese Hinweise sollten bei der Entscheidung, welche Sorte wohin gepflanzt werden soll, unbedingt Berücksichtigung finden!

Die Auswahl robuster Sorten verhindern Pilzerkrankungen bei Obstbäumen

Schorf und Mehltau sind die gefürchtetsten und am  häufigsten auftretenden Mykosen bei Apfelbäumen. Sie können den Großteil einer Ernte vernichten und die Vitalität der Bäume stark beeinträchtigen. 

Um diese Pilzerkrankungen zu verhindern, werden im gewerblichen Intensivobstbau große Mengen Fungizide gespritzt.

Auch der so genannte „ökologische” Anbau verwendet große Mengen Spritzmittel. Auch wenn wir uns für eine Behandlung mit den im ökologischen Obstbau verwendeten Kupfer- und Schwefelpräparaten entscheiden würden, wäre eine Umsetzung bei den viele Meter hohen Obstbäumen auf den Streuobstwiesen praktisch kaum durchführbar. Und eine Behandlung mit einem weniger aggressiven Alternativpräparat wie Neemöl wäre aus dem gleichen Grund nicht praktikabel – abgesehen von der seiner wenig gesicherten Wirksamkeit gegen Mykosen.

Neue Apfelsorten sind krankheitsanfälliger gegenüber Mykosen

Die meisten neu gezüchteten Apfelsorten sind Kreuzungen aus einigen sehr empfindlichen Muttersorten wie Golden Delicius, Cox Orange, Jonathan und McIntosh, die sich nur unter hohem Fungizideinsatz im Intensivobstbau befriedigend entwickeln können. Diese Empfindlichkeit gegenüber Pilzinfektionen geben die Muttersorten an die Kreuzungen weiter. Siehe hierzu auch den richtungsweisenden Aufsatz von Hans-Joachim Bannier: Plädoyer für den Erhalt der Obstsortenvielfalt

 

Neue Apfelsorte Pinova mit Schorfbefall der Blätter

Neue Apfelsorte Rubinette mit Schorfbefall der Blätter

Robustheit gegenüber Schorf und Mehltau finden wir bei vielen alten Apfelsorten

Die meisten alten Sorten sind durch natürliche genetische Mutation aus Zufallssämlingen entstanden. Waren sie anfällig gegenüber Krankheiten, so wurden sie vom Menschen nicht mehr weiter vermehrt. Durch diese natürliche Auslese konnten sich über die Jahrhunderte viele Sorten erhalten, die gegenüber Schorf und Mehltau über eine große Robustheit verfügen.

Es gibt aber auch empfindliche alte Apfelsorten

Die folgenden Beispiele stammen aus dem Jahr 2021, das mit seinem feuchtkalten Frühjahr mit darauffolgender schwülen Hitze bei anfälligen alten Apfelsorten beste Bedingungen für Pilzinfektionen bot. Die folgenden Bilden sind am gleichen Tag aufgenommen worden:

Die alte Sorte Gravensteiner ist empfindlich gegenüber Schorf und Mehltau. Hier ein kranker MM 106 Apfelbaum mit totalem Ernteausfall

 

 

 

 

Auch die alte Sorte Boskoop, die eigentlich als  sehr robust gilt, reagiert bei ungünstigen Bedingungen mit Mehltau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Apfelsorte Prinz Albrecht von Preußen: gesundes, volles Laub auch bei schwierigen klimatischen Bedingungen

Baumanns Renette: robust und vital

Im Beitrag Robuste und besonders schmackhafte Apfelsorten zählen wir einige empfehlenswerte Sorten auf.

Das Frühjahr in diesem Jahr war eher kühl und feucht. Während der Apfelblüte war es für die Honigbienen zu kalt. Nur einige Hummeln und Wildbienen flogen umher. Aber die hatten eigentlich Anderes im Sinn als die Befruchtung der Obstbaumblüten. Absichtlich hatten wir im Remscheider Sortengarten vorher nicht gemäht, so dass sich ein ein Teppich aus blühendem Löwenzahn und Wiesenschaumkraut bildete. Hauptsächlich dorthin lockte es die Insekten.

Ein Fördern der Konkurrenzblüher durch das Unterlassen der Mahd und dann noch die richtigen klimatischen Bedingungen führte zu dem Ergebnis, dass an den Obstbäumen pro Büschel immer nur 1-2 Blüten befruchtet wurden. So können wir uns das manuelle Ausdünnen in diesem Jahr ersparen.

Nur 1-2 befruchtete Blüten pro Büschel

Artikel aus der Zeitschrift: “AFZ-DerWald” 04/2020 mit freundlicher Genehmigung des Autors, Hans-Joachim Bannier:

Im Zeitalter der Wissenschaft glauben viele Menschen heute nur noch an das, was wissenschaftlich erforscht ist, und sind überzeugt davon, dass wir heute viel mehr wissen als die Menschen früherer Generationen. Gerade im Umgang mit der Natur haben wir jedoch im Zeitalter von Chemie und Technik nicht nur Wissen hinzugewonnen, sondern in vielen Fällen auch altes Erfahrungswissen verloren.

So gehörte die Verwendung von Lehm als einfaches und fast überall verfügbares Heilmittel in der (Obst-)Baum- pflege noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zu den Kenntnissen, die im gärtnerischen Alltag allgemein verbreitet waren. Die Verwendung von Lehm gehörte zum praktischen Landwissen, das von einer Generation an die nächste weitergegeben wurde, ohne dass die Wissenschaft sich je explizit damit befasst hat.
Dabei sind die Erfolge der Lehmbehandlung teilweise so augenfällig und die Einsatzmöglichkeiten für Lehm so vielfältig, dass sich auch die professionelle Großbaumpflege dringend mit der positiven Wirkung des Einsatzes von Lehm beschäftigen sollte.

In der AFZ-Der Wald Nr. 20/2019 wurden einige Beispiele vorgestellt, wie Lehm zu einer bestmöglichen Verheilung diverser Baumwunden beitragen kann. In dieser Ausgabe folgen nun einige Beispiele dafür, welche Möglichkeiten der Einsatz von Lehm bietet, u. a. auch bei der Rettung scheinbar verlorener Bäume.

Wiederanheften gerissener Äste

Bei einem ca. 30-jährigen Apfelbaum brach im August 2015 einer der Hauptäste (Durchmesser ca. 20 bis 25 cm) unter der Last der Früchte und riss eine breite und tiefe Wunde bis weit in den Stamm hinein (Abb. 1).

Abb. 1: Nach einem Astbruch scheint der Starkast verloren. Auch die Nachbaräste – und damit der ganze Baum – sind durch den starken Bruch gefährdet.

Dadurch, dass der mindestens 5 m lange Ast sich nach dem Bruch außen auf dem Boden abstützte, hing seine Rinde auf der Unterseite noch einen Streifen breit am Stamm.

Hätte man diesen Ast am Stamm entfernt, wäre nicht nur der Stamm erheblich beschädigt gewesen, sondern es hätte zudem die Gefahr bestanden, dass die direkt benachbarten Äste rechts und links ebenfalls ausreißen, da ihre Verankerung im Stamm durch das Ausreißen des Nachbarastes ebenfalls betroffen war. Da der Apfelbaum an einem von Spaziergängern frequentierten Weg steht, hätte daher zur Gefahrenabwehr zumindest ein weiterer Hauptast gekappt oder zumindest stark eingekürzt werden müssen, was dann allerdings auch die Statik des gesamten Baums in Mitleidenschaft gezogen hätte.

Ermuntert durch die schon vielfach erprobte Wirkung von Lehmverbänden wurde daher die Alternative gewählt, den heruntergebrochenen Ast außen stark einzukürzen, um ihn zu entlasten. Das verbliebene ca. 2 m lange Aststück wurde anschließend wieder an den Baum angedrückt und mit ein paar Holzschrauben fixiert.

Zuvor wurden in der Bruchstelle diverse Holzsplitter, die einem Andrücken des Astes im Wege standen, entfernt. Anschließend wurde an den seitlichen Rändern des Astes – dort wo der Ast aus dem Stamm ausgerissen war – die Rinde beiderseits der Rissstelle mit einem scharfen Messer angeschnitten. Auf diese Weise wurden noch einmal frische Kambiumränder freigelegt, um diese zur Zellbildung anzuregen. Die frisch angeschnittenen Wundränder wurden anschließend mit einer dicken Schicht nassen Lehms eingepackt, sodass das Kambium feucht gehalten und die Kallusbildung beschleunigt wurde.

Drei Jahre später ist ein Teil des ausgerissenen Astes bereits wieder mit dem Stamm verbunden bzw. am Stamm „angewachsen“ (Abb. 2). An den Stellen, wo die Rinden von Stamm und Ast sich zwar berühren, das Verwachsen aber noch nicht komplett erfolgt ist (Abb. 3), kann man jetzt noch einmal mit einem scharfen Messer die Wundränder rechts und links frisch anschneiden und die Lehmprozedur wiederholen. Im nächsten Jahr wird der Ast dann komplett an den Stamm angewachsen sein (Abb. 4).

Abb. 2: Der eingekürzte Starkast wurde mit Schrauben an den Stamm geheftet und an den Wundrändern dick mit Lehm verschmiert.

Abb. 3: Der wieder angeschraubte Starkast wächst nach und nach mit der benachbarten Rinde zusammen. Dort, wo die Rinde von Stamm und Ast sich berührt, kann man ihr Verwachsen fördern, indem man die Ränder mit einem scharfen Messer erneut anschneidet und mit Lehm verschmiert.

Abb. 4: Überall dort, wo die Rinde von Stamm und Ast wieder vollständig zusammengewachsen ist, bekommt der Ast neuen Halt, der sich durch jeden neuen Jahresring verstärkt.

Natürlich ist der Halt des Astes zunächst nur über die äußeren, neu gebildeten Jahresringe gegeben, da der innere Bruch kaum verheilen wird. Aber in dem Maß, in dem der Ast jetzt wieder neu austreibt und an Gewicht zunimmt, wird mit jedem folgenden Jahresring auch seine Belastbarkeit zunehmen. Auch die Nachbaräste sind von Jahr zu Jahr weniger abrissgefährdet.

Ein fast identischer Eingriff wurde bereits einige Jahre zuvor an einem jungen Pflaumenbaum vorgenommen.
Dort hatte eine Praktikantin beim Abspreizen eines Seitenastes – um diesen etwas flacher zu stellen – versehentlich den ganzen Ast aus seiner Verankerung am Stamm gerissen. Der Ast war nur noch mit einem Streifen Rinde auf seiner Unterseite mit dem Stamm verbunden. Statt den Ast zu entfernen, wurde
er wieder in seine ursprüngliche Position gebracht und in dieser Lage mithilfe von Bindfäden und Spreizholz fixiert, damit er nicht erneut ausreißen konnte. Anschließend wurden auch hier alle Wundränder mit einem scharfen Messer angeschnitten und die gesamte Wunde in einen dicken Lehmverband eingepackt, der – mangels Juteband – einfach mit alten Lappen fixiert wurde. Eine Schraube war in diesem Fall nicht
nötig, da der abgerissene Ast noch nicht so schwer war.

Schon nach einem Jahr war der Ast wieder angewachsen (Abb. 5). Fünf Jahre nach dieser Operation – der Baum ist inzwischen zu stattlicher Größe herangewachsen – ist der ehemals abgerissene Ast sogar wieder belastbar.

Abb. 5: Der linke Ast dieser jungen Zwetschge war ebenfalls ausgerissen. Er wurde allein mit Bindfaden und Spreizholz (ohne Schrauben] wieder in seine alte Position gebracht und fixiert; die Ränder der Bruchstelle wurden eingelehmt. Ein Jahr später ist der Ast fest angewachsen, nach zwei bis drei Jahren sogar wieder voll belastbar.

Baumrettung nach Vandalismus

Dramatisches erlebte der Besitzer einer Obstwiese bei Bielefeld: Unbekannte hatten über die Ostertage 2015 die Kronen seiner sechs Jahre alten Apfelbäume abgesägt. Einige Baumkronen lagen komplett abgesägt am Boden, aber bei sieben Bäumen hingen die abgesägten Kronen mit einem schmalen Rindenfetzen noch am Stamm (Abb. 6).

Abb. 6: Vandalismusschaden an einem jungen Obstbaum

Hier wagte man ein Experiment: Die Kronen wurden vorsichtig in voller Größe auf den Stamm gesetzt und mit jeweils drei Schrauben wieder mit ihm verbunden. Hochgeklappte Rindenlappen wurden mithilfe kleiner Nägelchen zurück an den Stamm gedrückt. Die Ränder sowohl der vertikalen als auch der horizontalen Wunden wurden danach – da sie in den drei Tagen nach dem Vorfall bereits eingetrocknet waren – frisch angeschnitten. Anschließend versah man alle Wunden mit einer gut 2 bis 3 cm dicken Packung nassen Lehms. Sie wurden mit einem Jutegewebe umwickelt, damit der Lehm nicht herabfallen kann (Abb. 7). Als Teil des Experiments wurden die wieder aufgesetzten Baumkronen ganz bewusst nicht stärker zurückgeschnitten als bei einem normalen Erziehungsschnitt.

Abb. 7: Die Krone des abgesägten Baums wird wieder auf den Stamm gesetzt und aufgeschraubt, hochgeklappte Rinde mit kleinen Nägelchen fixiert. Anschließend wird ein dicker Verband aus Lehm aufgebracht und mit Jutegewebe umwickelt.

Bei der Kontrolle im nächsten Winter waren unter der Lehmschicht sowohl der horizontal verlaufende Sägeschnitt als auch alle anderen Wunden komplett zugeheilt (Abb. 8).

Abb. 8:  Ein Jahr später ist die Krone wieder angewachsen und der Sägeschnitt noch gut zu erkennen. Jetzt werden auch die Stammaustriebe entfernt.

Der Wundkallus, der sozusagen als erster neuer Jahresring außen über den Sägeschnitt gewachsen war, war so dick, dass es nicht einmal mehr möglich war, die Köpfe der Schrauben wiederzufinden, um diese zu entfernen. Der Neutrieb in der Krone maß zum Teil 70 cm und mehr und war somit nicht geringer als der Neutrieb ungeschädigter Jungbaumkronen auf derselben Obstwiese. Da durch den Sägeschnitt natürlich auch ein Saftstau an der Schnittstelle entstand, gab es auch einige Stammaustriebe unterhalb der Schnittstelle, die das Gesamtergebnis aber nicht beeinträchtigt haben und nun entfernt werden konnten. Auch fünf Jahre später stehen die Kronen in ihrer Entwicklung kaum hinter normal und unbeschädigt gewachsenen Baumkronen zurück.

Veredeln mit Lehm

Lehm lässt sich im Obstgarten (und in der Baumschule) auch noch an anderer Stelle verwenden: beim Veredeln von Bäumen. Statt mit Lacbalsam oder Wachs kann man die Veredlungsstellen auch einfach mit einer dünnen Schicht schmierig-nassen Lehms einstreichen. Hier muss der Lehm nur so lange halten, bis die Veredlung angewachsen ist. Dass der Lehm Feuchtigkeit speichert, kann für das Anwachsen der Veredlung sogar von Vorteil sein. Bei anhaltend trockenem Wetter (nach der Veredlung) könnte man die Lehmanstriche ggf. auch mit einem feinen Wassersprühnebel befeuchten.

Einsatzgebiet Straßenbäume

Eines der größten potenziellen Einsatzgebiete von Lehm in der Baumpflege wäre das Behandeln großer Baumwunden nach Anfahrschäden im Straßenverkehr. Hier wäre die Behandlung mit Lehm weit effizienter als das seit einigen Jahren praktizierte Einpacken der Stammwunden mit Plastikfolien. Voraussetzung ist allerdings, dass ein zentraler Baum-Notruf eingerichtet wird, an den sich alle Polizeidienststellen nach Baumunfällen wenden können und von dem aus örtliche Vertragspartner benachrichtigt werden, die die beschädigten Bäume umgehend mit Lehmpackungen behandeln, noch bevor die Sonne die Kambiumschicht der Bäume hat eintrocknen lassen und die Schäden dann irreversibel sind.

Die Kopulation ist die einfachste VeredelungsmethodeReiser müssen so gelagert werden, dass sie einerseits nicht vertrocknen, andererseits nicht vorzeitig austreiben. Dies kann man erreichen, z.B. indem man sie in einer dicht verschlossenen Plastiktüte im Kühlschrank lagert, oder auf der Nordseite eines Hauses senkrecht in den Boden steckt (ggf. oberirdisch gegen Fraß schützen, unterirdisch gegen Wühlmäuse), d.h. die Fußenden müssen Bodenkontakt haben. Auch komplett eingraben ist möglich (in einer Plastiktüte eingehüllt und mit Wühlmausschutzdraht umwickelt).

Lagerung von Reisern vor dem Veredeln

Ein paar Stunden vor dem Veredeln Reiser am Fuß anschneiden und in Wasser stellen, damit sie sich noch einmal vollsaugen. [Die Veredlungseignung zu trocken gewordener Reiser kann man testen, indem man sie anschneidet, mehrere Tage in Wasser stellt und abwartet, ob die Knospen sich noch einmal „bewegen“, d.h. zu wachsen beginnen. Falls ja, dann sofort veredeln!]
Auch die Veredlungsunterlagen sollten 2-3 Tage vor dem Veredeln kräftig gegossen werden oder – falls sie noch gar nicht gepflanzt sind – in Wasser gestellt werden).

Behandlung der Pflanzen nach dem Veredeln

Alle offenen Wund- und Schnittstellen der Veredlung mit Lacbalsam o.ä. einschmieren, um sie vor dem Austrocknen zu schützen. Die Veredlungsgummis sollten dabei nicht vollständig zugeschmiert werden, damit sie unter Sonnenlichteinfluss porös werden können und rechtzeitig lösen, statt die wachsende Veredlung einzuschnüren. Bei länger anhaltender Trockenheit nach dem Veredeln ggf. die Edelreiser mit nassem Lehm einschmieren (oder für die ersten 3-4 Tage eine Plastiktüte drüberstülpen), außerdem die Pflanzen regelmäßig gießen!

Autor: Hans Joachim Bannier

In den letzten Wochen werden wir häufiger von Gartenbesitzern nach einer Sortenempfehlung für Apfelbäume für den Haus- oder Kleingarten gefragt. Dort ist meist nicht allzuviel Platz, so dass man sich auf wenige gute Sorten beschränken muss. Sofern kein großer Baum als späterer Schattenspender gewünscht ist, sollen die zu pflanzenden Bäume in den meisten Fällen nicht allzu riesig werden und es soll auch nicht 7-10 Jahre dauern, bis die Bäume richtig in den Ertrag kommen.

Meist ist allenfalls für 3-4 Bäume Platz, manchmal auch nur für 1-2 Bäume. Für diesen ‘Standard-Fall’ haben wir hier einmal eine kleine Zusammenstellung schmackhafter und robuster Apfelsorten aufgelistet, die nach unseren Erfahrungen gut geeignet sind.

Wurzelunterlage und Sorte bestimmen die Größe eines Obstbaumes

Bevor wir die Sorten auflisten, hier aber noch ein wichtiger Hinweis, was bezüglich der gewünschten Größe eines Apfelbaumes oder -busches noch zu beachten ist:
Die Größe eines Apfelbaumes hängt nicht nur von der gepflanzten Sorte ab, sondern auch von der Wurzelunterlage, auf der er veredelt wurde.

Für Apfelbäume in kleineren Gärten mittelstarke Unterlagen, keine schwachen M9-Unterlagen!

Für den Haus- und Kleingarten empfehlen sich dafür sog. ‘mittelstarke’ Unterlagen, die heute in den Baumschulen mit Kürzeln bezeichnet werden (z.B. M7, MM106, M25). Wenn man heute in Baumschulen sagt, man wolle unbedingt einen kleinen Baum haben, werden heute gern auch Apfelbüsche auf der sehr schwachen Wurzelunterlage M9 verkauft. Auf dieser Wurzel veredelt bleiben die Gehölze zwar tatsächlich noch mal kleiner, allerdings ist diese Wurzel auch nicht standfest, d.h. nach ein paar Jahren, wenn der Busch mal voller Äpfel hängt, kann der Busch unter der Last der eigenen Früchte umfallen (sofern er keinen Stützpfahl mehr hat). Auch wenn Wühlmäuse an den Wurzeln dieser schwachen Unterlage fressen, hat die M9-Unterlage oft nicht die Kraft, sich wieder zu erneuern. Und schließlich wurzelt die M9 auch nur flach und reagiert daher wesentlich schneller auf Trockenheit, muss also in Jahren wie 2018/19 regelmäßig gewässert werden.

Auch wenn die Sorten auf der M9-Unterlage noch schneller tragen als auf den mittelstarken Wurzelunterlagen, empfehlen wir die letzteren, da sie deutlich robuster (und in der Regel auch standfest) sind. Je nach aufveredelter Sorte beginnen die auf mittelstarken Unterlagen veredelten Büsche/Halbstämme in der Regel nach etwa 3-6 Jahren.

Für schattenspendende Apfelbäume Sämlingsunterlagen wählen

Wer dagegen später gern einen größeren Baum haben möchte (Halbstamm oder Hochstamm), der später auch als Schattenspender dient, muss darauf achten, dass die gewünschte Sorte auf einer sogenannten ‘Sämlingsunterlage’ veredelt wurde. In guten Obstbaumschulen ist auf dem Etikett neben der Sorte immer auch die verwendete Wurzelunterlage vermerkt. Baum Baumverkauf in Baumärkten oder Gartencentern fehlt diese Angabe häufig und man kann bezüglich der Baumgröße Überraschungen erleben (in der einen oder in der anderen Richtung).

Die Sortenwahl

Was die Sortenwahl betrifft, wünschen sich die meisten für den Hausgarten – anders als auf Streuobstwiesen – in der Regel ebenfalls eher Sorten, die nicht zu stark wachsen und deren Fruchtertrag nicht allzu spät einsetzt. Für ein Standard-Sortiment empfehlen wir daher in der Regel mittelstark (oder etwas schwächer) wachsende Sorten (bzw. solche, die mit dem Ertragsbeginn nicht die spätesten sind).
Unser ‘Standard-Hausgartensortiment’ setzt sich zusammen aus den folgenden robusten und schmackhaften Sorten:

Discovery
Pflückreife Mitte August, Genussreife bis Mitte September. Aromatische, leuchtend rote Frucht. Baumwuchs: eher schwach (kann auch auf stärkeren Wurzelunterlagen veredelt werden!). Ertrag früh beginnend, regelmäßig. Robust gegen Schorf und Mehltau. Auf staunassen, sehr schweren Böden kann Obstbaumkrebs auftreten (daher ggf. Boden mit Sand und/oder Kompost lockern. Die Sorte ist ihrerseits ein guter Befruchter auch für die im folgenden hier genannten Sorten.

Alkmene
Pflückreife Mitte September, Genussreife bis Mitte November. Aromatische, an Cox Orange erinnernde Frucht. Baumwuchs mittelstark bis eher schwach. Ertrag sehr früh beginnend, regelmäßig. Robust gegen Schorf, Mehltau und Obstbaumkrebs, bezüglich Standort und Boden breit anbaufähig. Alle paar Jahre kann jedoch Monilia-Triebsterben auftreten (befallene Triebe jeweils umgehend wegschneiden), dennoch empfehlenswert. Die Sorte ist ihrerseits ein guter Befruchter auch für die anderen hier genannten Sorten.

Finkenwerder Prinz
Pflückreife Anfang Oktober, Genussreife bis Januar. Säuerlich-aromatische Frucht. Baumwuchs mittelstark, später in die Breite gehend und hängend. Ertrag früh beginnend, regelmäßig. Robust gegen Schorf, Mehltau und Obstbaumkrebs, bezüglich Standort und Boden breit anbaufähig. Die großen Früchte junger Bäume neigen auf dem Lager z.T. zu Gleosporium-Fruchtfäule – das verliert sich im Lauf der Jahre, wenn die Bäume älter und die Früchte kleiner (und dann lagerstabiler) werden. Die Sorte ist ihrerseits ein guter Befruchter auch für die anderen hier genannten Sorten.

Holsteiner Cox
Pflückreife Anfang Oktober, Genussreife bis Januar. Aromatische, an Cox Orange erinnernde Frucht. Baumwuchs stark, sehr in die Breite gehend. Ertrag mittelfrüh beginnend, etwas alternierend (d.h. gute und schwächere Ertragsjahre im Wechsel). Robust gegen Schorf, etwas anfällig für Mehltau, daher für kühle Lagen besser geeignet als für sehr warme Lagen; etwas anfällig auch für Obstbaumkrebs, daher staunasse oder extrem schwere Böden meiden (oder bei letzteren Sand und/oder Kompost zur Bodenlockerung einarbeiten). Bei Beachtung dieser Standort-Begrenzungen sehr empfehlenswert. Die Sorte kann von allen anderen hier genannten Sorten befruchtet werden, ist selbst jedoch ein schlechter Befruchter für andere Sorten!

Winterglockenapfel
Pflückreife Mitte bis Ende Oktober, Genussreife Dezember bis Mai! Säuerlich fruchtig schmeckende Frucht, die ihre gleichzeitige Süße erst ab Dezember/Januar zu entfalten beginnt und am besten erst dann schmeckt, wenn die Schale äußerlich schon etwas zu welken beginnt. Baumwuchs mittelstark bis stark, eher steil (später hängend). Ertrag mittelfrüh beginnend, relativ regelmäßig, z.t. alternierend zwischen besseren und schlechteren Ernten. Robust gegen Mehltau und Obstbaumkrebs. Etwas anfällig für Schorf – deshalb sollte auf eine gute Durchlüftung des Standorts geachtet werden, d.h der Baum bzw. Busch sollte frei stehen, nicht zu dicht neben Hecken oder Nachbarbäumen. Die Sorte ist ihrerseits ein guter Befruchter auch für die anderen hier genannten Sorten.

Weitere Informationen über die oben genannten Apfelsorten erhalten Sie hier.

Natürlich gibt es noch weitere, sehr empfehlenswerte Sorten (teilweise mit individuelleren Geschmackseigenschaften). Wir haben hier in erster Linie ein kleines Sortiment an “Klassikern” zusammengestellt, mit denen die meisten Gartenbesitzer am Ende zufrieden sein werden (was Geschmack, Ertrag und Robustheit der Pflanze betrifft).

Bei der Auswahl der Sorten haben wir auch berücksichtigt, dass diese Sorten in Baumschulen grundsätzlich noch erhältlich sind – keineswegs in jeder Baumschule, aber zumindest in guten Obstbaumschulen, die noch selber Bäume anziehen (und diese nicht nur zukaufen).

Befruchtung der Apfelbäume

Noch ein Wort zum Thema ‘Befruchtung’: Jeder Apfelbaum braucht, damit seine Blüten später auch befruchtet werden, eine zweite Apfelsorte. Sollten also in Ihrer direkten Nachbarschaft keine weiteren Apfelbäume (ggf. reichen auch Zieräpfel!) zu finden sein, empfiehlt es sich, mindestens 2 Sorten zu pflanzen. Die hier empfohlenen Sorten eignen sich – bis auf den Holsteiner Cox – alle als Befruchter für die jeweils anderen Sorten.

Autor: Hans Joachim Bannier

Hinweise zur Bekämpfung des Apfelwicklers (Cydia pomonella)

Der Apfelwickler ist unser ärgerlichste Gegenspieler im Apfelgarten. Wenn man wissen will, wie man die Zahl der madenbefallenen Äpfel verringern kann, sollte man zunächst den Lebenszyklus dieses auf Äpfel spezialisierten Insekts verstehen:

Der Lebenszyklus des Apfelwicklers

Erstes Schlüpfen der Apfelwickler-Falter im Mai

Der Apfelwickler ist ein ganz kleiner, unscheinbar brauner Schmetterling, den wir selten zu Gesicht bekommen, weil er nur nachts fliegt. Die Maden überwintern unter Rindenschuppen oder an anderen geschützten Stellen des Apfelbaumes. An den ersten warmen Tagen im Mai (bzw. den ersten warmen Nächten) schlüpfen die Falter und sind nach kurzer Zeit bereits geschlechtsreif.

Apfelwickler (Cydia pomonella) – Bildquelle
wikipedia (olei@despammed.com)

Paarung, Eiablage und Schlüpfen der Apfelwickler-Made
In den nächsten warmen Mai-Nächten paaren sich die Falter und ca. 8-10 Tage später – meist schon in der ersten Junihälfte – legen die Weibchen ihre Eier direkt auf die Äpfel ab (die zu diesem Zeitpunkt noch klein sind). Kurz darauf schlüpft die Made und bohrt sich in die Frucht, um die Kerne des Apfels zu fressen.

Junge Apfelwickler-Raupe – Bildquelle
wikipedia (Joachim K. Löckener)

Die Made sucht sich einen neuen Apfelbaum

Der Apfelbaum “bemerkt das” und wirft die befallene Frucht mitsamt der Made ab. Die Made ihrerseits verlässt die Frucht und sucht sich den nächsten Baumstamm, an dem sie emporkriecht und sich unter Rindenschuppen, Blättern, an Krebsststellen oder anderen lichtgeschützten Stellen verpuppt.

Schlüpfen der nächsten Generation von Apfelwicklerfaltern im Sommer

Nach ca. 6-8 Wochen – je nachdem, wie warm die Sommertage sind – schlüpfen die Falter erneut und eine zweite Generation an Faltern beginnt das Spiel von Neuem – mit dem Unterschied, dass wir jetzt schon in der Apfelernte sind und die kleinen Raupen uns jetzt richtig nerven, weil sie die schon fast reifen Äpfel befallen. Wieder wirft der Baum die Früchte vorzeitig ab und die Maden verlassen die Frucht, um sich irgendwo im Baum wieder ein geschütztes Plätzchen zu suchen, wo sie sich über den Winter verpuppen können. 

Ist die Apfelernte groß, fällt der Verlust nicht ins Gewicht. Allerdings können die Apfelwickler sich in dem Jahr mit reicher Ernte optimal vermehren und sind dann im Folgejahr – im Fall einer schwachen Ernte – umso gravierender.

Ausgewachsene Raupe des Apfelwickers – Bildquelle wikipedia (Peggy Greb)

Natürliche Gegenspieler des Apfelwicklers

Natürliche Gegenspieler wären Hühner unter den Bäumen – die fangen die Maden am Boden ab, bevor sie wieder am Stamm emporkriechen können.

Auch Fledermäuse sind – als Nachtjäger – unsere Helfer und sollten aktiv gefördert werden (z.B. durch offene Rückzugsräume in Scheunen oder Kellern oder durch Aufhängen von Fledermauskästen)

Und schließlich holen sich Blau- und Kohlmeisen hin und wieder auch eine Apfelwickler-Raupe aus der Borke.

Wellpappegürtel als aktive Gegenmaßnahme gegen den Apfelwickler

Als aktive Gegenmaßnahme im Hausgarten kommt in erster Linie das Anlegen von Wellpappegürteln um den Stamm des Baumes in Betracht. Dazu kann man einfach alte Kartonagen zerschneiden und diese – die Röhren am besten in senkrechter Ausrichtung – um den Stamm wickeln und mit Bindfaden locker anbinden.

Die ersten Raupen, die im Juni mit den herabfallenden kleinen Früchten auf den Boden fielen und nun am Stamm emporkriechen, freuen sich über das dunkle Versteck zwischen Pappe und Stamm (oder womöglich auch in den Röhren der Wellpappe!) und verpuppen sich dort.

Die Wellpappegürtel müssen allerdings jetzt alle 4-5 Wochen einmal vorsichtig abgenommen und auf die (ca. 8mm langen und 1-2 mm dicken) Maden kontrolliert werden (ggf. auch den Pappgürtel als Ganzes verbrennen!). Nicht erschrecken – unter den Pappgürteln haben sich in den 4-5 Wochen auch diverse andere Bewohner eingerichtet, die wir jetzt einfach freilassen (Ohrwürmer, Spinnen u.a.). Anschließend wieder einen neuen Pappgürtel anbringen – und das alle 4-5 Wochen bis zum Ende der Ernte!

Wellpappegürtel gegen den Apfelwickler sind besonders bei großen Bäumen lohnend

“Rationell” ist die Sache mit den Wellpappegürteln vor allem bei alten Bäumen mit großer Kronenausdehnung, denn die Maden, die hier aus dem gesamten Kronenbereich mit den Früchten herabfallen, kriechen alle am selben Stamm empor. Bei großen alten Apfelbäumen kann man hier schon mal 50 Maden im Pappgürtel finden, während in einem Obstgarten mit vielen jungen kleinen Bäumen an jedem Stamm jeweils nur wenige Maden zusammenkommen.
Die meisten Maden wird man in der Regel im Juni (erste Generation) und dann wieder im August (zweite Generation) fangen, aber je nach dem Witterungsverlauf des Sommers können sich die Grenzen zwischen erster und zweiter Generation des Apfelwicklers auch verwischen, weshalb man die Wellpappegürtel den ganzen Sommer anbringen sollte.

Erreichen kann man damit eine gewisse Reduzierung des Madenbefalls (“jede Made = mindestens ein Apfel”), aber keine hundertprozentige Bekämpfung der Apfelmade. Denn die befruchteten Weibchen können auch vom Nachbargarten zufliegen und ihre Eier auf unseren Äpfeln ablegen. Die Sache mit den Wellpappegürteln funktioniert also umso besser, je mehr Nachbarn wir davon überzeugen, bei ihren Apfelbäumen ebenfalls die Gürtel anzulegen!

Auch wenn in diesem Jahr der Juni vorbei ist (und damit zumindest ein Teil der ersten Wickler-Generation schon gelaufen), kann man dennoch mit den Wellpappegürteln beginnen, um wenigstens die Maden der 2. Generation zu erwischen (was sich dann zum nächsten Jahr auswirkt!).

Pheromonfallen als weitere Maßnahme gegen den Apfelwickler

Zusätzlich kann man auch – von Mitte Mai bis zur Ernte – sog. Pheromonfallen aufhängen, die aus einem kleinen (heute meist Plastik-)Häuschen bestehen, das mit einer Lockstoff-Tablette (mit dem weiblichen Sexuallockstoff des Apfelwicklers) und einer Leimtafel ausgestattet ist. Mit dieser werden ab den ersten warmen Mai-Nächten die paarungswilligen Apfelwickler-Männchen angelockt und gefangen.

Pheromonfalle gegen den Apfelwickler – Bildquelle wikipedia (Slaunger)

Aber auch diese Methode kann nicht verhindern, dass befruchtete Weibchen aus Nachbars Garten zufliegen können. Daher gilt auch hier: Je mehr Nachbarn mitmachen, desto wirksamer wird die Maßnahme!

Für große Niederstamm-Obstwiesen gibt es auch Lockstoff-Tabletten gegen Apfelwickler

Bei uns im Obst-Arboretum ergreifen wir andere Maßnahmen, wie z.B. die sog. “Verwirrung”: Dazu hängen wir in der gesamten Obstanlage alle 4 Meter eine Lockstoff-Tablette in unsere Bäume, was zu einem weitestgehend flächendeckenden ‘Duftteppich’ führt, in dem die Apfelwickler-Männchen – vor lauter “Weibchen-Geruch” – die echten Weibchen nicht mehr finden und infolgedessen auch keine Begattung stattfindet.

In einer großen Obstanlage erreicht man damit einen hohen Wirkungsgrad. Auf den Hausgarten kann man diese Methode jedoch nicht einfach übertragen, da auch sie – wegen eines möglichen Zuflugs befruchteter Weibchen aus der Nachbarschaft – nur in großen Apfelanlagen wirklich wirksam ist. Gegen den Apfelwickler aktiv zu werden. ist jedoch auch im Hausgarten die wichtigste Maßnahme, um Ernteverluste im Rahmen zu halten.

Die RAK-3-Tabletten zum freien Aufhängen gibt es u.a. bei der Fa. Biofa, Münsingen (produziert werden sie m.W. von BASF).

Für Hochstammflächen sind die aber kaum richtig anzuwenden, denn bei der Verwirrung brauchen sie einen flächendeckenden “Duftteppich”, dazu müssen die Kapseln alle 4 Meter hängen. Das ist bei Hochstämmen kaum machbar. Die Verwirrung mache ich nur in meiner Buschanlage (auf M7-Unterlagen, die haben wir auf 4 Meter Abstand gepflanzt.

Spritzung mit Granulosevirus bei Apfelwicklerbefall an Hochstammflächen

Bei den Hochstammflächen hängen wir Fallen auf zur Kontrolle des Falterflugs und machen dann – jeweils 8-10 Tage nach den Flughöhepunkten – eine Spritzung mit Granulosevirus. Anders als die “Intensiv-Bio”-Obstbauern machen wir diese Spritzung allerdings nur 1-2 (maximal 3x) pro Jahr, in der Regel in der ersten Junihälfte, d.h. in der ersten Faltergeneration. Später zur Erntezeit (in der 2. Faltergeneration) machen wir das nicht mehr.
Bei Altbäumen ist das Abfangen der Maden mittels Pappgürteln (oder die Hühnerhaltung) durchaus eine Alternative, wenn auch nur mit begrenzter Wirkung.

Autor: Hans-Joachim Bannier

Die Blausiebmade kann bei jungen Obstbäumen großen Schaden anrichten

Stammaushöhlung bei Jungbäumen durch die Blausieb-Made

Ich traute meinen Augen nicht, als ich den Schaden bei einem jungen Apfelbaum sah. Gleich in Verdacht hatte ich eigentlich den Specht. Trotzdem hatte ich Zweifel, wer denn nun wirklich der Übeltäter war. Den Stamm sägte ich ab und schickte einen Teil davon zu Hans Joachim Bannier. Folgende Antwort erhielt ich:

“Bei dem ausgehöhlten Stammstück, das Sie mir geschickt haben, handelt es sich um die Blausieb-Made. Die kommt normalerweise selten vor, geht aber dort, wo sie auftritt, auch in gesunde Stämme, bohrt sich dort irgendwo von der Seite ein und geht dann im inneren Kern des Stammes oder Astes aufwärts. An der Einbohrstelle ist dann meistens ein relativ grobes Bohrmehl zu sehen.
Wenn Sie so etwas mal beim Bäumeschneiden im Frühjahr entdecken und die Made ist noch aktiv, gehen sie mit einem langen Apfel-Reis (oder einer Weidenrute) in das Bohrloch hinein und schieben das Reis so weit hinein, bis sie irgendwann fühlen, dass Sie jetzt die Made zermatschen (das fühlt man dann und hört es meistens auch…).”

Hier noch ein Bild des Blausieb-Falter: eigentlich ein ganz hübscher Kerl, der aber so viel Schaden an jungen Obstbaumstämmen anrichten kann:

Blausieb (Zeuzera pyrina) – Bildquelle wikipedia (olei@despammed.com)

von Hans Joachim Bannier:

Durch den Klimawandel eine um zwei Wochen frühere Apfelblüte

In den Jahrzehnten vor 1990 lag der Beginn der Apfelblüte hierzulande erst im Mai. Aufgrund des Klimawandels ist der durchschnittliche Beginn der Apfelblüte in Deutschland inzwischen um gut 2 Wochen nach vorne gerückt. Das erhöht die Gefahr von Nachtfrösten in der Blüte. Am heftigsten haben die Obstbauern in ganz Mittel- und Westeuropa das im Frühjahr 1990 erfahren müssen: Aufgrund des viel zu warmen Winters blühten seinerzeit die Apfelbäume schon in der ersten Aprilhälfte; ausgerechnet da kamen dann die ersten Fröste des Jahres. In der Folge hatten wir 1990 die höchsten Apfelpreise aller Zeiten (konventionelle Äpfel 7.- DM/kg auf den Wochenmärkten der Städte).

Frostschäden: der gewerbliche Niederstammanbau ist am stärksten betroffen

Für die Obsthöfe in Deutschland, die Tafelobst für die Supermärkte produzieren, kommt erschwerend hinzu, dass die meisten der modernen Apfelsorten sogenannte Frühblüher sind, d.h. im Reigen der Apfelsorten gehören sie zu denen, die zuerst aufblühen. Und auf den heute im Erwerbsobstbau verwendeten schwach wachsenden Wurzelunterlagen blühen die Apfelsorten noch mal ein paar Tage eher als auf den Hochstämmen, auf denen früher Apfelsorten angebaut wurden. Die bodennahe Ernte auf den Apfelbüschen heutiger Tage ist zwar einerseits wirtschaftlicher als die Hochstamm-Ernte, andererseits treffen Blütenfröste die Blüte des Niederstammobstes eben auch stärker, da sich die Frostluft am Boden sammelt.

Die großen Obsthöfe haben daher inzwischen zumeist eine aufwändige Frostschutzberegnung installiert. Bei Luftfrost werden die Blüten dann beregnet und in einen Eispanzer gepackt, in dem sie bei -1° C besser überleben können als bei -5° Luftfrost.

Sortenvielfalt als Strategie gegen Blütenfröste

Obstbauern früherer Zeiten hatten i.d.R. eine andere Strategie, sich gegen Blütenfröste zu schützen: Sortenvielfalt!
Unter den Apfelsorten früherer Zeiten gab es eine größere Anzahl ausgewiesener Spätblüher (bekannt z.B. Rote Sternrenette oder Rheinischer Winterrambur). So hat in typischen Blütenfrostjahren immer wenigstens ein Teil der Bäume getragen und die Bauern vor einem Totalverlust bewahrt. Interessanterweise sind gerade viele sog. Lokal- oder Regionalsorten ausgesprochene Spätblüher und waren deshalb beliebt, selbst wenn es z.T. eher Wirtschaftsäpfel für die Küche waren und keine erstklassigen Tafeläpfel (in Westfalen z.B. Westfälischer Gülderling, Schöner aus Wiedenbrück, Gelber Münsterländer Borsdorfer; im Rheinland z.B. Tulpenapfel, Schöner aus Elmpt, Grünapfel, Luxemburger Triumph).

Streuung der Blütezeit durch Auswahl verschiedener Standorte

Auch durch die Auswahl verschiedener Standorte (Südhang-, Nordhanglage) hat man – wo das möglich war – versucht, eine gewisse Streuung der Blütezeiten zu erreichen. Nordhänge galten früher (weil später blühend) als die besten Standorte für den Obstbau und viele Nordhänge der Mittelgebirge waren typische Obstbaustandorte (z.B. im Nordharz bei Blankenburg/Quedlinburg; an den Fahnerschen Höhen nordwestlich von Erfurt; an der Frankenhöhe bei Burgbernheim/Mittelfranken).

Der moderne Obstbau hat technisch aufgerüstet und meint daher, Biodiversität und Standortfaktoren nicht mehr berücksichtigen zu müssen. Ab -7° bis -8° C hilft dann allerdings auch die Frostschutzberegnung nicht mehr, wie 2017 einige Betriebe in Süddeutschland bitter erfahren mussten. Das Obst-Institut in Weinsberg (Baden-Württemberg) hat in der Folge damit begonnen, besonders spät blühende alte Apfelsorten in ihr Zuchtprogramm zur Entwicklung neuer Apfelsorten aufzunehmen.

Die Erhaltung von Biodiversität bei Apfelsorten ist elementar wichtig

Was wäre, wenn es diese spätblühenden alten Sorten gar nicht mehr gäbe, nachdem alle Obstbau-Institute uns von 1960 bis heute weisgemacht haben, dass wir den “alten Klump” nicht mehr brauchen (und der Staat den Hochstammobstbau zum Auslaufmodell erklärte und in den 1970er Jahren Rodeprämien zum Roden der Hochstammbäume bezahlte)?

Das Beispiel mag deutlich machen, dass die Erhaltung der Biodiversität bei Apfelsorten – wie bei allen landwirtschaftlichen Kulturpflanzen – von elementarer Wichtigkeit ist, um auf Umweltveränderungen reagieren zu können. Inzwischen gibt es in Deutschland einige Dutzend Arche-Höfe für alte Obstsorten, an denen (so wie hier am Obstarboretum Olderdissen) traditionelle Sorten in größerem Umfang erhalten werden. Spezielle Förderprogramme zur Erhaltung genetischer Vielfalt sind in den letzten Jahren zwar in der politischen Diskussion gewesen, jedoch leider im Sand der politischen Umsetzung in den Bundesländern immer wieder abgeblockt worden.

 

von Hans Joachim Bannier:

Frühere Ernten durch Klimaerwärmung

Seit 1990 beobachten wir eine durchschnittliche Verfrühung der Obstblüte um circa 2 Wochen gegenüber der zuvor als “normal” angesehenen Blütezeit unserer Obstsorten, desgleichen auch eine Verfrühung der Ernte-Termine (je nach Sorte) um rund 1-3 Wochen. Inzwischen ist in Bielefeld der Termin der Apfelblüte “normalerweise” schon in den letzten 10 Tagen des April, während in den Jahrzehnten vor 1990 die durchschnittliche Apfelblüte grundsätzlich erst im Mai erfolgte.

Mag man einen besonders heißen Sommer oder das Auftreten heftiger Stürme auch noch für eine mehr oder weniger zufällige Wetterschwankung betrachten, so ist das jahreszeitliche “Nach-vorne-Rücken” der Obstblüte und der Obsternte im Zeitraum der letzten 30 Jahre ein zuverlässiger Gradmesser für die klimatische Verschiebung, die auch in Mitteleuropa still und leise vonstatten geht.

Dass man beispielsweise einen “Boskoop” vor Mitte Oktober erntet, war in meiner Kindheit undenkbar, und auch in den obstbaulichen Büchern früherer Zeiten ist die Boskoop-Ernte frühestens Mitte Oktober beschrieben. Ähnlich ist es mit vielen anderen Sorten, die wir – in den letzten Jahren immer häufiger – mindestens 2 Wochen vor der üblichen Zeit der Pflückreife ernten müssen.

Häufige Trockenperioden

Auch das Auftreten von 7 Jahren mit extrem langer Trockenheit im Frühjahr und Sommer seit 2003 (2003, 2006, 2015, 2016, 2018, 2019 und auch jetzt im beginnenden Frühjahr 2020) kann man nun keineswegs mehr als zufällige Schwankung betrachten. Fünf dieser 6 Jahre mit (zu) trockenem Frühjahr und Sommer hatten wir seit 2015! In die gleiche Zeit fallen auch die immer häufiger zu beobachtenden Sonnenbrandschäden auf Äpfeln, hier in Bielefeld das erste Mal 2006 aufgetreten sind.

Gleich zwei zu trockene Jahre hintereinander, bei denen sich die Böden auch im Winter dazwischen nicht ausreichend mit Wasser füllen konnten, sind dann auch für jeden Wald und jede Obstwiese zu viel. Wer einmal mit dem PKW auf der A44 richtung Kassel unterwegs war und bei Warburg einen Kilometer lang durch tote Wälder fuhr, mag erahnen, was unseren Wäldern momentan bevorsteht. An den Hängen der Werra (und anderswo) sterben auch reihenweise Buchen ab, und südwestlich von Paderborn sah ich kürzlich einen kompletten vertrockneten Eichenwald (rings herum Ackerland). In Brandenburg und Sachsen-Anhalt vertrocknen bereits ganze Obstwiesen.  

Wir müssen versuchen, den Klimawandel aufzuhalten

Dabei sind sich alle Beteiligten im Obstbau bewusst, dass man die Ursachen der gegenwärtigen Witterungs-Entwicklung nicht wirklich obstbaulich lösen kann. Und wenn einige Obstbauern ihre Obstanlagen inzwischen komplett in Plastik-Gewächshäuser einhausen und bewässern, ist das schließlich auch nicht die Landschaft, die wir uns für die Zukunft wünschen!

Von daher kann man über die gegenwärtig (endlich) angestoßene “Klimastreik”-Bewegung grundsätzlich nur froh sein – man kann ihr nur den nötigen langen Atem wünschen (und auch hoffen, dass sie das Problem in allen Facetten betrachten wird…).

von Hans Joachim Bannier:

In den letzten Wochen werden wir häufiger von Gartenbesitzern nach einer Sortenempfehlung für Apfelbäume für den Haus- oder Kleingarten gefragt. Dort ist meist nicht allzu viel Platz, so dass man sich auf wenige gute Sorten beschränken muss. Sofern kein großer Baum als späterer Schattenspender gewünscht ist, sollen die zu pflanzenden Bäume in den meisten Fällen nicht allzu riesig werden und es soll auch nicht 7-10 Jahre dauern, bis die Bäume richtig in den Ertrag kommen. Meist ist allenfalls für 3-4 Bäume Platz, manchmal auch nur für 1-2 Bäume.

Weniger Pflanzenschutzmaßnahmen im Hausgarten und auf der Streuobstwiese

Im Gegensatz zum Erwerbsobstbau, bei dem die Obstgehölze intensivem Pflanzenschutz sowie regelmäßiger Düngung und Bewässerung unterworfen sind, sollten Obstbäume in Streuobstwiesen und Hausgärten robust sein und auch noch bei minimaler Pflege gedeihen. Denn Pflanzenschutzmaßnahmen sind hier inzwischen die große Ausnahme.

Die gängigen Apfelsorten aus dem Supermarkt sind für den Eigenanbau ungeeignet

Diejenigen Sorten, die man als Konsument heute im Supermarkt kaufen kann, sind dafür jedoch überwiegend ungeeignet. Sorten wie Gala, Elstar, Rubinette, Jonagold oder Pink Lady sind stark anfällig für Apfelschorf, Mehltau und andere Pilzkrankheiten und liefern je nach dem Verlauf des Frühjahrs- und Sommerwetters oft fleckige oder nur kleine Früchte.

Während auf der Obstwiese vor allem stark wüchsige und bezüglich klimatischer und Bodenverhältnisse anpassungsfähige Sorten gepflanzt werden und nicht nur Tafeläpfel zum Frischverzehr, sondern häufig auch Wirtschafts- und Mostäpfel zum Zuge kommen, wünschen sich die meisten Gartenbesitzer vor allem schmackhafte Sorten für den Direktverzehr, deren Bäume nicht zu groß werden und die früh in den Ertrag kommen.

Baumgröße, Platzbedarf und Ertragsbeginn hängen hauptsächlich durch die Wurzelunterlage bestimmt

Die Größe eines Obstbaumes hängt nicht nur von der gepflanzten Sorte ab, sondern auch von der Wurzelunterlage, auf der er veredelt wurde. Für den Haus- und Kleingarten empfehlen sich dafür sog. ‘mittelstarke’ Unterlagen, die heute in den Baumschulen mit Kürzeln bezeichnet werden. Bei Äpfeln wären das die Unterlagen M7, MM106 und M25. Sie haben einen Platzbedarf von 4-6 Metern.

Die Wurzel-Unterlage M9 ist eigentlich ungeeignet für Apfelbäume in Hausgärten

Wenn man heute in Baumschulen sagt, man wolle unbedingt einen kleinen Baum haben, werden heute gern auch Apfelbüsche auf der sehr schwachen Wurzelunterlage M9 verkauft. Auf dieser Wurzel veredelt bleiben die Gehölze zwar tatsächlich noch mal kleiner, allerdings ist diese Wurzel auch nicht standfest. Nach ein paar Jahren, wenn der Busch mal voller Äpfel hängt, kann der Busch unter der Last der eigenen Früchte umfallen (sofern er keinen Stützpfahl mehr hat).

Auch wenn Wühlmäuse an den Wurzeln dieser schwachen Unterlage fressen, hat die M9-Unterlage oft nicht die Kraft, sich wieder zu erneuern. Und schließlich wurzelt die M9 auch nur flach und reagiert daher wesentlich schneller auf Trockenheit, muss also in Jahren wie 2018/19 regelmäßig gewässert werden.

Auch wenn die Sorten auf der M9-Unterlage noch schneller tragen als auf den mittel starken Wurzelunterlagen, empfehlen wir die letzteren, da sie deutlich robuster (und in der Regel auch standfest) sind. Je nach aufveredelter Sorte beginnen die auf mittel starken Unterlagen veredelten Büsche/Halbstämme in der Regel nach etwa 3-6 Jahren die ersten Früchte zu tragen.

Für große Apfelbäume werden Sämlings-Unterlagen benötigt

Wer dagegen später gern einen größeren Baum haben möchte (als Halbstamm oder Hochstamm und nicht als Busch), der später auch als Schattenspender dient, muss darauf achten, dass die gewünschte Sorte auf einer sogenannten ‘Sämlingsunterlage’ veredelt wurde. Diese stark wüchsigen Apfelbäume kommen erst nach 5-8 Jahren in den Ertrag kommen und benötigen Pflanzabstände von 8-10, bei manchen Sorten sogar bis 12 Metern. 

Beim Baumkauf nach der Wurzelunterlage fragen, Angaben wie “Busch”, “Halbstamm” oder “Hochstamm” reichen nicht

In guten Obstbaumschulen ist auf dem Etikett neben der Sorte immer auch die verwendete Wurzelunterlage vermerkt. Beim Baumverkauf in Baumärkten, Gartencentern oder über das Internet fehlt diese Angabe häufig und man kann bezüglich der Baumgröße Überraschungen erleben (in der einen oder in der anderen Richtung).

von Hans Joachim Bannier:

Bei dafür anfälligen Sorten kann eine Obstbaumkrebswunde an einem Apfeltrieb auch mal dazu führen kann, dass der Trieb an der betroffenen Stelle abgeschnürt wird und – womöglich mitten im Sommer – abstirbt. Auf den ersten Blick kann das zu ähnlich eintrocknenden Trieben wie bei Monilia führen.

Meist ist in diesem Fall jedoch – an der Grenze vom gesunden zum kranken Holz – eine klar abgegrenzte Rindennekrose zu erkennen, die – wenn man mit dem Messer die Grenzzone zwischen krankem und gesundem Holz anschneidet – von eher schwarzbrauner Färbung ist (Monilia: eher mittelbraun) und außerdem zum gesunden Holz klar abgegrenzt ist (Monilia: meist braune Längsbahnen, die in der Kambiumschicht unter der Rinde auch bis ins gesunde Holz hineinlaufen).

 

Von Hans Joachim Bannier:

Verwechslung mit ‘Feuerbrand’? Wer in der Literatur oder im Internet nach Infos sucht, um welche Krankheit es sich bei dem aktuellen Triebsterben handeln könnte, stößt meist auch auf die im Obstbau gefürchtete Bakteriose Feuerbrand. Diese kann ein ähnliches Absterben der Obstbaumtriebe hervorrufen, das manchmal mit rasender Geschwindigkeit – meist an heißen Tagen – voranschreitet und auch stärkere Astpartien zum Absterben bringen kann.

Feuerbrand tritt jedoch bisher vor allem in Süddeutschland auf (Baden-Württemberg, Südhessen). Tritt tatsächlich einmal Feuerbrand auf, sind in der Regel die Quitten- und Birnbäume sowie der Weißdorn am stärksten betroffen, erst an zweiter Stelle auch die Apfelbäume. Im Falle von Feuerbrand gilt der Grundsatz: Befallene Triebe SOFORT bis ins gesunde Holz zurückschneiden und das Schnittholz anschließend verbrennen (oder komplett mit Erde abdecken).

von Hans Joachim Bannier:

Es erreichen uns viele Anfragen von Apfelbaum-BesitzerInnen: “Was ist nur mit unserem Apfelbaum los, ganze Zweige sterben ab !”.

Aufgrund der Witterungsbedingungen dieses Frühjahrs haben wir es in der Tat in diesem Jahr bei den Apfelbäumen mit einer Krankheit zu tun, die den Apfelbaum normalerweise nur selten befällt und die wir eher von Sauerkirschen (und dort insbesondere von der ‘Schattenmorelle’) kennen: Triebinfektionen mit dem Monilia-Pilz.

Dieser kann unter bestimmten (feucht-warmen) Witterungsbedingungen durch die Blüte (und anscheinend auch über Blattknospen) eindringen und bringt dann – von der Triebspitze her – innerhalb weniger Tage ganze Triebe zum Absterben – das dadurch eintrocknende Laub fällt aber nicht ab, sondern bleibt an den Trieben hängen. An der Trennstelle vom abgestorbenen zum noch gesunden Holz des Zweiges kann man – wenn man hier einmal die Rinde ins gesunde Holz hinein abschält – oft noch braun gewordene Leitbahnen erkennen (eine Handbreit bis ins äußerlich noch gesund aussehende Holz.

Die Krankheit tritt besonders an warmen Standorten auf, daher auch bevorzugt in Stadtgärten, sowie an Standorten, die aufgrund von umgebenden Hecken, Bäumen oder Häusern schlecht durchlüftet sind. Normalerweise tritt Monilia bei Apfelbäumen in unserer Region nur alle 5-10 Jahre mal auf; unklar ist allerdings, ob die Häufigkeit ihres Auftretens beim derzeitigen Klimawandel womöglich zunehmen wird.

Einige Apfelsorten sind besonders anfällig für Monilia

Offenbar gibt es bei Apfelbäumen auch eine sortenspezifische Anfälligkeit für Monilia. Nach unseren bisherigen Beobachtungen sind besonders stark betroffen die Sorten

  • Prinz Albrecht von Preußen,
  • Alkmene (leider, weil ansonsten für Streuobst empfehlenswert!),
  • Dülmener Rosenapfel,
  • Elstar,
  • Jamba,
  • James Grieve,
  • Berlepsch,
  • Ingrid Marie,
  • evtl. auch Ontario.

Anmerkung von Rolf Meyer: Bei der Sorte Prinz Albrecht von Preußen hängen die Äpfel sehr eng nebeneinander, was den Luftaustausch behindert und Monilia begünstigt. Durch ein frühes Ausdünnen der Früchte könnte die Pilzinfektion auf ein tolerierbares Maß zurückgedrängt werden. Ausdünnen von Hand ist allerdings sehr aufwändig.

Die Spitzendürre kann auch an Süßkirsch- und Pflaumenbäumen auftreten

Übrigens kann Monilia-Zweigsterben unter bestimmten Witterungsbedingungen auch mal an Süßkirsch- und Pflaumenbäumen auftreten – auch dort je nach Sorte unterschiedlich stark. Anfang der 2000er Jahre hat es z.B. im Kirschanbaugebiet Witzenhausen (zwischen Kassel und Göttingen) einen extremen Moniliabefall an Süßkirschen gegeben, mit meterlangen Trockenschäden bis in den Starkastbereich hinein (in diesem Ausmaß aber seither nicht wieder).

Was tun gegen Monilia?

Als Sofortmaßnahme ist dasselbe zum empfehlen wie bei anderen Krankheiten, die zum Absterben von Trieben führen können: Alle befallenen Zweige möglichst umgehend zurückschneiden, sobald ein Absterben erkennbar ist – wenn möglich ein Stück weit ins gesunde Holz hinein (nicht praktikabel, falls ein befallener Trieb direkt in einen Hauptast des Baumes mündet). Das Schnittgut decke man im Garten mit Erde ab oder entsorge es über die Bio- oder Mülltonne. Generell auch auf eine gute Durchlüftung des Standortes achten, sowie auf eine gute Durchlüftung des Baumes selbst (Auslichtungsschnitt).

Die Spitzendürre muss nicht jedes Jahr auftreten

Wichtig: Das starke Auftreten von Monilia in diesem Jahr bedeutet keineswegs, dass die Krankheit nun jedes Jahr kommt. Über das Auftreten oder Nicht-Auftreten der Monilia entscheidet jeweils die Witterung des jeweiligen Frühjahrs (daher nicht in Panik verfallen und gleich den gesamten Baum roden…)! . Der Rückschnitt des aktuellen Befalls hilft allerdings, das Risiko weiterer Infektionen etwas herabzusetzen.

Sortenempfehlungen nach Monilia ausrichten?

Da die Monilia an Apfelbäumen bisher nur relativ selten in dieser Heftigkeit auftritt, wäre es verfrüht, Sortenempfehlungen für Streuobst jetzt gleich neu auszurichten. Die Hauptkrankheiten im Apfelanbau sind Apfelschorf, Obstbaumkrebs und Mehltau. Sorten (wie z.B. Alkmene oder Prinz Albrecht von Preußen), die gegen dieses drei Pilzkrankheiten robust sind, sind daher nach wie vor empfehlenswert.

 

von Hans Joachim Bannier, mit Hinzufügungen von Rolf Meyer

Baumschulen und Reisermuttergärten

Seltene Obstsorten, vor allem Apfelsorten sind in guten Obstbaumschulen grundsätzlich noch beziehbar. Zumindest haben die Baumschulen die Möglichkeit, Reiser dieser Sorten aus dem Reisermuttergarten in Bonn (www.obstreisergarten.de) zu beziehen.

Sortenerhaltungs-Netzwerk des Pomologen-Vereins

Bei seltenen Apfelsorten, die im Reisermuttergarten nicht vorgehalten werden, gibt es die Möglichkeit, Reiser über das private Sortenerhaltungs-Netzwerk des Pomologen-Vereins zu beziehen. Aus welcher privaten Sortensammlung welche Sorte bezogen werden kann, ist auf der Internet-Adresse www.obstsortenerhalt.de in Erfahrung zu bringen.

Bezug von Edelreisern aus den Beständen der BSOWV-Sortengärten

Der Bergische Streuobstwiesenverein hat in seinen drei Sortengärten Zugriff auf ca. 140 Apfelsorten, viele von Ihnen gelten als historisch oder selten vorkommend. Anfragen an Hartmut Brückner oder Rolf Meyer (siehe Impressum)

Hinweise auf weitere Infos   

  • Buch “Alte Obstsorten – für Westfalen und Lippe neu entdeckt”: Für alle, die mehr wissen wollen: Ein kompakter Ratgeber „einfachem“, aber solidem Obstbauwissen über Sortenwahl, Pflanzung und Pflege von Obstbäumen für Streuobstwiesen sowie für den Haus- und Kleingarten. Mit einem umfangreichen Anhang regionaler Adressen. Beziehbar über die Biologische Station im Kreis Herford.
  • Buch “Lokale und regionale Obstsorten im Rheinland – neu entdeckt”: zu beziehen über die Biologische Station Mittlere Wupper, Solingen

Hans Joachim Bannier/Rolf Meyer

von Hans Joachim Bannier:

Schädigungen durch extreme Sonneneinwirkung

Braune Flecken auf Äpfeln durch Sonnenbrand, © H. J. Bannier 

 

Die heißen Tage in der letzten Obstsaison haben uns extreme Sonnenbrandschäden auf den Früchten beschert, d.h. die auf der Sonnenseite der Bäume hängenden Früchte heizen durch die Sonneneinstrahlung so stark auf, dass die Oberfläche mehr als 55°C. heiß wird und die Zellen zu “schmelzen” beginnen, so wie das auf dem beigefügten Foto zu sehen ist.

Sonnenbrandschäden auf Obst als neues Phänomen

Das Phänomen der Sonnenbrandschäden ist in der Geschichte des Obstanbaus völlig neu. Vergleichbar massive Schäden sind in der obstbaulichen Literatur der letzten 200 Jahre niemals beschrieben worden (und so akribisch, wie die alten Obstbaubücher alle biologischen und physikalischen Probleme des Obstbaus akribisch beschrieben haben, hätte man auch Sonnenbrandschäden als obstbauliches Problem nicht unerwähnt gelassen!). Einzelne heiße Tage über 30°C hat es im 19. Jh. in Deutschland auch schon gegeben, ohne dass das die heute sichtbaren Schäden zur Folge hatte. Und auch heute gibt es einzelne heiße Tage, die keine Schäden an Äpfeln verursachen, während an anderen Tagen plötzlich starke Schäden zu beobachten sind. Das lässt vermuten, dass neben der Temperatur auch noch andere Faktoren – wie die (durch diverse Abgas-Emissionen) zum Teil “löchrige” Ozonschicht der Erde – die Sonnenbrandschäden begünstigen.

Hitzeschäden beim Obst sind kein singuläres Ereignis mehr

Die ersten starken Sonnenbrandschäden auf Äpfeln habe ich an einem Wochenende im Juli 2006 beobachtet; seither ist es durchschnittlich fast jedes zweite Jahr, in dem wir solche Schäden beobachten können. Besonders schlimm war es in der letzten Augustwoche 2015, aber auch im Jahr 2019 hatten wir wieder massive Schäden.

Das Aufbringen von Kaolin-Gesteinsmehl ist nur ein symptomatischer, kein ursächlicher Ansatz

In den großen Obsthöfen in Deutschland wird inzwischen regelmäßig Kaolin auf die Früchte gespritzt, ein helles Gesteinsmehl, das die Sonneneinstrahlung reflektiert und somit die Oberfläche der Früchte nicht so heiß werden lässt.

Die Ursache: der Klimawandel

Will man nicht nur Symptome kurieren, sondern die Ursachen dieser Veränderungen angehen, sind wir mitten in Fragen des Klimawandels und damit mitten in der Politik, aber auch mitten in der Frage, wie wir eigentlich leben und wie viele Ressourcen wir – besonders in den Industrienationen – eigentlich meinen verbrauchen zu können.

Wir Menschen sind Verdrängungskünstler: Solange wir die Folgen unserer Handlungen nicht direkt wahrnehmen oder am eigenen Leib zu spüren bekommen, verdrängen wir sie.

Neben vielen anderen Ursachen ist z.B. auch der Flugverkehr mit seinen Abgasen am menschengemachten Klimawandel beteiligt – nach Berechnungen von Wissenschaftlern mit etwa 3%. Könnten wir täglich sehen, wieviele Flugzeuge am Tag über unsere Köpfe hinwegfliegen (z.B. wenn sich die Kondensstreifen nicht auflösen würden), würden wir vielleicht erschrecken.

Wie genau der Flugverkehr – mit seinen in großer Höhe in die Atmosphäre verbrachten Kerosinabgasen – sich auf Klimawandel und Ozonschicht auswirkt, können Wissenschaftler heute nur anhand von Rechenmodellen vermuten. Genau wissen tun wir das nicht – ein weltumspannender Großversuch sozusagen (nicht der einzige im Zeitalter der Industrialisierung) mit offenem Ausgang.

Der Flugverkehr ist auch nur ein Beispiel von vielen, die sowohl für Versäumnisse in der Politik stehen (warum wird Autobenzin besteuert und Flugbenzin nicht?) als auch die menschliche Verdrängungskunst, was die Diskrepanz zwischen ‘Wissen’ und ‘Handeln’ betrifft.

Mit den Sonnenbrandschäden an Äpfeln (und auch anderen Kulturpflanzen) bekommen wir die Veränderungen des Weltklimas heute jedenfalls direkt in den Garten…

Copyright: Hans Joachim Bannier/Rolf Meyer

 

 

Autor: Rolf Meyer –

Verfahren:

  • Aushebung eines 70 cm tiefen Loches im Boden mittels einer am Traktor angebrachten Grabschraube, Durchmesser 50, besser aber 100 cm. 
  • 3 Pfähle,
  • Umhüllung mit verzinktem Maschendraht 150 cm hoch, 70 cm tief eingesetzt, nach unten hin offen,
  • Pflanzloch mit Erde wieder aufgefüllt, dann Baum gesetzt (Veredelungsstelle 10 cm über dem Boden).

Durchführung: Gartenbau/Baumschule Plückebaum, Remscheid

 

 

Im Streuobst-Sortengarten in Remscheid-Reinshagen gibt es ein Brachland-Areal, dass nur 1 x pro Jahr im Herbst gemäht wird. Dort können sich Wildblumen ungestört ausbreiten. Und hier haben dann auch die Wildschweine besonders stark gewütet.

von Hans Joachim Bannier:

Warum trägt mein Apfelbaum nicht?

Wir bekommen immer wieder Nachfragen von Apfelbaumbesitzern mit der Beschwerde, der vor einigen Jahren gepflanzte Apfelbaum trage nicht. Oft steht schon die Überlegung im Raum, den Baum wieder roden zu lassen, da er nicht trägt.

Bevor man zu diesem letzten Mittel greift, sollte man allerdings das ABC vom “richtigen” Baumalter sowie von Blüte und Befruchtung studieren:

1. Hochstämmige Obstbäume (auf starkwüchsigen Wurzeln veredelt) benötigen immer einige Jahre, bis sie richtig zu tragen beginnen. Je nach Sorte können das 5-10 Jahre sein, in denen der Baum erst einmal nur ‘Holz’ macht, d.h. seine Krone aufbaut, ohne viel zu blühen. Dafür können solche Bäume später 60-100 Jahre alt werden. Obstbüsche auf schwach wachsenden Wurzeln veredelt können dagegen früher mit dem Ertrag beginnen, werden allerdings auch nicht alt.

2. Durch falschen Schnitt (wenn alljährlich wie bei einem Haarschnitt sämtliche Triebe des Baumes “angeschnitten” werden) kann u.U. die Blühwilligkeit des Baumes noch weiter verzögert werden

3. Wenn der Baum in voller Blüte steht, aber dennoch keine Früchte ansetzt, kann das an “falschem” Wetter liegen (Nachtfröste, Dauerregen).

4. Auch dauerhaft niedrige Temperaturen unter 10° C während der Blüte können dazu führen, dass keine Bienen fliegen und die Bestäubung ausschließlich durch Hummeln oder andere Wildinsekten erfolgen kann. Sind diese nur wenig vorhanden (was in besonders “aufgeräumten” Gärten vorkommen kann), kann auch das die Ursache für eine nur sehr geringe Befruchtung sein. Hier sollte man Informationen einholen, was man alles zur Förderung von Hummeln, Mauerbienen und anderen Insekten tun kann.

5. Wenn das Wetter zur Blütezeit passend war und auch genügend Insekten unterwegs und dennoch setzt der Baum keine Früchte an, liegt es vermutlich am fehlenden Befruchter. Denn Apfelbäume, Birnbäume, Süßkirschen- und ein Teil der Pflaumensorten benötigen zu ihrer Befruchtung einen zweiten Baum mit einer anderen Sorte derselben Obstart im näheren Umkreis (Bienenflugradius). Bei Süßkirschen können auch Wildkirschen am Waldrand (oder Sauerkirschen) die Befruchtung besorgen, beim Apfel können es auch Zieräpfel sein.

6. Um zu testen, ob die fehlende Befruchtersorte die Ursache für den Nicht-Ertrag des eigenen Baumes ist, kann man hilfsweise einfach mal frisch aufgeblühte Zweige von anderen Obstbäumen schneiden (natürlich jeweils von der passenden Obstart) und diese in einem Wassereimer neben den eigenen Baum stellen oder in den Baum hängen. Meist hat man dann in der Nähe, wo der Eimer stand, mehr befruchtete Früchte als in entfernteren Zonen des Baumes.

7. Noch etwas komplizierter wird es durch die Tatsache, dass nicht alle Apfel- und Birnensorten gute Pollenspender und damit gute Befruchter sind. Nur rund 2/3 unserer Apfel- und Birnensorten sind gute Befruchter, der Rest ist als Befruchter ungeeignet. Das hat etwas damit zu tun, dass einige Apfelsorten einen zweifachen Chromosomensatz besitzen (“diploid”), andere einen dreifachen (“triploid”). Egal wieviele Apfel- oder Birnbäume man pflanzt, benötigt man daher immer mindestens einen Baum einer diploiden Sorte.

In vielen Publikationen oder Baumschulkatalogen werden gern bestimmte Apfelsorten (wie z.B. Cox Orange, Goldparmäne, Golden Delicious) als Befruchter empfohlen. Da diese Sorten aus Gründen mangelnder Baumgesundheit jedoch nicht unbedingt zu empfehlen sind, habe ich in der Broschüre ‘Alte Obstsorten – neu entdeckt für Westfalen und Lippe’ (Bezug: info@bshf.de) in der Liste der Apfel- und Birnensorten jeweils vermerkt, ob es sich um gute oder schlechte Pollenspender handelt.

8. Ob es sich bei den Apfel- oder Birnensorten in Ihrem Garten bzw. auf Ihrer Obstwiese um diploide oder triploide Sorten handelt (also um gute oder schlechte Befruchter), brauchen Sie jedoch gottseidank gar keine Bücher. Hier reicht eine Handvoll Früchte, die Sie aufschneiden müssen, um die Samen zu begutachten: Finden sich in der Frucht ausschließlich “volle” Samen (und alle Samen sind von gleicher Form, Größe und Farbe), handelt es sich um eine diploide Sorte. Ist dagegen ein Teil der Samen taub (d.h. die Samenhülle leer, sie lässt sich platt drücken) und/oder die vollen Samen haben z.T. verschiedene Größen und Formen, handelt es sich wahrscheinlich um eine triploide Sorte, d.h. um einen schlechten Pollenspender.

9. Bei Süßkirschen sind die Befruchtungsverhältnisse noch etwas komplexer, hier gibt es sogenannte Intersterilitätsgruppen. Im Zweifelsfall, falls der eigene Kirschbaum trotz guten Blühwetters und Insektenflug nicht trägt, sollte man es testweise mit Blühzweigen anderer Kirschbäume versuchen.

10. Aprikosen, Pfirsiche und Sauerkirschen (sowie ein Teil der Pflaumensorten) sind im Übrigen selbstfruchtend, sie benötigen keine zweite Sorte als Befruchter. Eine zweite Sorte als Befruchter wirkt jedoch auch hier verstärkend.

Soweit unser Obstblüten-ABC für eine erfolgreiche Obsternte im Garten.

Rechenpapier oder eine Datei mit Tabelle eignet sich gut für die Planung von Streuobstwiesen und Obstgärten:

hier können Sie das Formular laden:

Pflanzungsdichte Sämling diploid

In Rösrath-Eigen gibt es eine Streuobstwiese mit alten, gesunden Apfelbäumen. Sie wird von Hartmut Brückner vom Bergischen Streuobstwiesenverein gepflegt.

 

Mittelstark wachsende Apfel-Unterlagen benötigen beim Erziehungsschnitt nach Öschberg mehr Platz als in den Fachmedien angegeben

 

Die Unterlagen MM 106 und M 7 sind mittelstark wachsend und im Gegensatz zu M9 und M 27 kräftig genug, um sich gegen Grasbewuchs durchsetzen zu können. D.h., sie benötigen keine dauerhafte Entfernung der Grassode um den Stamm herum und sind deshalb auch für Streuobstwiesen geeignet. Im Gegensatz zu den stark wachsenden Unterlagen (Sämling, A2) erreichen sie nur eine die Pflege und Ernte erleichternde Höhe von 4 Metern und ein schnelleres Einsetzen des Fruchtertrags.

Bei nach Öschberg geschnittenen MM106- und M7-Halbstämmen können die Leitäste  unter guten Wuchs- und Schnittbedingungen mit der Zeit dick genug werden, um auch bei Vollertrag annähernd ihre schräge Position beibehalten zu können.

Durch den frühen Ertrag können bei mittelstark wachsenden Halbstämmen  die noch schwachen die Leitäste herabsinken, und somit der geht der Baum dann mehr in die Breite als geplant.

Höhe, Breite und Pflanzabstand bei Apfel-Buschbäumen mit MM 106 – oder M 7- Unterlagen

  • Höhe: ca. 400 cm,
  • Breite: ca. 350 cm,
  • Mindest-Pflanzabstand innerhalb der Reihe: 4 m,
  • angegebener Platzbedarf 16 – 25 qm pro Baum,
  • Empfohlener Abstand der einzelnen Reihen zueinander: mindestens 6 m, besser etwas mehr (Geräteeinsatz)

Höhe, Breite und Pflanzabstand bei Apfel-Öschberg-Halbstämmen mit MM 106 – oder M 7- Unterlagen

  • Höhe des Mitteltriebs: ca. 400 cm,
  • Höhe der Leitäste bei 45 Grad: 350 cm (die Leitäste sollen so erzogen sein, dass sie weniger hoch sind als der Mitteltrieb) =
  • Baumbreite: bei 45 Grad Neigung geht ein Leitast 175 cm in die Breite. 2 x 175 cm + Platz für die überstehenden Seitenäste = 400 cm Baumbreite
  • Breite beim Herabsinken der Leitäste durch einen frühen Fruchbehang: bis maximal waagerechte Stellung der Leitäste = 2 x 350 cm = 700 cm. In diesem Fall wäre ein Platzbedarf von mindestens 7 x 7 m = 49 qm notwendig,

Ich persönlich würde bei der Planung einer Obstwiese mit mittelstark wachsenden Apfelbäumen auf jeden Fall mindestens 6 m Baumabstand in der Reihe einhalten und 8 m zwischen den einzelnen Reihen. Und dann würde ich alle drei unten beschriebenen Maßnahmen bei Bedarf miteinander kombinieren.

Maßnahmen, um ein Herabsinken der Leitäste zu vermeiden:

Sollten Sie also bemerken, dass sich die Leitäste nicht nur an den Spitzen, sondern in ihrer ganzen Länge herunterbiegen wollen, dann haben Sie 3 Möglichkeiten, um dem entgegenzuwirken:

  1. Früchte entfernen, 
  2. in den ersten Jahren beim Erziehungsschnitt den einjährigen Neuaustrieb der Leitäste  jedes Jahr im Winter kurz schneiden (d.h., vom jeweiligen einjährigen Neuaustrieb mehr als die Hälfte einkürzen). Dadurch vergrößert sich ihr Durchmesser und die Krone wird stabiler
  3. Fixieren der Leitäste in 45 Grad-Stellung am Mitteltrieb durch Bänder (meist reicht Band aus grünem Netzgewebe, das Sie im Internet bestellen können). Wenn möglich, sollte dies nicht bei sehr jungen Bäumen geschehen, da die Bänder an jungen Leitästen leicht abrutschen und so die wichtigen Außenknospen zerstören können. Am besten erst dann fixieren, wenn sich an den Leitästen Verzweigungen für abgehende Seitenäste gebildet haben. Fixiert man die Bänder in solchen Winkeln, können sie nicht mehr abrutschen. 

Vorteile des extensiven Apfelanbaus mit MM 106 – und M7 – Unterlagen

Ein zu großer Aufwand? Natürlich ist der Anbau von Apfelbäumen mit MM 106- oder M 7 – Unterlagen am Anfang pflegeintensiver als der Anbau von Sämlingshochstämmen. Dafür kommen Sie aber früher in den Ertrag. Außerdem lassen sich Früchte –  bedingt durch die geringere Baumhöhe – wesentlich bequemer ausdünnen (Verhinderung von Alternanz + Erreichung von Tafelobstqualität) und ernten.

 

 

Die Pflanzungsmethode nach BRÜCKNER ist zur Abwehr von Wühlmäusen gedacht.

Braune Bergschafe im Streuobst-Sortengarten Remscheid-Reinshagen: idyllisch, aber nur von kurzer Dauer. Im Gegensatz zu den Hochstämmen konnten die Halbstämme nicht vor dem Appetit der Schafe geschützt werden. Die Tiere stellten sich auf die Hinterbeine und erreichten so die Leitäste der Bäume. Schweren Herzens mussten die Tiere umgesiedelt werden.

Besonders die triploiden Apfelbäume (Gravensteiner,Boskoop, Kaiser Wilhelm u.a.),die auf Sämlingsunterlagen gezogen werden, können eine stattliche Größe erreichen. Geeignete Maßnahmen, um dem überschießenden Wachstum Einhalt zu gebieten, sind

  • nur zurückhaltende, möglichst im Sommer durchzuführende Schnittmaßnahmen und
  • die Abspreizung von Leitästen in einen flacheren Winkel. Der BUND empfiehlt bei allen Obstbaum-Hochstämmen einen Winkel der Leitäste von 45 Grad (http://www.bund-lemgo.de/obstbaumpflanzung.html).

Leichter gesagt als getan, da die Leitäste von Gravensteiner-, Kaiser-Wilhelm- und anderen triploiden Apfelbäumen schon nach wenigen Jahren ziemlich dick und lang werden. Welche Möglichkeit gibt es also, zu steile Leitäste für einige Zeit in einem 45-Grad-Winkel zu bringen und zu fixieren, so dass diese nach Beseitigung der Fixierung (nach einigen Monaten) im optimalen Winkel verbleiben?

Anhängen von Gewichten:

Eher ungeeignet, weil sich diese kaum richtig an den Ästen fixieren lassen.

Abspreizen der Leitäste durch Stöcke:

Das klappt nur bei jungen Bäumen, die relativ kurze und weiche Leitäste, aber schon einen stärkeren Mitteltrieb haben, der dem Druck der Spreizhölzer aushält, ohne sich zu verbiegen. Werden die Leitäste länger und dicker, muss beim Spreizen ziemlich weit oben an den Leitästen angesetzt werden. Dadurch müssen die Spreizhölzer so lang sein, dass sie sich kaum noch richtig fixieren lassen.

Herunterbinden und Befestigen an den Dreiecksböcken:

Funktioniert häufig nicht. Zum Herunterbinden muss das Band relativ weit außen an den Ästen befestigt werden und dann nach unten und innen in Richtung Pfähle gespannt werden. Es entsteht ein ungünstiger Zugwinkel, der zum seitlichen Verbiegen der Äste führt.

WP_20150326_006Herunterbinden mittels zusätzlicher äußerer Pfähle:

Erleichtert das Herunterbinden ungemein, die Pfähle stören jedoch beim Mähen. Also müssten sie jedes Mal vorher entfernt und später wieder fixiert werden. Bei zwei oder drei Bäumen mag das noch gehen, bei einer größeren Anzahl wird der Aufwand zu groß.

 Herunterbinden an eine kreuzförmig angebrachte Lattenkonstruktion:

WP_20150326_008WP_20150326_009

Eine gute Möglichkeit: Die Holzlatten kann man günstig im Baumarkt kaufen und mittels Bändern am Dreiecksbock befestigen.

Hinterher ist man schlauer: ein Nachtrag
Im Nachhinein musste ich feststellen, dass es nutzlos ist, viel Energie in das Herunterdrücken der Leitäste aufzubringen. Sobald der Baum Früchte trägt, drücken sich die Leitäste eh herunter. Dann ist das Problem eher umgekehrt: wie schaffe ich es, dass sich die (für den Fruchtbehang noch zu schwachen) Äste nicht herunterbiegen und ich sie fixieren kann?

Ein Beitrag von Hartmut Brückner, Vorsitzender des Bergischen Streuobstwiesenverein e.V.

Obstbäume sind auf Wurzel- oder Stammunterlagen veredelt (gepfropft oder okuliert). Daher entwickeln sie gern einen eigenwilligen Kronentrieb. Selten treiben sie von sich aus allseitig gleichmäßig und flachkegelig nach oben. Es erfordert in der Jungbaumphase immer eine erzieherische Nachhilfe durch Schnitt, Spreizen oder Hochbinden von Mitteltrieb und Ästen.

Unterlassung von Obstbaumerziehung führt zu folgenden Fehlentwicklungen:

  • Durchwachsen des Mitteltriebs. Der Baum wird turmhoch und spindelig.
  • Der Mitteltrieb treibt durch und kippt nach einer Seite ab, überbaut die tieferliegenden Leitäste, die wegen Lichtmangel verkümmern.
  • Der Mitteltrieb gabelt sich ein- oder mehrmals. Das führt zu einer gewaltigen Überbauung. die die Bildung niedrigerer leichter beerntbarer Leitäste aufgrund von Lichtmangel verhindert.
  • Zu viele Leitäste:  drei bis vier reichen aus. Der Baum wird zu dicht, Leitäste werden nicht kräftig genug, und beim Ernten paßt später keine Leiter in den Baum

Mangelnder Erziehungsschnitt 1, © Hartmut Brückner

Mangelnder Erziehungsschnitt 2, © Rolf Meyer

Ziel der Obstbaumerziehung bei Hoch- und Halbstämmen ist es, eine gleichmäßige, statisch ausgewogene, unter 120 bis 140° flachwinklige Krone im Rahmen der etwa 10-jährigen Erziehungszeit heranzubilden. Hierbei gilt die Regel, so früh wie möglich eingreifen und korrigieren, umso einfacher kann das Ergebnis erreicht werden.

 

Die Jungbaumerziehung kann nur erfolgreich sein, wenn der Jungbaum von der Baumschule her folgende Voraussetzungen mitbringt:

  • Gerader Mitteltrieb, der bis 1,5-fach stärker als die Leitäste ist.
  • 3 bis 4 Leitäste , – die radial um den Mitteltrieb gleichmäßig angewachsen sind,
    – die gleiche Durchmesser, gleiche Abgangswinkel und Länge haben,
    – die flache Abgangswinkel (ca.45°) haben und
    – die keinen Schlitzast haben (Qualitätsmangel!).

Einen solchen Obstbaum bei der Baumschule auszusuchen, ist für einen Normalkunden schwierig. Die dafür objektive Beratung seitens der Baumschulen ist nicht immer optimal, meist hat der Kunde bei der Baumschule nur eine begrenzte Auswahl von Bäumen im Verkaufseinschlag vor sich und wird nicht in die Baumschulquartiere gelassen, um sich besser gewachsene Bäume auszusuchen.

Bergschafe eignen sich besonders gut für das Klima im Bergischen Land

Bergschafe stammen ursprünglich aus dem Alpenraum. Sie sind aufgrund ihres dichten Fells besonders unempfindlich gegen Wettereinflüsse wie Nässe und Kälte. Dadurch eignen sie sich besonders für die Beweidung von Bergischen Streuobstwiesen.

Beweidung des Bergischen Streuobst-Sortengarten in Remscheid durch Braune Bergschafe

Braunes-BerschafRolf Meyer, Mitglied des Bergischen Streuobstwiesenvereins und zuständig für den Sortengarten, hat mit dem Remscheider Züchter von Braunen Bergschafen, Klaus Louis Hanne, eine Kooperation vereinbart:

10 Mutterschafe und 20 Lämmer werden auf der ca. 2 Hektar großen Fläche weiden.

Die Schafe werden satt, die Wühlmäuse in Schach gehalten, und es braucht kaum noch gemäht zu werden. Eine klassische “win-win-Situation”.

Hier geht es zu einem youtube-Infofilm über Braune Bergschafe:

Die Firma Tiger-Pabst (www.tiger-pabst.de) hat einen neuen Abstandhalter  für Motorsensen entwickelt. Dieser wurde zunächst im Weinbau eingesetzt, um den Stammschutz für die empfindlichen Rebstöcke bei Mäharbeiten zu gewährleisten.

Bild Tiger PflanzenschutzAber er funktioniert natürlich auch beim Mähen rund um Obstbäume! Das besondere an ihm ist der 360 Grad-Rundumschutz.

Keine Schäden durch Motorsensen mehr: besserer Stammschutz

Die normalen roten Schutzbleche verdecken nur einen vorderen Teil der Sense. Wenn der Mensch nun vor dem Baum steht, die Motorsense hinter dem Baum platziert ist und er dann das Gerät zu sich heranzieht, läuft er in Gefahr, den Stamm zu verletzen. Das kann ihm bei dem neuen Rundumschutz nicht passieren. Die Mäharbeiten können viel schneller erledigt werden, weil man nicht mehr aupassen muss.

Der Aufsatz kann im Internet bestellt und nachträglich an eine Motorsense angebracht werden. Wenn er nicht genutzt wird, kann er nach hinten geklappt werden. Sehr empfehlenswert!

Hier ein Auszug aus dem Katalog der Firma Tiger-Pabst. Die Originalbezeichnung ist “TIGER-Pflanzenschutz”. Links in der ersten Spalte steht die Artikelnummer:

Tiger-Pflanzenschutz

Veredelungs-Unterlagen bei Apfelbäumen

M27

  • Erziehungsform: Spindelbusch

M9

  • Erziehungsform: Spindelbusch, Busch

MM106

  • Erziehungsform:  Busch, Viertel-, Halbstamm

M7

  • Erziehungsform:  Busch, Viertel-, Halb- und Hochstamm

M111

  • Erziehungsform:  (Busch), Viertel-, Halb- und Hochstamm

A25

  • Erziehungsform: Halb- und Hochstamm

A2

  • Erziehungsform: Halb- und Hochstamm

Sämling

  • Erziehungsform: Halb- und Hochstamm

Buschbaum

Bei Buschbäumen werden die Äste ab einer Höhe von ca. 50 cm nicht mehr abgeschnitten. Anders ausgedrückt heißt dies, dass der Buschbaum nur bis zu einer Höhe von ca. 50 cm “aufgeastet” wird. 

Für diese Zuchtform eignen sich nur schwach und mittelstark wachsende Unterlagen (bei Äpfeln: M9-, MM106-, M7- und M111-Unterlagen). 

Durch das relativ schwache Wachstum fängt der Buschbaum früh an zu tragen. Es gibt eine Regel beim Obstanbau: Je mehr der Baum “ins Holz geht”, also wächst, desto weniger Kraft hat er für die Blüten-und Fruchtausbildung. Im Umkehrschluss heißt das: Bäume, die langsamer wachsen, fangen schneller an zu blühen. Im Falle des Buschbaumes auf einer schwach oder mittelstark wachsenden Unterlage kann man nach ca. 4 Jahren mit den ersten Ernte rechnen.

Der Erziehungsschnitt eines jungen Buschbaums unterscheidet sich wesentlich von denjenigen für Viertel-, Halb- und Hochstämme:

  • Die Form des Buschbaums sollte eher pyramidenförmig sein, mit vielen Seitenästen, ohne dass es besonders dominante Leitäste gibt.
  • Höher aufgeastete Viertel-, Halb- und Hochstämme werden meist nach dem “Öschberg-Prinzip” erzogen, d.h. mit 4-5 dominanten Leitästen und einem Mitteltrieb.

Der Spindelbusch

Spindelbaum ist die Bezeichnung für Obstbaumveredlungen auf sehr schwachwüchsigen Unterlagen. Der Spindelbuschbaum benötigt zur sicheren Standfestigkeit einen Baumpfahl. Das Anbinden der Obstbäume sollte bevorzugt mit Kokosgarn oder mit Bindematerial erfolgen, welches nicht in den Baumstamm einschneiden kann.

Der Spindelobstbaum trägt mit seinen großen Früchten schon im 1. Standjahr und wird oft für die Anzucht von Spalierbäume oder Obstbaumhecken eingesetzt. Spindelobstbäume finden ihre ideale Verwendung im kleinen Obstgarten oder auch im kommerziellen Erwerbsanbau als Plantagenbäume.

Spalierbaum (z.B. einfache oder doppelte U-Form)

Spalierbaum ist die Bezeichnung für in Form geschnittene und längere Jahre an Formgestellen gezogene Obstbäume. Die vertikale, bzw. horizontale Zweigstellung wird durch das Anbinden der Bäume an freistehende Formgestelle oder Hausfassaden erzwungen. Ein fachmännischer und regelmäßiger Formschnitt ist bei der Spalierbaumerziehung Bedingung.

Die Eigenschaften beim Spalierbaum als Obstbusch sind mit den Spindel- oder Buschbäumen gleichzusetzen. Der schwachwüchsige Spindelbusch ist für die Anzucht von Spalierobstbäume am besten geeignet. Die Verwendung von Spalierbäume richtet sich vor allem an Kleingartenbesitzer für die Anpflanzung von platzsparenden Obsthecken.

In den Obstbaumschulen werden bevorzugt Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume und Zwetschge als Obstbaumspaliere für den Verkauf produziert.

Halbstamm

Halbstamm ist die Bezeichnung für veredelte Obstbäume auf starkwachsenden A2-, M106- oder Sämlingsunterlagen. Die freie (unbeastete) Stammhöhe bei Veredelungen auf Halbstamm beträgt ca. 1,2 m (120 cm) zzgl. Baumkrone.

Die ersten Erträge können ab ca. 4. Standjahr erwartet werden, bei Sämlingsunterlagen später.  Der Obstbaum als Halbstamm ist geeignet für Obstwiesen, als Feldbäume oder Straßenbäume, für den kommerziellen Obstanbau oder für den mittelgroßen Hausgarten. Ein Pflanzpfahl oder Dreiecksbock wird in den ersten Jahren empfohlen.

Hochstamm

20140824_151511Obstbäume als Hochstämme besitzen die gleichen Eigenschaften wie Obstbäume als Halbstämme. Freie Stammhöhe bei Obstveredelungen als Hochstammobstbäume: 1,8 m (180 cm zzgl. Kronenbeastung).

Eine Streuobstwiese mit Hochstämmen ist ideal für die Beweidung mit Tieren. Gegen Tierfraß sollte in den ersten Standjahren geschützt werden, am besten durch biegsame Metallgitter. Ein mindestens 250 cm hoher Pflanzpfahl (oder auch mehrere als Zwei- oder Dreibock-Konstruktion) werden empfohlen.

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Auf Sämlingsunterlagen gezogene Hochstämme können sehr groß und sehr alt werden.

Welche Veredelungsunterlagen sind für welche Stammformen geeignet?

Siehe hierzu auch…

Verbissschutz im Winter: der Hase und die Apfelbaumrinde

Obstbaumschädigung_durch_wildverbiss

 

Hier verliert der Verbissschutz seine Wirkung: Stellen Sie sich vor, Sie haben Tage lang nichts zu essen bekommen und dann steht vor Ihnen die leckerste Mahlzeit, und Sie brauchen sich nur noch zu bedienen….

So geht es dem Hasen, wenn er mitten im verschneiten Winter auf die ungeschützte Rinde von jungen Obstbäumen trifft. Da kann er nicht widerstehen.

Ein eigentlich wirkungsvoller Verbissschutz aus Drahtgeflecht kann nach ausgiebigen Schneefällen schnell wirkungslos werden.

 

Verletzungen der Baumrinde durch maschinelles Mähen

Im unmittelbaren Bereich des Baumes kann hohes Gras meist nur manuell oder mit Hilfe eines Fadenmähers beseitigt werden. Beim Einsatz des Fadenmähers kann es auch zum Kontakt mit dem Stamm des Obstbaumes kommen: mit der Folge von schwerwiegenden Verletzungen der Rinde.

Effektiver Stammschutz

Die Firma GREENMAX bietet jetzt einen sehr effektiven Stammschutz an. Er wurde auf der vom BSOWV gepflegten Streuobstwiese in Remscheid-Reinshagen eingesetzt und hat sich sehr bewährt. Die Gitter ist aus einem geschmeidigem und zähem Material, lassen sich für größere Stammdurchmesser miteinander verbinden und halten den mechanischen Einwirkungen eines Mähfadens stand.

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Junger Kardinal-Bea Baum mit Greenmax-Stammschutz

 

 

Bezugsquelle:
http://www.greenmax.eu/de/stammschutz/

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