von Hans Joachim Bannier:

In den letzten Wochen werden wir häufiger von Gartenbesitzern nach einer Sortenempfehlung für Apfelbäume für den Haus- oder Kleingarten gefragt. Dort ist meist nicht allzuviel Platz, so dass man sich auf wenige gute Sorten beschränken muss. Sofern kein großer Baum als späterer Schattenspender gewünscht ist, sollen die zu pflanzenden Bäume in den meisten Fällen nicht allzu riesig werden und es soll auch nicht 7-10 Jahre dauern, bis die Bäume richtig in den Ertrag kommen.

Meist ist allenfalls für 3-4 Bäume Platz, manchmal auch nur für 1-2 Bäume. Für diesen ‘Standard-Fall’ haben wir hier einmal eine kleine Zusammenstellung schmackhafter und robuster Apfelsorten aufgelistet, die nach unseren Erfahrungen gut geeignet sind.

Wurzelunterlage und Sorte bestimmen die Größe eines Obstbaumes

Bevor wir die Sorten auflisten, hier aber noch ein wichtiger Hinweis, was bezüglich der gewünschten Größe eines Apfelbaumes oder -busches noch zu beachten ist:
Die Größe eines Apfelbaumes hängt nicht nur von der gepflanzten Sorte ab, sondern auch von der Wurzelunterlage, auf der er veredelt wurde.

Für Apfelbäume in kleineren Gärten mittelstarke Unterlagen, keine schwachen M9-Unterlagen!

Für den Haus- und Kleingarten empfehlen sich dafür sog. ‘mittelstarke’ Unterlagen, die heute in den Baumschulen mit Kürzeln bezeichnet werden (z.B. M7, MM106, M25). Wenn man heute in Baumschulen sagt, man wolle unbedingt einen kleinen Baum haben, werden heute gern auch Apfelbüsche auf der sehr schwachen Wurzelunterlage M9 verkauft. Auf dieser Wurzel veredelt bleiben die Gehölze zwar tatsächlich noch mal kleiner, allerdings ist diese Wurzel auch nicht standfest, d.h. nach ein paar Jahren, wenn der Busch mal voller Äpfel hängt, kann der Busch unter der Last der eigenen Früchte umfallen (sofern er keinen Stützpfahl mehr hat). Auch wenn Wühlmäuse an den Wurzeln dieser schwachen Unterlage fressen, hat die M9-Unterlage oft nicht die Kraft, sich wieder zu erneuern. Und schließlich wurzelt die M9 auch nur flach und reagiert daher wesentlich schneller auf Trockenheit, muss also in Jahren wie 2018/19 regelmäßig gewässert werden.

Auch wenn die Sorten auf der M9-Unterlage noch schneller tragen als auf den mittelstarken Wurzelunterlagen, empfehlen wir die letzteren, da sie deutlich robuster (und in der Regel auch standfest) sind. Je nach aufveredelter Sorte beginnen die auf mittelstarken Unterlagen veredelten Büsche/Halbstämme in der Regel nach etwa 3-6 Jahren.

Für schattenspendende Apfelbäume Sämlingsunterlagen wählen

Wer dagegen später gern einen größeren Baum haben möchte (Halbstamm oder Hochstamm), der später auch als Schattenspender dient, muss darauf achten, dass die gewünschte Sorte auf einer sogenannten ‘Sämlingsunterlage’ veredelt wurde. In guten Obstbaumschulen ist auf dem Etikett neben der Sorte immer auch die verwendete Wurzelunterlage vermerkt. Baum Baumverkauf in Baumärkten oder Gartencentern fehlt diese Angabe häufig und man kann bezüglich der Baumgröße Überraschungen erleben (in der einen oder in der anderen Richtung).

Die Sortenwahl

Was die Sortenwahl betrifft, wünschen sich die meisten für den Hausgarten – anders als auf Streuobstwiesen – in der Regel ebenfalls eher Sorten, die nicht zu stark wachsen und deren Fruchtertrag nicht allzu spät einsetzt. Für ein Standard-Sortiment empfehlen wir daher in der Regel mittelstark (oder etwas schwächer) wachsende Sorten (bzw. solche, die mit dem Ertragsbeginn nicht die spätesten sind).
Unser ‘Standard-Hausgartensortiment’ setzt sich zusammen aus den folgenden robusten und schmackhaften Sorten:

Discovery
Pflückreife Mitte August, Genussreife bis Mitte September. Aromatische, leuchtend rote Frucht. Baumwuchs: eher schwach (kann auch auf stärkeren Wurzelunterlagen veredelt werden!). Ertrag früh beginnend, regelmäßig. Robust gegen Schorf und Mehltau. Auf staunassen, sehr schweren Böden kann Obstbaumkrebs auftreten (daher ggf. Boden mit Sand und/oder Kompost lockern. Die Sorte ist ihrerseits ein guter Befruchter auch für die im folgenden hier genannten Sorten.

Alkmene
Pflückreife Mitte September, Genussreife bis Mitte November. Aromatische, an Cox Orange erinnernde Frucht. Baumwuchs mittelstark bis eher schwach. Ertrag sehr früh beginnend, regelmäßig. Robust gegen Schorf, Mehltau und Obstbaumkrebs, bezüglich Standort und Boden breit anbaufähig. Alle paar Jahre kann jedoch Monilia-Triebsterben auftreten (befallene Triebe jeweils umgehend wegschneiden), dennoch empfehlenswert. Die Sorte ist ihrerseits ein guter Befruchter auch für die anderen hier genannten Sorten.

Finkenwerder Prinz
Pflückreife Anfang Oktober, Genussreife bis Januar. Säuerlich-aromatische Frucht. Baumwuchs mittelstark, später in die Breite gehend und hängend. Ertrag früh beginnend, regelmäßig. Robust gegen Schorf, Mehltau und Obstbaumkrebs, bezüglich Standort und Boden breit anbaufähig. Die großen Früchte junger Bäume neigen auf dem Lager z.T. zu Gleosporium-Fruchtfäule – das verliert sich im Lauf der Jahre, wenn die Bäume älter und die Früchte kleiner (und dann lagerstabiler) werden. Die Sorte ist ihrerseits ein guter Befruchter auch für die anderen hier genannten Sorten.

Holsteiner Cox
Pflückreife Anfang Oktober, Genussreife bis Januar. Aromatische, an Cox Orange erinnernde Frucht. Baumwuchs stark, sehr in die Breite gehend. Ertrag mittelfrüh beginnend, etwas alternierend (d.h. gute und schwächere Ertragsjahre im Wechsel). Robust gegen Schorf, etwas anfällig für Mehltau, daher für kühle Lagen besser geeignet als für sehr warme Lagen; etwas anfällig auch für Obstbaumkrebs, daher staunasse oder extrem schwere Böden meiden (oder bei letzteren Sand und/oder Kompost zur Bodenlockerung einarbeiten). Bei Beachtung dieser Standort-Begrenzungen sehr empfehlenswert. Die Sorte kann von allen anderen hier genannten Sorten befruchtet werden, ist selbst jedoch ein schlechter Befruchter für andere Sorten!

Winterglockenapfel
Pflückreife Mitte bis Ende Oktober, Genussreife Dezember bis Mai! Säuerlich fruchtig schmeckende Frucht, die ihre gleichzeitige Süße erst ab Dezember/Januar zu entfalten beginnt und am besten erst dann schmeckt, wenn die Schale äußerlich schon etwas zu welken beginnt. Baumwuchs mittelstark bis stark, eher steil (später hängend). Ertrag mittelfrüh beginnend, relativ regelmäßig, z.t. alternierend zwischen besseren und schlechteren Ernten. Robust gegen Mehltau und Obstbaumkrebs. Etwas anfällig für Schorf – deshalb sollte auf eine gute Durchlüftung des Standorts geachtet werden, d.h der Baum bzw. Busch sollte frei stehen, nicht zu dicht neben Hecken oder Nachbarbäumen. Die Sorte ist ihrerseits ein guter Befruchter auch für die anderen hier genannten Sorten.

Weitere Informationen über die oben genannten Apfelsorten erhalten Sie hier.

Natürlich gibt es noch weitere, sehr empfehlenswerte Sorten (teilweise mit individuelleren Geschmackseigenschaften). Wir haben hier in erster Linie ein kleines Sortiment an “Klassikern” zusammengestellt, mit denen die meisten Gartenbesitzer am Ende zufrieden sein werden (was Geschmack, Ertrag und Robustheit der Pflanze betrifft).

Bei der Auswahl der Sorten haben wir auch berücksichtigt, dass diese Sorten in Baumschulen grundsätzlich noch erhältlich sind – keineswegs in jeder Baumschule, aber zumindest in guten Obstbaumschulen, die noch selber Bäume anziehen (und diese nicht nur zukaufen).

Befruchtung der Apfelbäume

Noch ein Wort zum Thema ‘Befruchtung’: Jeder Apfelbaum braucht, damit seine Blüten später auch befruchtet werden, eine zweite Apfelsorte. Sollten also in Ihrer direkten Nachbarschaft keine weiteren Apfelbäume (ggf. reichen auch Zieräpfel!) zu finden sein, empfiehlt es sich, mindestens 2 Sorten zu pflanzen. Die hier empfohlenen Sorten eignen sich – bis auf den Holsteiner Cox – alle als Befruchter für die jeweils anderen Sorten.

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