von Hans-Joachim Bannier:

Hinweise zur Bekämpfung des Apfelwicklers (Cydia pomonella)

Der Apfelwickler ist unser ärgerlichste Gegenspieler im Apfelgarten. Wenn man wissen will, wie man die Zahl der madenbefallenen Äpfel verringern kann, sollte man zunächst den Lebenszyklus dieses auf Äpfel spezialisierten Insekts verstehen:

Der Lebenszyklus des Apfelwicklers

Erstes Schlüpfen der Apfelwickler-Falter im Mai

Der Apfelwickler ist ein ganz kleiner, unscheinbar brauner Schmetterling, den wir selten zu Gesicht bekommen, weil er nur nachts fliegt. Die Maden überwintern unter Rindenschuppen oder an anderen geschützten Stellen des Apfelbaumes. An den ersten warmen Tagen im Mai (bzw. den ersten warmen Nächten) schlüpfen die Falter und sind nach kurzer Zeit bereits geschlechtsreif.

Apfelwickler (Cydia pomonella) – Bildquelle
wikipedia (olei@despammed.com)

Paarung, Eiablage und Schlüpfen der Apfelwickler-Made
In den nächsten warmen Mai-Nächten paaren sich die Falter und ca. 8-10 Tage später – meist schon in der ersten Junihälfte – legen die Weibchen ihre Eier direkt auf die Äpfel ab (die zu diesem Zeitpunkt noch klein sind). Kurz darauf schlüpft die Made und bohrt sich in die Frucht, um die Kerne des Apfels zu fressen.

Junge Apfelwickler-Raupe – Bildquelle
wikipedia (Joachim K. Löckener)

Die Made sucht sich einen neuen Apfelbaum

Der Apfelbaum “bemerkt das” und wirft die befallene Frucht mitsamt der Made ab. Die Made ihrerseits verlässt die Frucht und sucht sich den nächsten Baumstamm, an dem sie emporkriecht und sich unter Rindenschuppen, Blättern, an Krebsststellen oder anderen lichtgeschützten Stellen verpuppt.

Schlüpfen der nächsten Generation von Apfelwicklerfaltern im Sommer

Nach ca. 6-8 Wochen – je nachdem, wie warm die Sommertage sind – schlüpfen die Falter erneut und eine zweite Generation an Faltern beginnt das Spiel von Neuem – mit dem Unterschied, dass wir jetzt schon in der Apfelernte sind und die kleinen Raupen uns jetzt richtig nerven, weil sie die schon fast reifen Äpfel befallen. Wieder wirft der Baum die Früchte vorzeitig ab und die Maden verlassen die Frucht, um sich irgendwo im Baum wieder ein geschütztes Plätzchen zu suchen, wo sie sich über den Winter verpuppen können. 

Ist die Apfelernte groß, fällt der Verlust nicht ins Gewicht. Allerdings können die Apfelwickler sich in dem Jahr mit reicher Ernte optimal vermehren und sind dann im Folgejahr – im Fall einer schwachen Ernte – umso gravierender.

Ausgewachsene Raupe des Apfelwickers – Bildquelle wikipedia (Peggy Greb)

Natürliche Gegenspieler des Apfelwicklers

Natürliche Gegenspieler wären Hühner unter den Bäumen – die fangen die Maden am Boden ab, bevor sie wieder am Stamm emporkriechen können.

Auch Fledermäuse sind – als Nachtjäger – unsere Helfer und sollten aktiv gefördert werden (z.B. durch offene Rückzugsräume in Scheunen oder Kellern oder durch Aufhängen von Fledermauskästen)

Und schließlich holen sich Blau- und Kohlmeisen hin und wieder auch eine Apfelwickler-Raupe aus der Borke.

Wellpappegürtel als aktive Gegenmaßnahme gegen den Apfelwickler

Als aktive Gegenmaßnahme im Hausgarten kommt in erster Linie das Anlegen von Wellpappegürteln um den Stamm des Baumes in Betracht. Dazu kann man einfach alte Kartonagen zerschneiden und diese – die Röhren am besten in senkrechter Ausrichtung – um den Stamm wickeln und mit Bindfaden locker anbinden.

Die ersten Raupen, die im Juni mit den herabfallenden kleinen Früchten auf den Boden fielen und nun am Stamm emporkriechen, freuen sich über das dunkle Versteck zwischen Pappe und Stamm (oder womöglich auch in den Röhren der Wellpappe!) und verpuppen sich dort.

Die Wellpappegürtel müssen allerdings jetzt alle 4-5 Wochen einmal vorsichtig abgenommen und auf die (ca. 8mm langen und 1-2 mm dicken) Maden kontrolliert werden (ggf. auch den Pappgürtel als Ganzes verbrennen!). Nicht erschrecken – unter den Pappgürteln haben sich in den 4-5 Wochen auch diverse andere Bewohner eingerichtet, die wir jetzt einfach freilassen (Ohrwürmer, Spinnen u.a.). Anschließend wieder einen neuen Pappgürtel anbringen – und das alle 4-5 Wochen bis zum Ende der Ernte!

Wellpappegürtel gegen den Apfelwickler sind besonders bei großen Bäumen lohnend

“Rationell” ist die Sache mit den Wellpappegürteln vor allem bei alten Bäumen mit großer Kronenausdehnung, denn die Maden, die hier aus dem gesamten Kronenbereich mit den Früchten herabfallen, kriechen alle am selben Stamm empor. Bei großen alten Apfelbäumen kann man hier schon mal 50 Maden im Pappgürtel finden, während in einem Obstgarten mit vielen jungen kleinen Bäumen an jedem Stamm jeweils nur wenige Maden zusammenkommen.
Die meisten Maden wird man in der Regel im Juni (erste Generation) und dann wieder im August (zweite Generation) fangen, aber je nach dem Witterungsverlauf des Sommers können sich die Grenzen zwischen erster und zweiter Generation des Apfelwicklers auch verwischen, weshalb man die Wellpappegürtel den ganzen Sommer anbringen sollte.

Erreichen kann man damit eine gewisse Reduzierung des Madenbefalls (“jede Made = mindestens ein Apfel”), aber keine hundertprozentige Bekämpfung der Apfelmade. Denn die befruchteten Weibchen können auch vom Nachbargarten zufliegen und ihre Eier auf unseren Äpfeln ablegen. Die Sache mit den Wellpappegürteln funktioniert also umso besser, je mehr Nachbarn wir davon überzeugen, bei ihren Apfelbäumen ebenfalls die Gürtel anzulegen!

Auch wenn in diesem Jahr der Juni vorbei ist (und damit zumindest ein Teil der ersten Wickler-Generation schon gelaufen), kann man dennoch mit den Wellpappegürteln beginnen, um wenigstens die Maden der 2. Generation zu erwischen (was sich dann zum nächsten Jahr auswirkt!).

Pheromonfallen als weitere Maßnahme gegen den Apfelwickler

Zusätzlich kann man auch – von Mitte Mai bis zur Ernte – sog. Pheromonfallen aufhängen, die aus einem kleinen (heute meist Plastik-)Häuschen bestehen, das mit einer Lockstoff-Tablette (mit dem weiblichen Sexuallockstoff des Apfelwicklers) und einer Leimtafel ausgestattet ist. Mit dieser werden ab den ersten warmen Mai-Nächten die paarungswilligen Apfelwickler-Männchen angelockt und gefangen.

Pheromonfalle gegen den Apfelwickler – Bildquelle wikipedia (Slaunger)

Aber auch diese Methode kann nicht verhindern, dass befruchtete Weibchen aus Nachbars Garten zufliegen können. Daher gilt auch hier: Je mehr Nachbarn mitmachen, desto wirksamer wird die Maßnahme!

Für große Niederstamm-Obstwiesen gibt es auch Lockstoff-Tabletten gegen Apfelwickler

Bei uns im Obst-Arboretum ergreifen wir andere Maßnahmen, wie z.B. die sog. “Verwirrung”: Dazu hängen wir in der gesamten Obstanlage alle 4 Meter eine Lockstoff-Tablette in unsere Bäume, was zu einem weitestgehend flächendeckenden ‘Duftteppich’ führt, in dem die Apfelwickler-Männchen – vor lauter “Weibchen-Geruch” – die echten Weibchen nicht mehr finden und infolgedessen auch keine Begattung stattfindet.

In einer großen Obstanlage erreicht man damit einen hohen Wirkungsgrad. Auf den Hausgarten kann man diese Methode jedoch nicht einfach übertragen, da auch sie – wegen eines möglichen Zuflugs befruchteter Weibchen aus der Nachbarschaft – nur in großen Apfelanlagen wirklich wirksam ist. Gegen den Apfelwickler aktiv zu werden. ist jedoch auch im Hausgarten die wichtigste Maßnahme, um Ernteverluste im Rahmen zu halten.

Die RAK-3-Tabletten zum freien Aufhängen gibt es u.a. bei der Fa. Biofa, Münsingen (produziert werden sie m.W. von BASF).

Für Hochstammflächen sind die aber kaum richtig anzuwenden, denn bei der Verwirrung brauchen sie einen flächendeckenden “Duftteppich”, dazu müssen die Kapseln alle 4 Meter hängen. Das ist bei Hochstämmen kaum machbar. Die Verwirrung mache ich nur in meiner Buschanlage (auf M7-Unterlagen, die haben wir auf 4 Meter Abstand gepflanzt.

Spritzung mit Granulosevirus bei Apfelwicklerbefall an Hochstammflächen

Bei den Hochstammflächen hängen wir Fallen auf zur Kontrolle des Falterflugs und machen dann – jeweils 8-10 Tage nach den Flughöhepunkten – eine Spritzung mit Granulosevirus. Anders als die “Intensiv-Bio”-Obstbauern machen wir diese Spritzung allerdings nur 1-2 (maximal 3x) pro Jahr, in der Regel in der ersten Junihälfte, d.h. in der ersten Faltergeneration. Später zur Erntezeit (in der 2. Faltergeneration) machen wir das nicht mehr.
Bei Altbäumen ist das Abfangen der Maden mittels Pappgürteln (oder die Hühnerhaltung) durchaus eine Alternative, wenn auch nur mit begrenzter Wirkung.

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