von Hans Joachim Bannier:

Es erreichen uns viele Anfragen von Apfelbaum-BesitzerInnen: “Was ist nur mit unserem Apfelbaum los, ganze Zweige sterben ab !”.

Aufgrund der Witterungsbedingungen dieses Frühjahrs haben wir es in der Tat in diesem Jahr bei den Apfelbäumen mit einer Krankheit zu tun, die den Apfelbaum normalerweise nur selten befällt und die wir eher von Sauerkirschen (und dort insbesondere von der ‘Schattenmorelle’) kennen: Triebinfektionen mit dem Monilia-Pilz.

Dieser kann unter bestimmten (feucht-warmen) Witterungsbedingungen durch die Blüte (und anscheinend auch über Blattknospen) eindringen und bringt dann – von der Triebspitze her – innerhalb weniger Tage ganze Triebe zum Absterben – das dadurch eintrocknende Laub fällt aber nicht ab, sondern bleibt an den Trieben hängen. An der Trennstelle vom abgestorbenen zum noch gesunden Holz des Zweiges kann man – wenn man hier einmal die Rinde ins gesunde Holz hinein abschält – oft noch braun gewordene Leitbahnen erkennen (eine Handbreit bis ins äußerlich noch gesund aussehende Holz.

Die Krankheit tritt besonders an warmen Standorten auf, daher auch bevorzugt in Stadtgärten, sowie an Standorten, die aufgrund von umgebenden Hecken, Bäumen oder Häusern schlecht durchlüftet sind. Normalerweise tritt Monilia bei Apfelbäumen in unserer Region nur alle 5-10 Jahre mal auf; unklar ist allerdings, ob die Häufigkeit ihres Auftretens beim derzeitigen Klimawandel womöglich zunehmen wird.

Einige Apfelsorten sind besonders anfällig für Monilia

Offenbar gibt es bei Apfelbäumen auch eine sortenspezifische Anfälligkeit für Monilia. Nach unseren bisherigen Beobachtungen sind besonders stark betroffen die Sorten

  • Prinz Albrecht von Preußen,
  • Alkmene (leider, weil ansonsten für Streuobst empfehlenswert!),
  • Dülmener Rosenapfel,
  • Elstar,
  • Jamba,
  • James Grieve,
  • Berlepsch,
  • Ingrid Marie,
  • evtl. auch Ontario.

Die Spitzendürre kann auch an Süßkirsch- und Pflaumenbäumen auftreten

Übrigens kann Monilia-Zweigsterben unter bestimmten Witterungsbedingungen auch mal an Süßkirsch- und Pflaumenbäumen auftreten – auch dort je nach Sorte unterschiedlich stark. Anfang der 2000er Jahre hat es z.B. im Kirschanbaugebiet Witzenhausen (zwischen Kassel und Göttingen) einen extremen Moniliabefall an Süßkirschen gegeben, mit meterlangen Trockenschäden bis in den Starkastbereich hinein (in diesem Ausmaß aber seither nicht wieder).

Was tun gegen Monilia?

Als Sofortmaßnahme ist dasselbe zum empfehlen wie bei anderen Krankheiten, die zum Absterben von Trieben führen können: Alle befallenen Zweige möglichst umgehend zurückschneiden, sobald ein Absterben erkennbar ist – wenn möglich ein Stück weit ins gesunde Holz hinein (nicht praktikabel, falls ein befallener Trieb direkt in einen Hauptast des Baumes mündet). Das Schnittgut decke man im Garten mit Erde ab oder entsorge es über die Bio- oder Mülltonne. Generell auch auf eine gute Durchlüftung des Standortes achten, sowie auf eine gute Durchlüftung des Baumes selbst (Auslichtungsschnitt).

Die Spitzendürre muss nicht jedes Jahr auftreten

Wichtig: Das starke Auftreten von Monilia in diesem Jahr bedeutet keineswegs, dass die Krankheit nun jedes Jahr kommt. Über das Auftreten oder Nicht-Auftreten der Monilia entscheidet jeweils die Witterung des jeweiligen Frühjahrs (daher nicht in Panik verfallen und gleich den gesamten Baum roden…)! . Der Rückschnitt des aktuellen Befalls hilft allerdings, das Risiko weiterer Infektionen etwas herabzusetzen.

Sortenempfehlungen nach Monilia ausrichten?

Da die Monilia an Apfelbäumen bisher nur relativ selten in dieser Heftigkeit auftritt, wäre es verfrüht, Sortenempfehlungen für Streuobst jetzt gleich neu auszurichten. Die Hauptkrankheiten im Apfelanbau sind Apfelschorf, Obstbaumkrebs und Mehltau. Sorten (wie z.B. Alkmene oder Prinz Albrecht von Preußen), die gegen dieses drei Pilzkrankheiten robust sind, sind daher nach wie vor empfehlenswert.

 

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