Zuccalmagliorenette, © Rolf Meyer

Kurzbeschreibung

Gelbe kleine Früchte, Aroma etwas an Quitte erinnernd. Baum schwach wachsend, reichtragend, bei Vollbehang Fruchtausdünnung erforderlich, nur gering schorfanfällig, etwas Mehltau und Obstbaumkrebs, benötigt gut durchlüftete, sonnige, aber nicht zu warme Standorte

Erntezeitpunkt
12.10.-26.10.

Verwendung ( ) = eingeschränkt
Tafelapfel

Anbaueignung ( ) = eingeschränkt
Garten

Lagermöglichkeit
4 Monate

Geschmack (1=sehr gut)
2-3

Wuchs:
Schwach

Krone:
Kugelig, eher klein, mit Neigung zur Ungleichmäßigkeit

Aeste:
Leitäste schräg aufrecht. Seitenholz mittellang, dicht und dünnzweigig

Schnitt:
Die Triebkraft lässt bei reichem Fruchtertrag bald nach, deshalb ist wiederholt zu verjüngen. Ein mäßig starker Rückschnitt erzeugt Holz- und Fruchtholzbildung im richtigen Verhältnis

Fruchtholz:
Ungleichmäßig an den Leitästen und am Seitenholz verteilt. Es besteht vorwiegend aus mehrfach verzweigten Fruchtsprossen und Fruchtruten

Windfest?
Ja

Ernte/Ertrag:
Früh einsetzend, reichlicher Fruchtansatz, Neigung zu kleinen Früchten, etwas Neigung zur Alternanz

Verkostungsergebnis (beste besondere Qualität = +++)
Geruch leicht weinig, gelbliches Fruchtfleisch, Geschmack frisch und wohlschmeckend, leicht süß mit etwas spitzer Säure, ganz spezieller Geschmack nach Ananas und Weinwürze, hervorragend, Konsistenz: fest, saftig; besondere Qualität (wenn bis November am Baum in der Sonne ausgereift): ++

Zuccalmaglio, Bild 4, gelbes Fruchtfleisch, © Rolf Meyer

Weitere Bemerkungen über die Apfelsorte Zuccalmaglio
Robust gegenüber Krankheiten, Blüten/Früchte auslichten, um der Alternanz und der Kleinfrüchtigkeit vorzubeugen

Ausführliche Beschreibung

Die Früchte dieser Sorte haben einen sehr eigenwilligen, an Quittenduft erinnernden Geschmack, den es so bei keiner zweiten Sorte gibt. Allerdings kommt dieser Geschmack nicht jedes Jahr gleichermaßen zur Geltung. Die Sorte braucht einen gut besonnten Standort und der Baum sollte auch regelmäßig ausgelichtet werden, denn Schattenfrüchte im Innern des Baumes schmecken oft eher fad. Ein regelmäßiger Schnitt des Baumes ist auch aus einem weiteren Grund ratsam: Wird der Baum längere Zeit nicht geschnitten, trägt er zwar weiterhin reich, die Früchte werden jedoch immer kleiner (bis auf Walnussgröße).

Zuccalmaglio, Bild 3, Neigung zu kleinen Früchten, © Rolf Meyer

Der Baum des Zuccalmaglio wird selten riesig und fängt nach der Pflanzung schon recht bald an zu tragen. Insofern eignet sich die Sorte – wenn die Schnittpflege des Baumes nicht vergessen wird – gut für den Haus- und Kleingarten. Wird sie auf Obstwiesen gepflanzt (bei sehr extensiver Pflege und ohne offene Bodenscheibe im Grünland stehend), vergreisen die Bäume meist vorzeitig und füllen den ihnen zugedachten Standraum gar nicht erst aus.

Bleibt die Frage, woher der Name dieser Apfelsorte stammt, den auszusprechen für viele bereits ein Zungenbrecher ist: Vincent von Zuccalmaglio (1806-1876), dem diese Sorte gewidmet war, war Notar und Zeitungsherausgeber im Rheinland. Menschen, die an Literatur interessiert sind, kennen ihn vielleicht besser unter dem Pseudonym ‚Montanus’, unter dem er Dutzende von Schriften verfasst hat. In Köln aufgewachsen, lebte er in Grevenbroich – also dem Ort, an dem auch der Privatzüchter Diedrich Uhlhorn wirkte (der im Hauptberuf Fabrikant war). Für Uhlhorn war Vincent von Zuccalmaglio nicht nur „irgendeine“ Person des öffentlichen Lebens in Grevenbroich, sondern er heiratete 1871 dessen zweitjüngste Tochter Hermine. Mit der Apfelsorte Zuccalmaglio, die er 1878 aus einem Samen der Ananas-Renette zog, ehrte er also seinen Schwiegervater, der zwei Jahre bereits gestorben war.

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Quellenangaben:

  • Kurzbeschreibung – Geschmack: Autor H.J. Bannier, © H.J. Bannier/Rolf Meyer
  • Wuchs – Weitere Bemerkungen: zusammengestellt aus eigenen praktischen Erfahrungen und (historischer) Fachliteratur: Autor und © Rolf Meyer
  • Ausführliche Beschreibung: Autor H.J. Bannier, © H.J. Bannier/Rolf Meyer
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