Gelber Bellefleur

Gelber Bellefleur, Bildquelle: UK National Fruit Collection
Beschreibung der Apfelsorte Gelber Bellefleur
Wirtschaftsapfel, nur in warmen Lagen auch geschmacklich befriedigender Tafelapfel. Baum starkwüchsig, stark anfällig für Schorf, daher nur für gut durchlüftete Lagen und bei regelmäßigem Auslichtungsschnitt. Etwas anfällig für Mehltau, robust gegenüber Obstbaumkrebs.
Erntezeitpunkt
15.10.-30.10.
Verwendung ( ) = eingeschränkt
Wirtschaftsapfel/(Tafelapfel)
Anbaueignung ( ) = eingeschränkt
Lagermöglichkeit
4-5 Monate
Geschmack (1=sehr gut)
3-
———– Hinzufügungen:
Charakteristische Leitmerkmale
- Zahlreiche fühlbar erhabene, hellbraune und teilweise dreieckig verkorkte Lentizellen. Die Schalenpunkte sind häufig eckig, gelegentlich drei- oder viereckig. Die besondere Kombination aus Erhabenheit, Verkorkung und kantiger Form ist eines der wichtigsten Leitmerkmale und wird vom KOB ausdrücklich hervorgehoben.
- Kelchgrube mit fünf kräftigen Rippen oder ausgeprägten Höckern. Die Kelchgrube ist flach bis mitteltief und besitzt feine Falten. Besonders auffällig sind fünf breite, zum Teil große Höcker, die als Kanten über die Frucht weiterlaufen. Durch sie erhält die Frucht ihre charakteristische, häufig kalvillartige Form.
- Röhrenförmige Kelchröhre.
Weitere Merkmale
- Fruchtgröße: Mittelgroß bis groß, häufig etwa 70–85 mm hoch und breit.
- Fruchtform: Hochgebaut, kegelförmig bis breit-eiförmig, zur Kelchseite verjüngt, häufig ungleichhälftig.
- Grundfarbe: Grünlich gelb, bei Genussreife zitronengelb.
- Deckfarbe: Meist fehlend oder schwach, sonnenseitig gelegentlich trüborange bis bräunlich rot.
- Schale: Glatt, fest, je nach Reifezustand trocken bis leicht fettig.
- Kelchblätter: Mittellang, grün, oft wollig behaart und überwiegend aufrecht; Kelch meist geschlossen bis halboffen.
- Stiel: Kräftig, kurz bis mittellang, häufig etwa 15–22 mm lang.
- Stielgrube: Tief, eng, grünlich, wenig bis mäßig berostet.
- Kernhaus: Groß, häufig mit geöffneten, geräumigen Kernkammern.
- Samen: Groß, länglich bis oval, mitunter zugespitzt.
- Geschmack: Süßsäuerlich, fein gewürzt, häufig als bananen- oder quittenartig beschrieben.

Apfelsorte Gelber Bellefleur: erhabene, teils eckige Lentizellen, grünliche, enge Stielgrube. Bildquelle: USDA Pomological Watercolor Collection POM00000869, Bildausschnitt

Apfelsorte Gelber Bellefleur. röhrenförmige Kelchröhre, höckriger Kelchbereich, Bildquelle Lauche, Bildausschnitt
Verwechslersorten
Ähnlich sind:
- Weißer Winterglockenapfel: Der Pomologen-Verein nennt Gelber Bellefleur ausdrücklich im Zusammenhang mit den Verwechslungsmöglichkeiten des Weißen Winterglockenapfels. Unterschiede: Weißer Winterglockenapfel häufig stärker glockenförmig und zur Kelchseite deutlicher verjüngt. Beim Gelben Bellefleur sind die eckigen, erhabenen Lentizellen besonders auffällig. Weißer Winterglockenapfel besitzt ein ausgeprägt säuerliches, etwas zitronenartiges Fruchtaroma. Gelber Bellefleur ist feiner gewürzt, häufig mit bananenartiger Geschmacksnote.
- Gelbe Schafsnase: Beide Sorten besitzen große, gelbe, hochgebaute, häufig unregelmäßige Früchte. Unterschiede: Gelbe Schafsnase mit großem, die Kelchgrube nahezu ausfüllendem Kelch. Ihre Kelchhöhle ist auffallend groß, tief und weit; beim Gelben Bellefleur beschreibt das KOB eine flache, stumpf kegelförmige Kelchhöhle mit röhrenförmiger Fortsetzung. Gelbe Schafsnase besitzt einen sehr kurzen, fleischigen Stiel. Gelber Bellefleur zeigt die auffallenden, erhabenen und eckig verkorkten Lentizellen. Gelbe Schafsnase ist wesentlich schorfrobuster.
- Gelber Edelapfel: Eine weitere mögliche Verwechslung aufgrund der hellgelben Fruchtfärbung. Unterschiede: Gelber Edelapfel überwiegend rundlicher bis breitkegelig, ohne die charakteristisch kräftigen Bellefleur-Höcker. Seine Schale zeigt nicht die beim Gelben Bellefleur besonders typischen dreieckig verkorkten Lentizellen. Gelber Edelapfel reift früher, überwiegend September bis Oktober. Sein Geschmack ist deutlicher säuerlich, ohne die für Bellefleur beschriebene bananenartige Würze
Wuchs, Pflege, Ernte/Ertrag
- Krone: Wuchsstärke je nach Quelle schwach bis stark beschrieben. Historisch kräftiger Wuchs mit rundlicher, etwas überhängender Krone. Neuere Beobachtungen beschreiben häufig nur mittelstarken Wuchs.
- Fruchtholz: Bildet lange Fruchtruten. Dieses Merkmal wird vom KOB ausdrücklich hervorgehoben und ist für die Schnittführung besonders wichtig.
- Schnitt: Kein strenger Fruchtholzschnitt. Lange Fruchtruten erhalten und nur gezielt erneuern. Regelmäßiges Auslichten wegen hoher Schorfanfälligkeit empfehlenswert. Den Schnitt an das tatsächliche Triebwachstum anpassen.
- Windfest: Nach Landkreis Donau-Ries bis zur Baumreife windfest. Das Versuchszentrum Laimburg bestätigt eine geringe Neigung zum Vorerntefruchtfall. Für stark exponierte Lagen fehlen jedoch gesicherte Beobachtungen.
- Ernte/Ertrag: Historisch als reich und regelmäßig tragend beschrieben, neuere Untersuchungen nennen mittlere, überwiegend regelmäßige Erträge. Nicht zu früh ernten.
Quellenangaben: Autor H.J. Bannier, © H.J. Bannier/Rolf Meyer
Informationen zu Sortenmerkmalen, Verwechslersorten sowie zu Pflege- und Erntehinweisen: zusammengestellt aus (historischer) pomologischer Fachliteratur, pomologischen Veröffentlichungen im Internet und zum geringen Teil aus eigenen Erfahrungen. Autor und © Rolf Meyer. Die Recherchequellen werden hier aufgeführt.
