
Boskoop, Bildquelle UK National Fruit Collection
Beschreibung der Apfelsorte Boskoop
Bekannter Tafelapfel für Winterlagerung, teilweise bei Kunden noch sehr beliebt, weil einzige säuerlich-aromatische Sorte auf dem Markt. Frucht anfangs sauer, nach längerer Lagerung aromatischer und auch süßer werdend. Baum sehr starkwüchsig, kommt spät in den Ertrag, dann alternierend. Gering anfällig für Schorf u. Läuse. Es gibt zahlreiche Mutanten mit unterschiedlicher Schorfanfälligkeit, unterschiedlicher Pflückreife u. Haltbarkeit der Früchte. Typische Streuobstsorte.
Erntezeitpunkt
10.10.-24.10.(-30.10.)
Verwendung ( ) = eingeschränkt
Tafelapfel/(Wirtschaftsapfel)
Anbaueignung ( ) = eingeschränkt
Streuobstwiese, Garten
Lagermöglichkeit
5-6 Monate
Geschmack (1=sehr gut)
(2-3) 2
Dass die Apfelsorte Boskoop auch ein aromatischer und süßer (bzw. süßsäuerlicher) Tafelapfel wird, wenn er nur lange genug liegt, ist meist nur denen bekannt, die selbst einen Boskoop-Baum im Garten stehen haben und die Früchte über den Winter eingelagert haben. Denn seine Süße und sein Aroma entwickelt der Boskoop erst nach längerer Lagerung. Am besten schmecken die Früchte meist dann, wenn die Früchte äußerlich schon etwas zu runzeln bzw. zu welken beginnen. Tragischerweise lassen die meisten Kunden im Laden den ‚Boskoop‘ dann liegen, weil er ihnen nicht mehr fest und knackig genug aussieht. So kommt es, dass der Boskoop zu Unrecht von manchen nur als saurer, nicht besonders schmeckender Apfel angesehen wird.
Als wir 2015 und 2016 große Mengen ‚Boskoop‘ geerntet und eingelagert hatten und im Dezember den Naturkostläden anboten, bekamen wir von einem Bioladen eine Abfuhr („unsere Kunden wollen den Boskoop hart und knackig“). So sorgt leider Unwissen dafür, dass die Sorte im Obsthandel nur ein Randdasein führen wird.
Wer den ‚Boskoop‘ daheim im Garten pflanzen will, muss allerdings wissen, dass die Baum einige Jahre braucht, bis er mit dem Ertrag beginnt! Beim klassischen Hochstamm (auf starkwüchsigen Apfelwurzeln veredelt) dauert es 8-9 Jahre bis zum Ertragsbeginn, bei kleineren Baumformen (je nachdem, auf welcher Wurzelunterlage er veredelt wurde) 3-6 Jahre ab Pflanzung, bis sie erste Früchte tragen. Und auch dann ‚alterniert‘ der Boskoop gerne, d.h. blüht und trägt nur alle 2 Jahre. Davon abgesehen, bildet die Sorte aber schöne Kronen und ist relativ robust gegenüber den wichtigsten Krankheiten des Obstbaus.
Pflege- und Erntehinweise für die Boskoop-Bäume
- Wuchs: Triploide Sorte. Kräftig und stark wachsend,
- Aeste: Leitäste schräg aufstrebend mit genügend Seitenholz,
- Schnitt: Benötigt nur wenig Erhaltungsschnitt,
- Fruchtholz: Fruchtholz mittellang,
- Windfest? Ja,
- Ernte/Ertrag: Blüten/Früchte auslichten, um der Alternanz vorzubeugen.
Charakteristische Merkmale
Petzold hebt besonders folgende spezifische Kennzeichen hervor:
- Schale trocken bis rau,
- Kernhaus kelchnah,
- und ein deutlich säuerlicher Geschmack
und stellt diese Merkmale unmittelbar der Coulons Renette gegenüber.
Kessler verwendet ebenfalls gerade die Kernhauslage zur Unterscheidung: Boskoop kelchwärts, Coulons Renette stielwärts.
Weitere wichtige Merkmale
Boskoop ist mittelgroß bis groß und sehr formvariabel: meist abgeflacht kugelig, teilweise höher gebaut und häufig etwas unregelmäßig. Die Schale kann nur mäßig, aber auch sehr stark flächig berostet und ledrig sein. Die Stielgrube ist eher eng und flächig berostet. Das Fruchtfleisch ist gelblich, fest und grobzellig, mit deutlicher Säure. Die langen, zugespitzten Samen sind als Folge der Triploidie häufig schlecht ausgebildet bzw. taub.

Apfelsorte Boskoop: trockene, raue Schale. Bildquelle: USDA POM00001416 (Teilansicht)

Apfelsorte Boskoop: kelchnahes Kernhaus, Bildquelle: USDA POM00001416 (Teilansicht)
Verwechslersorten
Ähnlichkeiten bestehen mit folgenden Apfelsorten:
- Coulons Renette – wichtigste Verwechslersorte: Dies ist die klassische Differentialdiagnose: Boskoop: trocken bis rau → Kernhaus eher kelchnah → deutlich säuerlich. Coulons: trocken, aber eher glatt → Kernhaus stielnah → deutlich säureärmer und süßer.
- Graue Herbstrenette: Die aktuelle Monografie nennt Boskoop als Verwechsler. Boskoop ist meist höher gebaut, später reif und besitzt die charakteristische kräftigere „Boskoop-Säure“.
- Roter Boskoop: Eigentlich keine echte eigenständige Vergleichssorte, sondern eine stärker rot gefärbte Mutation des Boskoop-Komplexes. Bannier weist darauf hin, dass Roter Boskoop etwas früher reift und etwas kürzer lagerfähig ist. Die innere Struktur bleibt Boskoop-typisch.
Quellenangaben: Autor H.J. Bannier, © H.J. Bannier/Rolf Meyer
Informationen zu Sortenmerkmalen, Verwechslersorten sowie zu Pflege- und Erntehinweisen: zusammengestellt aus (historischer) pomologischer Fachliteratur, pomologischen Veröffentlichungen im Internet und zum geringen Teil aus eigenen Erfahrungen. Autor und © Rolf Meyer. Die Recherchequellen werden hier aufgeführt.