Kaiser Wilhelm, © UK National Fruit Collection

Kaiser Wilhelm, Bild 2, spät geerntet, von Wespen angefressen, © Rolf Meyer

Kurzbeschreibung
Einst bekannter u. beliebter Tafelapfel. Früchte groß, gut gefärbt, jedoch von mäßigem Aroma und bald mürbe werdend. Anfällig für Stippe. Baum sehr starkwüchsig, kommt spät in den Ertrag, dann alternierend. Schorf- u. mehltaufest, auf schweren Böden anfällig für Obstbaumkrebs. Große Früchte vorab pflücken.

Erntezeitpunkt
01.10.-14.10.

Verwendung ( ) = eingeschränkt
Tafelapfel/Wirtschaftsapfel

Anbaueignung ( ) = eingeschränkt
(Streuobstwiese)
Wird vom Koordinierungsausschuss Obstwiesenschutz NRW als Streuobst-Anbausorte empfohlen.

Lagermöglichkeit
3(-5) Monate

Geschmack (1=sehr gut)
3

Wuchs:
Triploide Sorte. Starker Wuchs, auch noch im Vollertragsalter

Krone:
Sehr groß und hoch

Aeste:
Anfangs mittelsteil bis steil aufrechten Leitästen, später mehr in die Breite und waagerecht stehend. Lange und dicht verzweigte Seitenäste

Schnitt:
Schonender Schnitt, die Krone begnügt sich mit regelmäßigem Auslichten. Verjüngungsschnitt nur in fortgeschrittenem Alter notwendig. Bei schwachem Schnittb ildet sich in reichem Maße Fruchtholz, bei stärkerem Schnitt entstehen zu viele Holztriebe, die den Kronenaufbau unübersichtlich machen

Fruchtholz:
Fruchtholz mit Kurztrieben gleichmäßig an Leitästen und an kräftigen, langen Seitenästen verteilt

Windfest?
Ja

Ernte/Ertrag:
Spät einsetzend, alternierend

Verkostungsergebnis (beste besondere Qualität = +++)
Leichtes Rosenaroma; Geschmack fruchtig, reiner und guter Apfelgeschmack ohne spezielle Würzung, gutes Zucker-Säure-Verhältnis; besondere Qualität: +

Weitere Bemerkungen über die Apfelsorte Kaiser Wilhelm
Für Tafelobst: Blüten/Früchte auslichten, um der Alternanz vorzubeugen. 

Ausführliche Beschreibung

Nein, die Historie ist es nicht. Und das schöne Aussehen der Sorte sicherlich auch nicht (in diesem Jahr haben wir wieder schöne leuchtend rote Früchte). Aber wirklich empfehlen, sich einen Baum dieser Sorte zu pflanzen, kann ich beim besten Willen nicht. Auf den schweren Lehmböden und dem eher luftfeuchten atlantischen Klima im Westen Deutschlands sind die Bäume des Kaiser Wilhelm einfach zu leicht von Obstbaumkrebs beeinträchtigt (im kontinentaleren Klima Ostdeutschlands soll das Problem geringer sein). Dazu kommt die Anfälligkeit für Stippe, wenn die Früchte (oft) sehr groß ausfallen. Und schließlich brauchen die neu gepflanzten Bäume sehr lange, bis sie in den Ertrag kommen.

Das würde ich mir alles auch noch gefallen lassen, wenn die Sorte entweder super schmecken oder als Mostapfel durch sehr hohe Erträge glänzen würde. Beides ist nur begrenzt der Fall: Direkt nach der Ernte schmeckt der Kaiser Wilhelm erfrischend, nach Apfel eben (aber bezüglich des Aromas auch nicht nach mehr). In einem Apfel-Seminar, in dem es u.a. um Geschmacksvielfalt ging, gab es zahlreiche Apfelsorten, die als „fruchtig“ oder „nussig“ klassifiziert wurden oder die etwas nach Birne, Erdbeere oder Banane schmeckten. Befragt, wie der ‘Kaiser Wilhelm’ schmecke, antwortete ein Teilnehmer, der schmecke „bäuerlich“. Sollte wohl so viel heißen wie “schlicht” oder “anspruchslos”? Ich fand, der Vergleich mit ‘Kaiser Wilhelm’ beleidigte eher die Bauern mit ihrer vielseitigen Tätigkeit des bäuerlichen Berufs (soll ich mich vielleicht hinstellen und behaupten, der Apfel schmecke „wie das Leben eines Verwaltungsbeamten im mittleren Dienst einer Kreisstadt”?). Nein – ich muss beim ‘Kaiser Wilhelm’ eher an die Geschichte vom Kaiser mit den neuen Kleidern denken (und dem Kind, das ruft: “Der hat ja gar nichts an!”).

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Quellenangaben:

  • Kurzbeschreibung – Geschmack: Autor H.J. Bannier, © H.J. Bannier/Rolf Meyer
  • Wuchs – Weitere Bemerkungen: zusammengestellt aus eigenen praktischen Erfahrungen und (historischer) Fachliteratur: Autor und © Rolf Meyer
  • Ausführliche Beschreibung: Autor H.J. Bannier, © H.J. Bannier/Rolf Meyer
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