Glockenapfel (Syn. Weißer Winterglockenapfel)

Glockenapfel (Weißer Winterglockenapfel), Bildquelle: UK National Fruit Collection
Beschreibung der Apfelsorte Glockenapfel
Winterapfel mit säuerlich-aromatisch, zitroniges Aroma, gut haltbar ohne Lagerverluste bis Mai. Helles, beim Backen kaum bräundendes Fruchtfleisch. Genussreif erst nach Aufhellung der grünen Fruchtfarbe (z.T. erst ab Januar). Anfällig für Fruchtschorf, gut durchlüfteten Standort wählen, Baum ansonsten sehr vital.
Erntezeitpunkt
15.10.-30.10.
Verwendung ( ) = eingeschränkt
Tafelapfel
Anbaueignung ( ) = eingeschränkt
Garten, Streuobstwiese
Lagermöglichkeit
7 Monate
Geschmack (1=sehr gut)
2-
———– Hinzufügungen:
Charakteristische Leitmerkmale
- Hochgebaute, zur Kelchseite auffällig eingeschnürte, glockenförmige Fruchtform. Die Frucht ist häufig ungleichhälftig und wirkt zum Kelch hin tailliert. Nicht die bloße Kegelform, sondern die ausgeprägte Einschnürung zur Kelchseite ist das namensgebende und wichtige Formmerkmal.
- Weit geöffnete Kernhausachse mit kräftigen, häufig an den Kernkammerwänden haftenden, rehbraunen und kräftigen Kernen. Das KOB hebt die kräftigen, anhaftenden Samen ausdrücklich als besonderes Sortenmerkmal hervor.
- Hellgelbe Schale mit sonnenseitig ziegelroter Deckfarbe und auf der Deckfarbe rot umhöfte Lentizellen. Die grünlich gelbe Grundfarbe wird bei Genussreife hell- bis zitronengelb. Sonnenseitig entsteht häufig eine verwaschene ziegelrote Färbung, auf der Lentizellen mit rötlichem Hof auftreten.
- Sehr festes, weißes Fruchtfleisch mit lange erhaltenem zitronenartigem Geschmack.
Weitere Merkmale
- Fruchtgröße: Mittelgroß bis groß, nach KOB häufig 170–200 g.
- Schale: Glatt, trocken, fest und verhältnismäßig derb.
- Stielgrube: Mitteltief, mittelweit, meist wenig berostet.
- Stiel: Kurz, mitteldick und holzig.
- Kelchgrube: Flach, mittelweit bis weit, mit feinen Falten und gelegentlich schwachen Rippen.
- Kelch: Mittelgroß, geschlossen bis halboffen.
- Kelchblätter: Grün, wollig behaart, teilweise am Grund voneinander getrennt.

Apfelsorte Glockenapfel: eingeschnürte Fruchtform, rot umhöfte Lentizellen auf der Deckfarbe. Bildquelle: UK National Fruit Collection, Bildausschnitt
Verwechslersorten
Ähnlich sind:
- Gelbe Schafsnase: Beide Sorten besitzen große, hochgebaute, überwiegend gelbe und glockenförmige Früchte. Unterschiede: Gelbe Schafsnase mit auffallend großem Kelch, der die Kelchgrube weitgehend ausfüllt, Glockenapfel mit mittelgroßem, geschlossenem bis halboffenem Kelch. Gelbe Schafsnase mit besonders großer, tiefer und weiter Kelchhöhle, Glockenapfel mit kräftigen, überwiegend gut ausgebildeten Samen; Gelbe Schafsnase mit kleineren, teilweise schlecht entwickelten Samen. Glockenapfel deutlich zitronensäuerlicher.
- Tulpenapfel: Beide Sorten können eine hochgebaute, zur Kelchseite verjüngte Form besitzen. Der Tulpenapfel ist häufig spitzer kegelförmig und ausgeprägter dreikantig, Glockenapfel besitzt dagegen häufig eine auffällige Einschnürung unterhalb der Kelchpartie und einen überwiegend rundlichen, nur schwach kantigen Querschnitt. Für die sichere Unterscheidung sollten laut Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt zusätzlich Kelch, Kernhaus und Samen verglichen werden. Die Fruchtform allein reicht hier nicht immer aus.
- Finkenwerder Herbstprinz: Ebenfalls hochgebaut, häufig kantig und gelegentlich glockenförmig. Finkenwerder Herbstprinz mit stärker variabler, häufig ausgeprägter roter Streifung. Sein Fruchtfleisch besitzt eine deutlichere sortentypische Würze. Er wird bereits Ende September bis Anfang Oktober reif. Glockenapfel ist überwiegend gelb mit verwaschener roter Sonnenseite und besitzt die lange erhaltene zitronenartige Säure.
- Gelber Bellefleur: Beide Sorten besitzen häufig hochgebaute, gelbe, unregelmäßige Früchte. Gelber Bellefleur mit auffallend erhabenen, teilweise eckig verkorkten Lentizellen. Glockenapfel dagegen häufig mit rot umhöften Lentizellen. Beim Gelben Bellefleur sind die Rippen der Kelchpartie oft kräftiger ausgeprägt. Gelber Bellefleur besitzt eine feinere, teilweise bananenartige Würze; Glockenapfel eine vorherrschende zitronenartige Säure
Wuchs, Pflege, Ernte/Ertrag
- Krone: Anfangs mittelstarker bis starker, steil aufrechter Wuchs.
- Äste: Langtriebe verzweigen sich häufig büschelartig erst im oberen Drittel und verkahlen an ihrer Basis. Gleichzeitig entstehen zahlreiche steil aufrechte Jungtriebe.
- Fruchtholz: Blüten und Fruchtansätze überwiegend im oberen Bereich der Langtriebe. Die unteren Triebabschnitte neigen zur Verkahlung.
- Schnitt: Regelmäßiger Erneuerungsschnitt besonders wichtig. Langtriebe durch geeignete Ableitungsschnitte zu einer günstigeren Verzweigung anregen.
- Windfest: Bis zur Baumreife windfest, danach zunehmender Fruchtfall. Die Früchte können sich wegen ihrer kurzen Stiele gegenseitig aus der Fruchtstellung drücken.
- Ernte/Ertrag: Mittelfrüher Ertragsbeginn. Mittlere bis hohe Erträge, häufig mit deutlicher Alternanz.
Quellenangaben: Autor H.J. Bannier, © H.J. Bannier/Rolf Meyer
Informationen zu Sortenmerkmalen, Verwechslersorten sowie zu Pflege- und Erntehinweisen: zusammengestellt aus (historischer) pomologischer Fachliteratur, pomologischen Veröffentlichungen im Internet und zum geringen Teil aus eigenen Erfahrungen. Autor und © Rolf Meyer. Die Recherchequellen werden hier aufgeführt.
