Es gibt kaum Informationen über dieses Thema

Ich habe verschiedene robuste und auch weniger robuste Apfelsorten aus dem Streuobst-Sortengarten Remscheid jeweils zu sortenreinen Apfelsäften pressen und diese dann verkosten lassen. Die unten stehende Auswahl ist nicht sehr groß. Sicherlich gibt es auch andere geeignete Sorten, aber darüber gibt es kaum Informationen. Das einzig Auffindbare in dieser Hinsicht ist eine wissenschaftliche Untersuchung aus der Schweiz, die Polyphenol-, Säure- und Zuckergehalte bei verschiedenen Streuobstsorten untersucht und bewertet hat. Diese Ergebnisse helfen aber kaum weiter, weil wir eher subjektive Eindrücke benötigen.

Eigene Anbau- und Verkostungsergebnisse

Folgende Apfelsorten ergeben – laut unseren Verkostungsergebnissen – gut schmeckende sortenreine Apfelsäfte. Sie weisen – mit zwei Ausnahmen – alle für hochwertige Saftsorten notwendigen Kriterien auf. (Siehe auch Blogbeitrag: https://bergischer-streuobstwiesenverein.de/kriterien-zur-beurteilung-von-apfelsorten-fuer-die-saftherstellung/)

Eine Ausnahme stellen die Sorten “Zuccalmaglio” und “Gravensteiner” dar: ihnen fehlt es an Robustheit, es sind schwierige Sorten mit hohem Pflegeaufwand. Das machen sie aber durch ihre geschmackliche und aromatische Tiefe wett.

Zabergäurenette

  • Ausgeprägte sortenspezifische Würze, ähnlich wie Boskoop, nur noch mehr Würze und Süße.
  • Saft hat nach einem Jahr Lagerung die Geschmacksnote von Rhabarber. 
  • Kein Vorerntefruchtfall, Früchte sind windfest am Baum.
  • Robust, wenig krankheitsanfällig.
  • Wechsel zwischen Jahren mit mehr und Jahren mit weniger Ertrag.

Rheinischer Bohnapfel

  • Saft hat einen leicht bitteren und gerbstoffhaltigen Geschmack, sehr spezifisch. Der “trockene” unter den Apfelsäften.
  • Kein Vorerntefruchtfall, Früchte sind windfest am Baum.
  • Robust, wenig krankheitsanfällig.
  • Ertrag etwas alternierend.

Gewürzluiken

  • Ausgeglichene Würze mit einer etwas birnenähnlichen (gerbstoffhaltigen) Note.
  • Saft schmeckt leicht und frisch, sehr ausgewogen. Hat bei einer Saftverkostung den zweiten Platz belegt.
  • Kein Vorerntefruchtfall, Früchte sind windfest am Baum.
  • Robust, kaum krankheitsanfällig.
  • Jährlich regelmäßiger Ertrag.

Prinz Albrecht von Preussen

  • Rosenartige, frische Würze.
  • Saft hat anfangs eine Note von Rhabarber, die sich mit zunehmender Lagerung verliert. Aroma dann leicht und unaufdringlich.
  • Eigentlich ein Massenträger, aber gut für einen sortenreinen Saft geeignet.
  • Früchte sollten vereinzelt werden, um Fruchtfäule durch zu engen Behang und Baumerschöpfung vorzubeugen, deshalb Pflege arbeitsaufwendig.
  • Geringer Vorerntefruchtfall.
  • Robust, relativ wenig krankheitsanfällig.
  • Regelmäßiger, jährlicher Ertrag.
  • Hoher Schnittaufwand wegen Neigung zur Erschöpfung und Vergreisung.

Kardinal Bea

  • Würze leicht lakritzartig.
  • Relativ säurearmer Saft, vollmundig, auch bei Kindern sehr beliebt.
  • Kein Vorerntefruchtfall, windfest.
  • Schwacher Wuchs.
  • Jährlich regelmäßiger, aber geringer Ertrag.
  • Sehr robuste Sorte, wenig krankheitsanfällig.

Ananasrenette

  • Ansammlung von Südfrüchte-Aromen, die an Ananas, Banane und Mango erinnern.
  • Saft hat eine große geschmackliche Tiefe. Sollte nicht zu reif geerntet werden, damit der Säuregehalt noch hoch genug ist.
  • Geringer Vorerntefruchtfall.
  • Stark krebsanfällig in verdichteten und feuchten Böden. Ansonsten relativ robust.
  • Hoher Pflegeaufwand. Früchte sollten vereinzelt werden, sonst bleiben sie klein.

Zuccalmagliorenette

  • Ausgeprägte sortenspezifische Würze.
  • Saft schmeckt quittenähnlich mit etwas zitroniger Säure und passender Süße. 
  • Kein Vorerntefruchtfall, Früchte sind windfest am Baum.
  • Robust, wenig krankheitsanfällig.
  • Jährlich regelmäßiger, aber geringer Ertrag.
  • Benötigt viel Düngung wegen Neigung zur Schwachwüchsigkeit.
  • Benötigt relativ warmen Standort und aufwendige Pflege.
  • “Schwierige” Sorte.

Gravensteiner

  • Ausgeprägte sortenspezifische Würze.
  • Saft hat Aroma nach frisch gemähter Wiese. Wunderbar ausgewogener Geschmack. 
  • Starker Vorerntefruchtfall.
  • Starkes Wachstum, aber krankheitsanfällig.
  • Jährlich unregelmäßiger, alternierender Ertrag.
  • Benötigt spezielles, feuchteres Klima und einen hohen Pflegeaufwand.
  • “Schwierige” Sorte.
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